Filippo Leutenegger laufen wichtige Leute davon

Der FDP-Stadtrat wird wegen diverser Projektverzögerungen kritisiert. Sein Kurs demotiviere die Angestellten.

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Seit Filippo Leutenegger vor zweieinhalb Jahren das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement übernommen hat, gab es dort erstaunlich viele Abgänge bei Schlüsselpositionen. Diesen Eindruck haben mehrere Beobachter, die das Departement in- und auswendig kennen. Mit Namen hinstehen will keiner, aber ihre Einschätzungen decken sich: Die Fluktuation sprenge den Rahmen dessen, was man von früheren Chef­wechseln gewohnt sei. Und es seien die Guten, die gehen. Das Departement ­verliere dadurch viel Fachwissen.

Jüngstes Beispiel ist der Verkehrs­planer Andy Fellmann, der als Gemeindeingenieur nach Thalwil wechselt. Ein Mann, der als sehr kompetent und unideologisch gilt. Vor ihm gegangen sind schon der Stadtingenieur François Aellen, der Departementssekretär Jan Capol und der Velobeauftragte Urs Walter.

Im Tiefbauamt, das sich mit den politisch heissesten Eisen befasst, betrug die Fluktuation 2015 etwa 7 Prozent, im ­laufenden Jahr 5 Prozent. Zuvor hatte sie stets etwa 3 Prozent betragen. Der Schub von 2015 lässt sich durch eine Reorganisation erklären. Auch bei der letzten vergleichbaren Übung beim Amtsantritt von Leuteneggers Vorgängerin Ruth Genner stieg die Fluktuation, damals auf gut 6 Prozent. Der «Filippo-Effekt» macht also allenfalls 1 Prozent aus.

Leutenegger erwidert, dass es schon unter Genner erhöhte Fluktuationsraten bei den Ingenieuren gegeben habe, die seien auf dem Arbeitsmarkt nun mal sehr begehrt. Und: «Es ist klar, dass jede Reorganisation Unruhe auslöst, aber das hat sich längst beruhigt.»

Was ist diesmal anders?

Auffallend ist: Jene, die gehen, gehen nach 15, 18, 20 Jahren bei der Stadt. Es sind Leute, die von Kathrin Martelli – wie Leutenegger FDP-Mitglied – über Martin Waser (SP) bis hin zu Genner (Grüne) Politikern mit unterschiedlicher Agenda gedient haben. Was ist diesmal anders? Keiner von Leuteneggers ehemaligen Angestellten wirft ihm schlechten Stil vor. Er sei anständig und behandle seine Leute fair. Die Spannungen sind inhaltlicher Art. In all den früheren Jahren habe es nie einen derart deutlich spürbaren Kurswechsel gegeben wie nach Leuteneggers Amtsantritt.

Früher habe es nie einen derart spürbaren Kurswechsel gegeben wie nach Leuteneggers Amtsantritt.

Manche sprechen von einer «Hauruck-Wende». Leutenegger wolle seinen Laden neu ausrichten: auf Leistungsabbau. Zwar sei auch Ruth Genner am Anfang bei ­vielen angeeckt, weil sie zu ideologisch aufgetreten sei. Aber im Unterschied zu Leutenegger habe sie ihrer Verwaltung weitgehend vertraut. Dieser beschränke sich nicht aufs Vorgeben strategischer Linien, sondern mische sich bis hinunter auf Detailebene persönlich ein. Weil vieles dadurch wieder komplett neu geplant werden müsse, komme es zu Verzögerungen und Mehrkosten.

Leutenegger sagt dazu: «Ich schaue mir die Projekte genau an und hinterfrage sie kritisch – schliesslich muss ich sie dann im Stadtrat und im Parlament vertreten.» Es müsse nicht überall der «Zürcher Finish» sein, also das Beste vom Besten.

Fellmann, der kurz vor dem Absprung steht, sagt: «Ich kann nachvollziehen, dass es manche demotivierend finden, wenn Dinge hinterfragt werden, die sie in ­langen Prozessen erarbeitet haben», sagt Fellmann. Er betont aber, dass Verkehrsprojekte stets Verhandlungssache seien und er nicht wegen Leutenegger gehe. Es sei nach 18 Jahren Zeit für einen Wechsel. Ähnlich begründet der frühere Velobeauftragte Walter seinen Abgang. Und er fügt an: «Zudem sah ich keine Chance, den Masterplan Velo so umzusetzen, wie ich mir das vorstellte.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2016, 22:45 Uhr

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