Fall «Godzilla»: Freundin muss fünf Jahre ins Gefängnis

Fünf Schüsse hatte die 34-jährige Frau auf ihren Freund, den «Godzilla» genannten Brasilianer, abgefeuert: Nun ist sie zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Staatsanwalt hatte 13 Jahre gefordert.

In der Kampfsportszene nannte er sich «Godzilla»: Erschossener Brasilianer.

In der Kampfsportszene nannte er sich «Godzilla»: Erschossener Brasilianer. Bild: PD

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Heute Donnerstag hat das Bezirksgericht Zürich das Urteil im sogenannten «Fall Godzilla» verkündet. Die Beschuldigte war nicht erschienen. Sie hat sich mit einem ärztlichen Zeugnis entschuldigen lassen. Für den Gerichtsvorsitzenden Sebastian Aeppli war die Tat vorsätzliche Tötung. Die Frau hatte einen Freispruch gefordert, weil sie in Notwehr gehandelt habe.

Das Gericht verurteilte die im Sicherheits- und Fitnessbereich arbeitende Frau zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Der Staatsanwalt hatte 13 Jahre gefordert. Laut Aeppli waren die ersten beiden Schüsse, welche die Frau auf den Mann abfeuerte, Notwehr. Die letzten beiden der insgesamt fünf Schüsse bewertete das Gericht aber als einen nicht entschuldbaren Notwehrexzess. Die Frau hatte gezielt auf den am Boden liegenden, wehrlosen Mann geschossen.

Mildes Urteil

Der Strafrahmen für vorsätzliche Tötung liegt zwischen fünf und zwanzig Jahren. Dass das Gericht den untersten Bereich wählte, begründete Aeppli damit, dass die Frau die Tat nicht geplant hatte, dass der Psychiater ihr eine mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit attestierte, sowie mit der schwierigen Beziehung des Paares und dem Geständnis und der Kooperation der Frau.

Die Frau und der Mann waren seit 2008 zusammen, hatten aber immer wieder Streit, es war eine «On-off-Beziehung». Laut der Beschuldigten war der Brasilianer an jenem verhängnisvollen Abend des 17. November 2012 sehr aggressiv gewesen, stand unter Kokain und bezichtigte sie, mit anderen Männern etwas zu haben, was nicht stimmte. Als der 197 Zentimeter grosse und 115 Kilogramm schwere Kampfsportler sie packen wollte, habe sie sich mit den fünf Schüssen gewehrt.

Auch Staatsanwalt Mathias Stammbach hatte der Frau Notwehr attestiert. Die letzten beiden Schüsse auf den verletzten und wehrlos am Boden liegenden Mann seien aber völlig unverhältnismässig gewesen. Es habe sich nicht um einen entschuldbaren Notwehrexzess gehandelt.

Erstellt: 12.03.2015, 12:32 Uhr

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