Falschparkierer wegen tödlichen Streits verurteilt

Ein falsch parkiertes Auto hat zu einem fatalen Streit geführt. Dabei starb ein 79-Jähriger. Das Bezirksgericht hat nun ein Urteil gefällt.

Vor diesem Haus in Zürich-Schwamendingen ereignete sich 2017 der tödliche Streit.

Vor diesem Haus in Zürich-Schwamendingen ereignete sich 2017 der tödliche Streit.

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Der Streitgrund war nichtig, doch die Konsequenz schwerwiegend. Das Bezirksgericht Zürich hat heute einen 55-jährigen Schweizer wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten bedingt verurteilt. Er hatte im November 2017 einen 79-jährigen tätlich angegriffen und zu Boden gestossen, woraufhin dieser an akutem Herzversagen starb. Grund für die Auseinandersetzung war sein ordnungswidrig parkiertes Autos vor einer Liegenschaft in Zürich Schwamendingen.

Der Beschuldigte wollte nur kurz etwas aus seiner Wohnung holen, parkierte deshalb auf dem Trottoir, als er vom späteren Opfer «laut und feindselig» angeschnauzt wurde, wie der Anwalt des Beschuldigten heute vor Gericht sagte. Der ältere Mann sei nach Aussagen des Beschuldigten mit einem Schlüsselbund in der Hand auf in zugestürmt. «Ich habe mich in erster Linie geschützt», sagte der Beschuldigte. Er habe von ihm Schläge auf den Kopf erhalten.

«Ich bin jetzt noch schockiert»

Dass er den Rentner aber gestossen und, als dieser schon am Boden lag, getreten hat, wie es in der Anklage steht, bestritt der Schweizer mit peruanischen Wurzeln. Er behauptete im Gegenteil, dass das Opfer noch aufrecht gestanden habe, als er mit dem Auto wegfuhr. Er habe ihn noch gefragt, ob er ins Spital gebracht werden wolle. «Ich wusste nicht, dass der Mann stirbt. Ich bin jetzt noch schockiert», sagte er.

Die Richterin glaubte ihm nicht. Sie berief sich auf Zeugenaussagen. Aus der Entfernung haben zwei Zeugen mehrere Tritte auf Rumpf und Kopf des Rentners gesehen. Ebenso stützte sich das Gericht auf das medizinische Gutachten, wonach der Rentner an akutem Herzversagen verstarb. Verursacht womöglich durch die Aufregung, in die der Mann im Streit geraten ist. Er litt seit Jahren an einem vergrösserten Herz mit schwerer Verkalkung und hatte deswegen schon mehrer Bypässe.

Der genaue Grund für das Herzversagen konnte jedoch nicht restlos geklärt werden. Die zweite mögliche Ursache dafür sind kleine Fetttröpfchen, die sich nach dem Sturz von der Hüfte lösten und die Lungenarterien verstopften.

«Der Schmerz sitzt tief»

Das Urteil von 12 Monaten bedingt fiel höher aus als die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe. Der Beschuldigte habe den Streit zwar nicht verursacht, er habe aber erhebliche Gewalt angewendet. Für den Sohn des Verstorbenen war die Strafe zu gering. Man habe zwar damit rechnen müssen, dass der Vater aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht mehr sehr lange lebe, dass er aber auf diese Weise habe sterben müssen, sei besonders schmerzhaft, sagte die Anwältin des Sohnes.

Das Gericht sprach ihm Schadenersatz und Genugtuung von insgesamt 13'500 Franken zu. Mit dem Geld kann der Sohn die Kosten decken, die nach dem Tod des Vaters entstanden sind.

Erstellt: 23.05.2019, 15:13 Uhr

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