FCZ-Fan verprügelt Familienvater vor seinen Kindern

Der 40-jährige Mann musste schwer verletzt ins Spital. Selbst für altgediente Polizisten ist das ein «besonders krasser Fall».

Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort. Symbolbild: Keystone

Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort. Symbolbild: Keystone

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Ein 40-jähriger Mann, der mit seinen beiden 2- und 4-jährigen Kleinkindern und einem Kinderwagen am Hardplatz in einen VBZ-Bus einsteigen wollte, wurde gestern von einem Unbekannten in FCZ-Fankleidung am Einsteigen gehindert, und ihm wurde mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Durch die Wucht des Faustschlags ist der Vater vor den Augen seiner Kinder aufs Perron geknallt und blieb dort regungslos liegen. Er musste mit schweren Kopfverletzungen ins Spital gebracht werden. Der unbekannte Täter konnte mit weiteren jungen Männern in FCZ-Fankleidung flüchten. Das meldet die Stadtpolizei Zürich.

«Einen derart krassen Fall von Gewalt an einem völlig unbeteiligten Menschen habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt», sagt Stapo-Medienchef Marco Cortesi. Der Mann, der aus dem asiatischen Raum stammt und weder den Fussballmatch besucht noch mit Fussball etwas am Hut hat, war wohl einfach im falschen Moment am falschen Ort. Der Bus der Linie 72 war ziemlich voll, als der Mann samt Kinderwagen einsteigen wollte.

Kinder wurden zu Bekannten gebracht

Sanität und Stadtpolizei kümmerten sich um die verstörten Kinder. Der Vater war mit ihnen zu Besuch bei Bekannten. Dank Aussagen der Kinder konnten die Betreuer die besuchte Familie in der Nähe ausfindig machen, die sich um die Kinder kümmerten, bis die Mutter sie abholen konnte. Der Vater ist laut Cortesi «gravierend verletzt» und hat schwere Kopfverletzungen davongetragen. Er konnte noch nicht einvernommen werden. Auch über erste Ermittlungserfolge gegen den Schläger ist noch nichts bekannt. Gemäss «20 Minuten» hat ein Augenzeuge beobachtet, wie der Täter dem am Boden liegenden Opfer zuschrie: «So einer hat es verdient.» Dann sei er weggerannt.

Der Vorfall ereignete sich nach dem Fussballspiel zwischen dem FC Zürich und dem FC St. Gallen im Letzigrund, das von den Zürcher 2:1 gewonnen wurde. Beim Rücktransport der Fans des FC St. Gallen vom Letzigrund zum Bahnhof Altstetten seien vier Busse eingesetzt worden, schreibt die Stadtpolizei weiter. Beim Eintreffen der Busse habe man festgestellt, dass eine Fensterscheibe in einem der vier Fahrzeuge zertrümmert worden war. 194 Personen wurden darauf von der Polizei kontrolliert, und eine 21-jährige Person wurde verhaftet. «Wir mussten alle Passagiere kontrollieren, weil wir nicht feststellen konnten, welche St. Galler Fans aus dem beschädigten Bus ausgestiegen waren», sagt Mediensprecher Marco Cortesi. Die Kontrolle habe anderthalb Stunden gedauert.

Polizei war mit Grossaufgebot präsent

In der Vergangenheit wurden bei Fussballspielen immer wieder Fahrzeuge der VBZ beschädigt, schreibt die Polizei. Zudem seien damals auch das VBZ-Personal bedroht und Polizistinnen und Polizisten angegriffen worden. Es entstand jeweils Sachschaden in der Höhe von mehreren Tausend Franken. Die Stadtpolizei Zürich habe aus diesem Grund schon vorab informiert, dass bei erneuten Gewalteskalationen zu Massnahmen wie Personenkontrollen gegriffen werde.

Die Polizei war schon vor dem Spiel mit einem Grossaufgebot vor Ort. Die Kontrolle sei kaum zufällig passiert, schreibt Fan-Anwältin und AL-Nationalratskandidatin Manuela Schiller auf Twitter:

Ebenfalls im Nachgang des Spiels hätten Unbekannte in der Nähe des Bezirksgebäudes an der Badenerstrasse die Scheibe eines Trams eingeschlagen. Stapo-Sprecher Cortesi will die Kritik von Schiller ausdrücklich nicht kommentieren. Die Stapo habe in den letzten Jahren festgestellt, dass es bei Spielen des FC St. Gallen regelmässig zu Sachbeschädigungen, zu Einschüchterung von anderen Matchbesuchern und zu Angriffen gegen Polizistinnen und Polizisten gekommen sei. Daraufhin seien die Fans des FC St. Gallen vom eigenen Club, den VBZ und der Stadtpolizei Zürich angeschrieben worden. Mit dem Informationsblatt wurden sie darauf hingewiesen, dass die Stadtpolizei Zürich Massnahmen ergreifen werde, um die Sicherheit aller Spielbesuchenden und Mitarbeitenden der VBZ und Polizei zu gewährleisten. (hwe/rba)

Erstellt: 15.08.2019, 10:22 Uhr

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