Fall Chilli's: Bedingte Strafe für Sittenpolizisten

Ein ehemaliger Funktionär der Stadtpolizei Zürich hat zwei Prostituierte nicht angezeigt und ihre Daten löschen lassen. Doch er hat noch mehr auf dem Kerbholz.

Ein Beschuldigte hat im Fall Chili's zwei Prostituierte mehrmals vor einer Strafe bewahrt.

Ein Beschuldigte hat im Fall Chili's zwei Prostituierte mehrmals vor einer Strafe bewahrt. Bild: Sabina Bobst

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Nun erhält im Zusammenhang mit dem Fall Chilli's doch noch ein Stadtpolizist mehr als eine Geldstrafe. Gegen einen ehemaligen Polizeifunktionär der Dienststelle Milieu- und Sexualdelikte der Stadtpolizei Zürich (MSD) hat die Staatsanwaltschaft I im abgekürzten Verfahren eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten beantragt.

Ihm wird unter anderem mehrfache Begünstigung, Amtsmissbrauch und Amtsgeheimnisverletzung vorgeworfen. Das schreibt die Oberstaatsanwaltschaft in einer Mitteilung. Im Zusammenhang mit einer Razzia im Nachtclub Chilli's im Zürcher Langstrassen-Quartier waren im November 2013 neun Personen verhaftet worden, darunter fünf Polizisten der Fachgruppe Milieu- und Sexualdelikte.

Datenlöschung erwirkt

Konkret soll der Angeklagte zwei Frauen nicht verzeigt haben, obwohl sie sich unzulässig prostituiert und gegen das Ausländergesetz verstossen hatten. Damit bewahrte er sie vor einer Strafverfolgung. Gegen eine der beiden Frauen wurde von Dritten dann doch noch einen Verzeigungsrapport erstellt.

In diesem Zusammenhang hat sich der Angeklagte erneut schuldig gemacht: Er soll eine Mitarbeiterin beauftragt haben, den noch zu bearbeitenden Verzeigungsrapport aus der polizeilichen Datenbank POLIS zu löschen. Somit entging die Frau erneut einer Strafverfolgung. Zudem soll er auch unberechtigten Dritten Daten aus der Datenbank weitergegeben haben.

Einladungen angenommen

Dem Funktionär wird zudem Vorteilsannahme vorgeworfen. Schuldig gemacht hat sich der Mann, weil er sich im Restaurant Schweizerdegen zweimal zu Getränken und Essen einladen liess, obwohl er für die Kontrolle des Wirtes zuständig war. In einigen weiteren Punkten ist das Verfahren eingestellt worden.

Mit der Anklageerhebung im abgekürzten Verfahren am 22. März hat die Staatsanwaltschaft den Fall abgeschlossen. Das abgekürzte Verfahren baut auf einem Geständnis und einem Antrag des Beschuldigten auf. Der Richter prüft einzig, ob die Durchführung des abgekürzten Verfahrens rechtmässig und angebracht ist sowie, ob das Strafmass angemessen ist. Das definitive Urteil wird bis Ende Jahr erwartet.

Drei hängige Verfahren

Die Staatsanwaltschaft I führte seit November 2013 Strafverfahren gegen verschiedene Polizeifunktionäre der MSD. Bereits im Frühling 2015 erhielten drei in die Affäre involvierte Polizisten einen Strafbefehl mit Geldstrafe, drei weitere Verfahren sind noch hängig.

Zwei der verhafteten Polizisten sassen während Monaten in Untersuchungshaft und wurden aus personalrechtlichen Gründen aus dem Dienst entlassen. Drei weitere Mitarbeiter, darunter die Chefin der Fachgruppe, wurden polizeiintern versetzt.

Erstellt: 07.04.2016, 12:55 Uhr

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