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Flickenteppich in Zürichs schönsten Gassen

Das EWZ baut derzeit mitten durch die Altstadt Leitungen für ein Glasfasernetz. Das hinterlässt hässliche Spuren.

War auch schon schöner: Ein Apshaltstreifen zieht sich durch die Pflästerung der Strehlgasse.
War auch schon schöner: Ein Apshaltstreifen zieht sich durch die Pflästerung der Strehlgasse.
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Die Touristin lässt ihr Handy sinken und fragt ihren Begleiter: «Meinst du, das bleibt so hässlich?» Dabei steht sie in einer der schönsten Gassen der Zürcher Altstadt.

Aber tatsächlich zieht sich hier ein schwarzer Asphaltstreifen wie ein Bach die ansonsten mit Kopfsteinpflaster versehene Strehlgasse hinunter. Darauf unregelmässig verteilt, wie Pockennarben, einige Dolendeckel.

Nicht allein die Strehlgasse ist derart verunstaltet. Auch der Weinplatz vor dem Storchen sieht aus wie ein Flickenteppich. Und oben gegen den Rennweg hin liegen Betonplatten über der Gasse. An alldem ist das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich schuld – und das Bedürfnis nach immer schnelleren Internetverbindungen.

Provisorisch geflickt: Die Gasse vor dem Storchen. Bild: net
Provisorisch geflickt: Die Gasse vor dem Storchen. Bild: net

Das EWZ baut derzeit mitten durch die Altstadt ein neues Glasfasernetz. Zusätzlich werden dort Werkleitungen saniert, damit der Belag nicht nach kurzer Zeit nochmals aufgerissen werden muss. Die Leitungen dafür müssen metertief in die Erde verlegt werden. Die Bauarbeiten dauern bis April.

Pflaster kommen wieder

Die Antwort auf die Frage der Touristin lautet: «Nein, das bleibt nicht so hässlich.» Wie vom EWZ zu erfahren war, dient ein solch provisorischer Belag der Unfallverhütung, oder er kommt dann zum Einsatz, wenn ein Loch oder ein Abschnitt mehrfach geöffnet werden muss. Ausserdem dürfen in den Wintermonaten keine Pflästerungen verbaut werden.

«Die Pflastersteine werden nach Beendigung der Arbeit wieder gesetzt», sagt Harry Graf vom EWZ. Die Koordination der einzelnen Arbeiten liege in der Verantwortung des Tiefbauamtes. Das EWZ ist eine Dienstabteilung der Industriellen Betriebe.

Schwieriges Unterfangen: Die Baugruben müssen immer wieder abgedeckt werden. Bild: net
Schwieriges Unterfangen: Die Baugruben müssen immer wieder abgedeckt werden. Bild: net

Bauarbeiten in den Gassen der Altstadt sind aber nicht nur aus optischen Gründen besonders heikel. Hier besteht auch immer das Risiko, dass man auf archäologische Funde stösst. Gleich um die Ecke auf dem Lindenhof ist ein Hotspot für Römerfunde, weiter unten an der Storchengasse wird oft Mittelalterliches zutage gebracht. Auch tummelten sich in dieser Gegend vor Urzeiten die Kelten.

Bisher keine Notgrabungen nötig

Die Freude, wenn man bei Bauarbeiten auf solche Funde stösst, hält sich jeweils in Grenzen. Oft verzögern sie die Bauarbeiten und bringen die Archäologinnen und Archäologen, die auch andernorts benötigt würden, in die Sätze. Notgrabungen verursachen Kosten, und die Funde bringen zwar neue Erkenntnisse, sind aber auch meist besser geschützt, solange sie im Boden bleiben.

Bei solchen Arbeiten werde vom Amt für Städtebau jeweils überprüft, ob diese archäologischen Zonen tangiert werden, betont Graf. Nötigenfalls würden die Grabarbeiten dann von Fachleuten begleitet. Bisher haben die Arbeiten für die Zukunft aber keine Einschnitte in die Vergangenheit ergeben.

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