«Frauen passen ihr Verhalten dem der Männer an»

Gewalt gegen Frauen im Ausgang hat laut einer Statistik zugenommen. Ein Experte relativiert die Zahlen.

Übergriff oder nicht? Frauen im Ausgang laufen gemäss Statistik häufiger Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden.

Übergriff oder nicht? Frauen im Ausgang laufen gemäss Statistik häufiger Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden. Bild: Keystone

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Die Attacke einer Männergruppe auf Frauen vor einem Genfer Club Anfang August dieses Jahres schockte die Schweiz. Eine Analyse der «SonntagsZeitung», basierend auf Zahlen der Unfallstatistik, beunruhigt erneut. Laut dieser hat sich die Zahl gewaltbedingter Unfälle mit Verletzungsfolgen bei Frauen verdreifacht: 1995 gab es demnach bei Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren noch 200 gewaltbedingte Unfälle mit Verletzungsfolgen – 2016 waren es bereits 640.

Dirk Baier, Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW, relativiert die Zahlen im Gespräch mit 20minuten.ch. «Heute sind Frauen nicht häufiger Opfer von Gewalt.»

Mitmachen beim Rauschtrinken

Ihm fällt auf, dass die Fälle nur in der Zeit zwischen 1996 und 2008 zunahmen. In dieser Zeit habe sich das Ausgehverhalten der jungen Frauen verändert. «Sie begannen zunehmend, ihr Freizeitverhalten dem Verhalten der Männer anzugleichen, was ja im Sinne der Emanzipation auch erwünscht ist.»

Das heisst laut Baier, dass sie häufiger und länger ausgehen und dabei Alkohol und Drogen konsumieren. Mitte der 2000er-Jahre sei zudem das Rauschtrinken aufgekommen, dem sich Frauen gleich häufig wie Männer hingaben. «Durch diese ganzen Veränderungen setzten sich Frauen automatisch häufiger dem Risiko von Gewalt aus.»

Appell an die Zivilcourage

Aus der Statistik geht zwar nicht hervor, um welche Art von Gewalt gegen Frauen es sich handelt. Gemäss Baier seien diese oft mit Raubtaten verbunden - beispielsweise dem Entreissen von Handtaschen. Gewalt könne ebenfalls eine Rolle spielen, wenn eine Frau zwischen zwei rivalisierenden Männern stehe. Auch können Frauen Gewalt selbst auslösen. «Spielt Eifersucht eine Rolle, gehen angetrunkene Frauen im Ausgang aufeinander los», sagt Baier.

Um Gewalt zu reduzieren, appelliert Baier an die Zivilcourage. «Zeugen gewalttätiger Auseinandersetzungen sollen aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten handeln. Wenn man die Polizei ruft, den Barkeeper informiert oder sich mit anderen Leuten organisiert, kann man schon viel bewirken.»

Übernommen von 20 Minuten, bearbeitet von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Erstellt: 03.09.2018, 10:39 Uhr

Dirk Baier ist Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. (Bild: Bild: zhaw.ch)

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