Mit dem Velo unterirdisch von Wipkingen nach Oerlikon?

Plötzlich lancieren FDP und SP unabhängig voneinander ähnliche Velotunnel-Ideen. Gibt es einen verborgenen Stollen nach Zürich-Nord?

Mit dem Velo durch einen Tunnel anstatt über den Hügel: Freisinnige und Sozialdemokraten wollen neue unterirdische Verbindungen. Foto: Keystone

Mit dem Velo durch einen Tunnel anstatt über den Hügel: Freisinnige und Sozialdemokraten wollen neue unterirdische Verbindungen. Foto: Keystone

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Mit dieser Forderung von bürgerlicher Seite hat kaum jemand gerechnet: Die FDP verlangt von der Stadt Velotunnel. In einem Postulat fordern Parteipräsident und Gemeinderat Severin Pflüger und sein Parlamentskollege Marcel Müller, dass der Stadtrat Velotunnel zwischen den Quartieren Oerlikon, Wipkingen, Affoltern und Höngg prüft – «Züri-Nord» und das Limmattal sollen damit für die Zweiradfahrer unterirdisch verbunden werden. Zudem soll die Stadtregierung abklären, ob der Lettentunnel für Velofahrer nutzbar gemacht werden könnte. Die SP schlägt konkret einen Velotunnel zwischen Wipkingen und Oerlikon vor.

Ein Tunnel für Autos, andere für Velos

«Ich bin vor zwei Wochen beim Einkaufen von einem Quartierbewohner angesprochen worden, der mir von der Idee der Velotunnel erzählt hat», sagt Pflüger. Er habe den Vorschlag in seiner Partei diskutiert. Und er sei zum Resultat gekommen: Wenn die Autofahrer einen Rosengartentunnel erhalten, sollte die Stadt auch Tunnel für die Velofahrer bauen.

«Velotunnels würden effiziente Schnellrouten für Velos darstellen.»FDP-Gemeinderat Severin Pflüger

In seinem Vorstoss, den er gestern Mittwoch eingereicht hat, schreibt Pflüger, dass Zürich-Nord und das Limmattal mit dem Velo nur durch unattraktive Routen über den Milchbuck, den Bucheggplatz und die ETH Hönggerberg verbunden seien. Die Topografie sei ein wesentlicher Grund, weshalb dort nur selten das Velo gewählt werde. «Velotunnel würden nicht nur die Topografie überwinden, sondern auch effiziente Schnellrouten für Velos darstellen.»

Unterirdisch durch die Innenstadt

Zum Vorschlag mit dem Lettentunnel schreibt Pflüger, dass die wichtigsten Veloverbindungen in Zürich durch die Innenstadt führten. Die Strecken seien nicht sehr attraktiv, müssten doch Velofahrer den Platz mit Fussgängern, Autofahrern und dem öffentlichen Verkehr teilen und immer wieder abbremsen oder beschleunigen. Mit dem Tunnel könnte die hochfrequentierte Strecke zwischen dem Letten und dem Stadelhofen verbunden werden. «Allenfalls wäre eine Liftverbindung ins Universitätsquartier zu prüfen.»

Dieser Vorschlag wird wohl nicht einfach umzusetzen sein. Weil der Tunnel stellenweise einzustürzen drohte, wurde er zwischen Oktober 2002 und Frühjahr 2004 aufgefüllt. 5500 Lastwagen karrten dazu über 50'000 Kubikmeter unverschmutzten Aushub und über 5300 Kubikmeter Feinkies an. Der zwei Kilometer lange ehemalige Eisenbahntunnel war am 27. Mai 1989 stillgelegt worden.

Ähnliche Idee bei der SP

Das FDP-Postulat kommt nur zwei Wochen, nachdem SP-Gemeinderätin Simone Brander mit einer ähnlichen Idee eine schriftliche Anfrage an den Stadtrat eingereicht hat. Ihr politisches Mittel ist zwar schwächer, doch im Vorstoss werden Brander und ihre elf Mitunterzeichner aus der SP konkreter. Sie fragen die Stadtregierung, ob er die Idee eines Velotunnels zwischen Oerlikon und Wipkingen schon einmal geprüft habe.

«Bei Diskussionen in Wipkingen kam immer wieder die Idee eines solchen Tunnels auf.»Simone Brander, SP

Brander begründet ihren Vorstoss so: «Bei Diskussionen in Wipkingen kam immer wieder die Idee eines solchen Tunnels auf. Auch fragten Leute, ob es parallel zum Eisenbahntunnel nicht vielleicht noch einen Sicherheitsstollen gibt, den man zu einem Velotunnel umfunktionieren könnte.» Die Anfrage habe sie nun eingereicht, weil sie selber darauf keine Antwort wisse. Dass Brander einen Tunnel fordert, ist nicht ganz ohne Ironie: Sie gehört zu den vehementesten Gegnerinnen des Rosengartentunnels für die Autos.

Brander selber findet es zwar nicht unbedingt «megatoll», die Strecke unterirdisch mit dem Velo zurückzulegen. Enthusiastischer ist da der Präsident der Grünen der Stadt. Gemeinderat Felix Moser schreibt in einer Kolumne im SP-Wochenblatt P.S.: «Mit dem Velotunnel müsste ich nicht mehr über den Milchbuck fahren, sondern könnte ohne zu schwitzen (und bei Regen sogar ohne nass zu werden) in die Stadt pedalen.»

Unterstützen SP und die Grünen Pflügers Vorstoss, wird sich die Stadtregierung mit neuen Velotunneln befassen müssen.

Bereits viel Arbeit besorgt der Stadt die Planung jenes Velotunnels, der unterhalb des Hauptbahnhofs durchführen soll. Seit Jahren wird er geplant, wird immer teurer und verzögert sich stetig. Aktuell ist von einer Eröffnung 2024 die Rede.

Erstellt: 14.11.2019, 12:09 Uhr

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