FCZ-Südkurve verpasst Fans einen Maulkorb

Ein Flugblatt in der Kurve des FC Zürich verbietet es den Fans, mit den Medien über die aktuellen Vorkommnisse zu sprechen.

Die Südkurven-Fans dürfen nicht sagen, was sie wollen. Bild: TA

Die Südkurven-Fans dürfen nicht sagen, was sie wollen. Bild: TA

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Die Mitteilung wurde letzten Mittwoch anlässlich des Cup-Spiels des FC Zürich gegen den FC Thun im Letzigrundstadion an die Fans der Südkurve verteilt. Darin ist die Rede von einer «Medienkampagne», welche momentan im Gange sei. Daher sei es wichtig, als Südkurve an einem Strang zu ziehen und keine voreiligen Statements abzugeben. «Das gilt für jeden Einzelnen in der Kurve!», heisst es im Flugblatt.

Sollten Fans angesprochen werden, ob sie etwas über die «momentane Situation oder aktuellen Vorkommnisse» sagen könnten, sollten sie ablehnen. Wenn es «notwendig oder angebracht» sei, würde sich stattdessen die Südkurve als Kollektiv über die offizielle Homepage äussern. Bisher befand sie es offensichtlich nicht für notwendig.

Keine Zeichen der Mässigung

Das Kommunikationsorgan der Fankurve des Grasshopper Clubs Zürich (GCZ) dagegen hatte letzte Woche in einem Text die aktuelle Eskalation der Fangewalt kritisiert. Verurteilt wurden die Angriffe auf das GCZ-Fanlokal, der Gebrauch von Waffen und das systematische Ausrauben von GC-Fans. Die GC-Fankurve appellierte an die Selbstregulierung in der FCZ-Kurve und rief zur Mässigung auf.

Wer auf ein ähnliches Bekenntnis gegen die Gewalt aus der Südkurve des FCZ hoffte, wurde enttäuscht. Anstatt darauf zu antworten, wurden ein Dutzend Mitglieder der GC-Ultra-Gruppierung Blue White Bulldogs noch am selben Abend beim Training in einer Turnhalle in Leimbach angegriffen, verprügelt und ausgeraubt. Zwei Männer mussten mit Kopfverletzungen ins Spital gebracht werden. Sie konnten inzwischen wieder nach Hause.

Video: Krawalle wegen Derby

Vor der Partie FCZ-Grasshoppers wird der GC-Fanmarsch beim Hardturm angegriffen. Video: Leserreporter/Tamedia

In jüngster Zeit und vor allem seit dem Wiederaufstieg des FCZ in die Super League haben die gegenseitigen Attacken und Übergriffe von FCZ- und GC-Fans stark zugenommen. Unter den gewaltbereiten Fussballfans findet ein eigentliches Wettrüsten statt. Öfters werden die GC-Fans Opfer – von Hausbesuchen, Abpassungen auf dem Arbeitsweg oder Angriffen im Ausgang.


Wettrüsten unter Fussball-Schlägern
Hausbesuche, Auflauern, Angriffe auf offener Strasse
Mitglieder der FCZ- und GC-Fangruppierungen äussern sich besorgt über die Entwicklung in der Szene.


(rar)

Erstellt: 05.12.2017, 13:40 Uhr

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