So wappnet sich Zürich gegen die Überhitzung

Nirgends im Kanton sind heisse Sommer heisser als im Zentrum Zürichs. Nun ergreift die Stadt Massnahmen.

Heisser Sommer: Diese Frau findet auf dem Sechseläutenplatz Abkühlung.

Heisser Sommer: Diese Frau findet auf dem Sechseläutenplatz Abkühlung. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Schlendert man an einem dieser Hochglanz-Sommerabende vom See her in die Zürcher Innenstadt, fühlt sich das an, als ob man eine andere Klimazone betritt. Spätestens ab dem Paradeplatz scheint es mit jedem Schritt heisser zu werden.

Einbildung? Keineswegs. Der Kanton Zürich hat gerade neue umfangreiche Klimakarten aufgeschaltet. Sie bestätigten den Eindruck der Zentrums-Sauna. In der City sowie in den Kreisen 4 und 5 steigen die Temperaturen abends am höchsten. Quartiere, die näher am See oder an den Hängen liegen, heizen nicht so stark auf.

50 Hitzetage im Jahr

Der Hochleistungssommer, den die Schweiz gerade erlebt, wird keine Ausnahme bleiben. «Alle Klimamodelle sagen voraus, dass immer mehr Hitzetage auftreten werden», sagt Thomas Stoiber, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Awel, dem kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft. Von 1961 bis 1990 gab es in Zürich durchschnittlich zwischen 10 und 20 Hitzetage pro Jahr. Ab dem Jahr 2071 dann soll das Thermometer stellenweise an über 50 Tagen mehr als 30 Grad anzeigen.

Infografik: Sommerliche Wärmeinseln in Zürichs Stadtkreisen Grafik vergrössern

Am stärksten trifft diese Entwicklung die Städte. «Im Extremfall kann der Temperaturunterschied zum Umland über zehn Grad betragen», sagt Stoiber. Problematisch werde dies vor allem während der Nacht, dann sollten sich die Menschen erholen. «Wenn es nicht genug abkühlt, können vor allem ältere und kranke Menschen Schwierigkeiten bekommen.»

Dass Städte stärker aufheizen als locker bebautes Gebiet, hat zwei Hauptgründe: Wo die Häuser eng stehen, stockt die Durchlüftung. Ausserdem speichern Fassaden und Asphalt mehr Hitze als Wiesen und Bäume.

Früher kümmerten hohe Temperaturen die Schweizer Städteplaner wenig. Mit Aussicht auf die erwärmte Zukunft ändert sich das. Die Stadt Zürich erarbeitet derzeit einen Katalog an Massnahmen, um die Stadt auch künftig relativ kühl zu halten.

Bildstrecke: Hitzewelle überrollt die Schweiz

Gegenmittel gibt es einige. Etwa mehr Pflanzen. «Bäume, vor allem solche mit grossen Kronen, die viel Schatten spenden, wirken stark kühlend», sagt Thomas Stoiber. Auch die Bepflanzung von Dächern oder die Begrünung von Fassaden senke die Temperaturen. Wasser hilft ebenfalls. Schon ein Brunnen an einer Strassenecke oder ein Wasserspiel in einem Park reichten, um etwas Hitze aus der Umgebung zu nehmen, sagt Stoiber. Auch die Farben der Häuser haben einen Einfluss, helle Fassaden heizen weniger stark auf als dunkle. Auf gekiesten Plätzen wird es zudem längst nicht so heiss wie auf asphaltierten.

Wichtig sei auch die Versorgung mit kalter Luft, sagt Stoiber. Auf «Durchlüftungsachsen» strömt diese von den benachbarten Wäldern und Feldern in die Stadt hinein, die Achsen sind für das Klimamodell des Kantons ebenfalls neu berechnet worden. «Solche Kaltluftbahnen sollten nicht durch Gebäuderiegel unterbrochen werden. Baut man parallel zu ihnen, kann die kalte Luft weit in die Stadt hineinfliessen», sagt Thomas Stoiber. Dies trifft in Zürich derzeit nicht überall zu. Auf den Karten ist zu sehen, dass die Innenstadt sowie die Kreise 4 und 5 von den Kaltluftströmen weitgehend abgeschnitten sind.


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Ein Schlafforscher erklärt, was zu tun ist. Video: Reuters


Und nicht alle Massnahmen zur Kühlung lassen sich leicht umsetzen. «Manchmal widersprechen sie anderen Ansprüchen», sagt Anke Poiger, Sprecherin des Zürcher Amtes für Umwelt und Gesundheitsschutz. Um die Bewohner vor Strassenlärm zu bewahren, eigneten sich zum Beispiel abgeschlossene Blöcke mit einem ruhigen Innenhof am besten. «Aber diese Struktur erschwert die Kaltluftzirkulation», sagt Poiger. Manche Massnahmen bräuchten auch viel Zeit. Bäume, die man heute pflanzt, entfalteten ihre volle Wirkung erst in 20 Jahren.

Die Hügel helfen

Der «Masterplan Stadtklima» wird sich noch eine Weile in Arbeit befinden. «Es gibt viele Interessen abzuwägen», sagt Poiger. Aber die klimatischen Überlegungen würden bereits in aktuelle Projekte einfliessen. «Die Stadt bemüht sich, das bestehende Grünvolumen zu erhalten und neues zu schaffen.»

Für eine Grossstadt sei Zürich gut gegen heisse Sommer gewappnet, sagt Thomas Stoiber: «Die bewaldeten Hügelzüge rundherum, die vielen Hanglagen und Bachtobel, der See und die Flüsse bieten beste Voraussetzungen zur Kühlung.»

Die Klimakarten findet man unter maps.zh.ch. Dort im Karten-Suchfeld «Klima» eingeben.

Erstellt: 04.08.2018, 12:50 Uhr

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