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«Es ist ­ungerecht, von Einzelnen totalen Verzicht zu fordern»

Der Wetziker Schüler Jonas Kampus erklärt, was gegen den Klimawandel zu tun ist und warum er eine SVP-Klimadebatte ausschlug.

Jonas Kampus (17) ist Schüler am Gymi in Wetzikon, Jungsozialist und Mitglied bei Swiss Youth for Climate. Foto: PD
Jonas Kampus (17) ist Schüler am Gymi in Wetzikon, Jungsozialist und Mitglied bei Swiss Youth for Climate. Foto: PD

Die «Weltwoche» bezeichnet Sie als Kindersoldat der Linken. Wie kommt das bei Ihnen an?

Es ist eine Beleidigung für alle, die sich ernsthaft Gedanken über die Zukunft machen.

Der Wetziker SVP-Stadtrat Heinrich Vettiger wollte mit Ihnen an der Kantonsschule eine Klimadebatte führen. Warum haben Sie dieses Angebot zurückgewiesen?

Heinrich Vettiger anerkennt nicht einmal die Existenz des Klimawandels. Wie soll ich mit ihm so über Lösungen diskutieren?

Wäre es nicht trotzdem sinnvoll, mit ihm zu reden?

Für Heinrich Vettiger ist der Klimawandel eine Verschwörungstheorie, obwohl es ein wissenschaftlicher Fakt ist. Das wäre eine absurde Diskussion. Ich verstehe, dass Leute Angst vor dem Wandel haben, sie am liebsten weiter in der bestehenden Welt leben möchten. Wir versuchen den Leuten klarzumachen, dass der Wandel sowieso kommen wird und wir ihn deshalb besser positiv mitgestalten sollten, statt ihn nur zu erdulden. Es gibt auch in der SVP Leute, die bereits mit dem Klimawandel konfrontiert sind. Den Bauern und Bäuerinnen müssen Sie keinen Klima­bericht vorlegen. Sie erleben die ausgetrockneten Bäche und verdorrten Felder im Sommer.

Sie reden trotzdem nicht mit Andersdenkenden.

Ich war an der Klimakonferenz in Katowice, dort hatten wir mit Erdöl- und Kohlelobbyisten zu tun. Aber Heinrich Vettiger will mit mir darüber diskutieren, ob es den Klimawandel gibt oder nicht. Da soll er sich besser an die ETH Zürich wenden. Die werden ihm wohl sagen, dass er etwa 50 Jahre zu spät kommt mit dieser Frage. Wir Schüler und Schülerinnen haben uns im Übrigen auch mit Politikern aus Wetzikon getroffen und ihnen konkrete Forderungen vorgelegt.

Welche?

Dass die Stadtbetriebe Wetzikon ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 auf null reduzieren müssen. Das wird am Montag im Gemeinderat debattiert.

Wie sinnvoll sind Flugverbote?

Sie sind sinnvoll. Fliegen schädigt unsere Zukunft. In Europa ist das Reisen ohne Flugzeug sehr gut möglich.

Welche Ausnahmen würden Sie bewilligen, wenn Sie Schulleiter an der Kantonsschule wären?

Keine.

Macht Ihre Kantonsschule genug für den Klimaschutz?

Sie bemüht sich. Seit über zehn Jahren gibt es eine Nachhaltigkeitsgruppe. Wir haben Sonnenkollektoren. Unsere Mensa hat fast nur regionale Produkte. Man könnte aber mehr machen. So haben wir noch eine Ölheizung, und in der Mensa gibt es noch kein warmes veganes Menü.

Wie halten Sie es persönlich mit dem Fliegen?

In meinen letzten Ferien bin ich mit dem Zug nach Irland gefahren. Es ist aber nicht entscheidend, wie wir uns persönlich verhalten. Wir müssen vor allem ­institutionelle Lösungen finden. Solange das Fliegen viel billiger ist als das Zugreisen, ist es ja logisch, dass die Leute viel fliegen.

Das heisst also, dass Menschen, die sich fürs Klima einsetzen, auch mal fliegen dürfen?

Es ist nicht relevant für den Inhalt ihres Anliegens. Es dürfen auch Menschen auf ein Problem aufmerksam machen, die selber nicht perfekt sind.

Trotzdem, wie könnten Sie Ihren eigenen ökologischen Fussabdruck noch verkleinern?

Ich bin auch schon geflogen. In der Mobilität könnte man schon noch etwas machen, auch wenn es bei mir schwierig ist. Unsere Familie hat kein Auto mehr. Wir könnten noch Sonnenkollektoren auf unser Dach montieren oder nur noch Secondhand-Kleider kaufen. Ich finde es aber ­ungerecht, von jedem Einzelnen totalen Verzicht zu fordern in einer Welt, die so verschwenderisch ist mit Ressourcen.

Braucht es Verbote im Klimaschutz?

Verbote suggerieren, dass sie die persönliche Freiheit einschränken, doch die Konsumfreiheit schränkt die Freiheiten anderer ein. Wir werden ohne Verbote unsere Klimaziele nie erreichen.

Gegenwärtig setzt die politische Mehrheit eher auf Anreize. Was sagen Sie dazu? Das tönt gut und wäre auch sinnvoll, wenn wir 200 Jahre Zeit ­hätten, um unsere Lebensgewohnheiten zu ändern. Aber wir müssen unsere CO2-Emissionen in zwölf Jahren auf netto null herunterbringen.

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