Fahrverbot für schmutzige Dieselautos: Ein Thema für Zürich

Alte Dieselfahrzeuge verschmutzen die Luft, deshalb sollen sie aus deutschen Städten verbannt werden. Was findet man bei der Stadt Zürich dazu? «Sinnvoll!»

Die Stickoxidbelastung liegt auch in Zürich über dem Grenzwert – etwa an der Rosengartenstrasse.

Die Stickoxidbelastung liegt auch in Zürich über dem Grenzwert – etwa an der Rosengartenstrasse. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Das Stuttgarter Neckartor gehört zu den giftigsten Orten Deutschlands – mehr noch: des gesamten Kontinents. Gemäss offizieller Messung trug dort 2016 jeder Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt 81,6 Mikrogramm giftiges Stickoxid mit sich. Der Grenzwert liegt in der EU bei 40 Mikrogramm.

Weil auch andernorts die Grenzwerte teils markant überschritten werden – konkret geht es um Stuttgart und Düsseldorf –, hat das deutsche Bundesverwaltungsgericht gestern ein wegweisendes Urteil gefällt: Deutschen Städten soll es möglich sein, ältere Dieselfahrzeuge mit einem Fahrverbot zu belegen.

Dieselautos sind punkto Stickoxidausstoss deutlich schmutziger als Benzinautos. Das ist die eine Seite des Problems. Die andere: Der Anteil an Dieselfahrzeugen hat in den letzten Jahren markant zugenommen – auch in Zürich. Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil an Dieselautos in der Schweiz von vier auf 29 Prozent gestiegen. Gut jedes dritte Auto, das in der Schweiz zugelassen ist, fährt inzwischen mit Diesel.

Tiefer – aber über dem Grenzwert

Bedeutet dies, dass sich das Stickoxidproblem, wie es sich in Stuttgart und Düsseldorf stellt, auch an stark befahrenen Strassen in Zürich manifestiert? Müssen demnach auch hierzulande Fahrverbote für schmutzige Diesel-Oldies in Betracht gezogen werden?

Die Beruhigung vorweg: In Zürich befindet sich die Stickoxidbelastung auch an Strassen mit viel Verkehr in einer anderen Dimension als an den deutschen Hotspots. An der Rosengartenstrasse wurde 2016 ein Jahresmittelwert von 47 Mikrogramm gemessen, an der Schimmelstrasse in der Nähe des Bahnhofs Wiedikon betrug der Wert 42 Mikrogramm. Der Grenzwert, der in der Schweiz allerdings tiefer liegt als in der EU, nämlich bei 30 Mikrogramm, wird aber auch in Zürich überschritten.

Abwärtstrend ist abgeflacht

Es gibt also auch in Zürich Potenzial punkto Luftqualität. Hier konnte dank schärferen Abgasvorschriften die Stickoxidbelastung zwischen 1990 und 2000 um die Hälfte reduziert werden. Inzwischen habe sich «der Abwärtstrend jedoch deutlich abgeflacht», schreibt der Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich. Der Hauptgrund dürfte die steigende Beliebtheit der Dieselautos sein

Mediensprecherin Bärbel Zierl präzisiert: «Die steigende Anzahl Dieselfahrzeuge wirkt sich prinzipiell negativ auf die Luftbelastung aus. Da wir die genauen Emissionen von Dieselfahrzeugen auf Stadtgebiet nicht kennen, ist aber keine seriöse quantitative Aussage zu den Auswirkungen möglich.»

Was tun? Zwar bestehen mit der Euro-6-Norm seit September 2014 für Dieselfahrzeuge strengere Abgasvorschriften. Wirklich gute Resultate erzielen laut dem deutschen Umwelt-Bundesamt aber erst die Fahrzeuge der allerneuesten Generation. Am Zustand von 2016 dürfte sich demnach noch kaum etwas geändert haben. Damals konstatierte das deutsche Bundesamt, dass die Dieselautos «für über 70 Prozent der Stickoxid-Emissionen des städtischen Strassenverkehrs verantwortlich» seien.

«Verbot wäre sinnvoll»

Für Bärbel Zierl vom Umwelt- und Gesundheitsschutz braucht es in Zürich auch in Zukunft Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität. Zürich habe zwar bereits einiges erreicht. Der motorisierte Individualverkehr gehe zurück, der Veloverkehr nehme zu. Weil an intensiv befahrenen Strassen die Grenzwerte aber weiterhin überschritten würden, müsse die Stadt Zürich weiter in den öffentlichen Verkehr investieren und den Velo- und Fussverkehr fördern.

Zum deutschen Weg meint Sprecherin Zierl: «Ein Verbot von Autos mit übermässigem Schadstoffausstoss wäre sinnvoll. Die Einführung von Umweltzonen oder das generelle Verbot von stark emittierenden Fahrzeugen liegt aber in der Kompetenz des Bundes oder des Kantons.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.02.2018, 14:01 Uhr

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