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Feministinnen besetzten Areal in der Stadt Zürich

Aktivistinnen drangen am Donnerstagnachmittag in ein altes Fabrikgelände ein. Am Abend wurde das Areal geräumt.

Ist seit Donnerstag besetzt: Ein Teil des Stierli-Areal in Zürich-Nord. Bild: hwe
Ist seit Donnerstag besetzt: Ein Teil des Stierli-Areal in Zürich-Nord. Bild: hwe

Es waren surreale Szenen, die sich vor dem denkmalgeschützten Fabrikgebäude mit den hohen Fenstern und den Wänden aus Backstein abspielten: Frauen in bunten Kleidern, mit behornten Helmen und langen Stöcken sowie Männer im Bikini und Sonnenbrille bewegten sich zu den Anweisungen einer Frau mit Megafon.

Doch es waren keine Schauspielerinnen und Schauspieler, die hier ihre Performance probten, sondern Aktivistinnen und Aktivisten. Rund 20 von ihnen besetzten am Donnerstagnachmittag am Vortag des Frauenstreiks einen Teil des Stierli-Areals im Gleisdreieck bei Zürich-Seebach. Ihre Inszenierung sollten die Aktionen und Konzerte einläuten, die bis Sonntagabend dauern sollten.

Doch um am Abend war bereits Schluss: Das Areal wurde gemäss Zeugenaussagen geräumt. Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei, bestätigt das. Aufgrund einer Anzeige sei die Polizei um etwa 21 Uhr ausgerückt und habe auf dem Stierli-Areal mehrere Dutzend Personen angetroffen. «Wir führten Personenkontrollen durch und wiesen sie weg», sagt Cortesi.

Das Kollektiv, das sich «Bunter Block» nennt, fordert mehr Freiraum in der Stadt Zürich. Und mehr Raum für Frauen. Am Freitag sollte das Gelände deshalb symbolisch den Frauen übergeben werden. Die Besetzerinnen und Besetzer wollten laut ihrem Manifest auf dem Gelände bleiben – über den Frauenstreik hinaus. Die Gebäude böten Platz für Wohngemeinschaften und Künstlergruppen, schrieben sie. In den grossen Hallen der ehemaligen Fabrik könnten zudem Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden.

Die Polizei stand von Beginn an im Kontakt mit den Besetzerinnen und Besetzern. Auch der Eigentümer des Geländes wurde kontaktiert, sagte ein Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich.

Abriss für Kunstzentrum

Eigentümerin des Geländes ist die Stierli Real Estate AG, die das Areal mit rund 12'000 Quadratmetern 2012 erworben hatte. Bis Ende 2018 waren im ehemaligen Fabrikgebäude der Eisenhandelsfirma Stierli mehrere Zwischennutzungen eingemietet, unter anderem Werkstätten und Künstlerateliers.

Doch sie alle mussten ihre Räumlichkeiten verlassen. Die Stierli Real Estate AG plant hier ein neues Kunstzentrum. Dafür sollen alle Gebäude bis auf die teils denkmalsgeschützte alte Fabrikhalle weichen und durch drei Neubauten ersetzt werden. Nur: Der Abriss lässt auf sich warten.

Kritik am geplanten Kunszentrum: Transparent auf dem besetzten Areal. Bild: hwe
Kritik am geplanten Kunszentrum: Transparent auf dem besetzten Areal. Bild: hwe

Das Kunstzentrum der Stierli Real Estate AG soll dereinst Gastronomiebetriebe, Ausstellungsräumen und Ateliers bieten. Besonders zu reden gab aber vor allem die Nutzung eines Gebäudes als «Kunsttresor», in dem Private ihre Kunst unter strengen Sicherheitsvorkehrungen lagern können. Der Tresor soll laut Plänen über 40 Prozent der insgesamt 47’000 Quadratmeter grossen Fläche einnehmen.

Wie Banken-Insider Lukas Hässig auf seinem Portal «Inside Paradeplatz» berichtete, steckten dahinter der deutsche Millionär und Industriellen-Erbe Alexander Knapp Voith. Und Knapp Voith wiederum stehe in Verbindung zu den Schweizer Kunstsammlern Rolf Sachs und Urs Schwarzenbach, dem Besitzer des Dolder Hotels.

Fausto De Lorenzo betreut das Projekt der Stierli Real Estate AG. Im vergangenen Frühling bestritt er diese Verbindungen. Weder Voith noch Schwarzenbach seien mit an Bord, sagte er damals zur «NZZ».

Kritik am Vorgehen der Besitzer

Im Verlauf des Nachmittags waren zunächst immer mehr Menschen auf das Gelände gekommen. Auch Kwamina Roberts. Er hatte hier bis zur Kündigung im Dezember ein Atelier. «Wir Mieter haben die Besitzer darauf hingewiesen, dass das Gelände besetzt werden könnte.» Er wundere sich, dass das nicht schon früher passiert sei. «Am besten wäre ein Zwischenvertrag mit uns Mietern gewesen – das hätte Besetzungen verhindert, und wir wären kurz vor dem Abriss gegangen», sagte Roberts.

Der Stierkopf als Symbol für das Patriarchat: Die Performance der Besetzerinnen und Besetzer. Bild: hwe
Der Stierkopf als Symbol für das Patriarchat: Die Performance der Besetzerinnen und Besetzer. Bild: hwe

Auf dem Areal wurde der «Stierli-Kampf» inszeniert: In der Performance der Aktivistinnen und Aktivisten wurde ein Stierkopf auf die Erde gelegt und schliesslich vergraben. Mit diesem Akt sollte symbolisch noch etwas anderes vergraben werden – das Patriarchat.

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