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Freispruch von Sexvorwurf

Das Gericht hat einen Autohändler vom Vorwurf der Schändung eines 15-jährigen Mädchens mit K.-o.-Tropfen freigesprochen. Er erhält eine Genugtuung.

Für das Gericht gibt es keine Beweise, dass der angeklagte Autohändler das Mädchen mit K.-o.-Tropfen bewusstlos gemacht hat.
Für das Gericht gibt es keine Beweise, dass der angeklagte Autohändler das Mädchen mit K.-o.-Tropfen bewusstlos gemacht hat.
Keystone

Die Anklage war happig: Am 10. November 2013 soll ein libyscher Autohändler zusammen mit einem Landsmann einem damals 15-jährigen Mädchen im Zürcher Hauptbahnhof eine halbgefüllte Dose Red Bull sowie ein Becher mit einem alkoholischen Getränk angeboten haben.

Dem Getränk im Becher soll eine nicht näher bekannte Substanz beigemischt worden sein; vermutlich K.-o.-Tropfen. Denn als das Mädchen davon getrunken hatte, wurde ihm eine bis vier Stunden «trümmlig» und «schwummrig». Es habe dem Beschuldigten gesagt, dass es sich wie betrunken fühle.

Laut Anklage brachte der Beschuldigten das Mädchen mit seinem Kollegen in seine Wohnung in der Stadt Zürich. Die beiden Männer mussten es mehrmals stützen. In der Wohnung legte es der Autohändler in ein Bett, wo es einschlief. Er soll das Mädchen vollständig ausgezogen und am schlafenden Opfer den Geschlechtsverkehr ohne Kondom vollzogen haben. Als die 15-Jährige am nächsten Morgen aufwachte war sie nackt, alleine und hatte Schmerzen im Unterleib sowie Rötungen und Schürfungen an den Brüsten.

Seit zehn Monaten in Haft

Der heute 33-jährige, geschiedene Libyer sitzt seit zehn Monten in Untersuchungshaft. Er wurde im August 2014 verhaftet. Staatsanwältin Simone Altenburger klagte ihn wegen Schändung und sexuellen Handlungen mit Kindern an. Sie forderte eine Strafe von dreieinhalb Jahren. Das Mädchen habe dem Mann gesagt, dass sie erst 15 Jahre alt sei.

An der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Zürich am Dienstag bestritt der Mann die Vorwürfe. Er gab zu, dass es zu Sex gekommen sei, dieser sei aber einvernehmlich gewesen. Er habe das Mädchen im Bahnhof nach dem Alter gefragt, es habe geantwortet: «Ich bin alt genug, um mit Jungs auszugehen.» Sie habe nach Zigaretten gefragt, danach sei man ins Gespräch gekommen. Sie habe nicht sagen wollen, wo sie wohne und was sie mache. Er habe aber gespürt, dass sie Probleme habe und sie zu sich zum Essen eingeladen. Alkohol hätte er dem Mädchen im Bahnhof nicht gegeben, nur die Dose Red Bull.

Zuhause habe er seinen Landsmann zurück zum Tram begleitet. Als er wieder in der Wohnung zurückkam, sei das Mädchen leicht bekleidet im Bett gelegen. Sie hätten dann Sex gehabt, wobei das Mädchen bezüglich fehlendem Kondom gesagt habe, «keine Problem, ich nehme die Pille.»

Mädchen war auf der Kurve

Vor Gericht trat auch eine Zeugin auf, die Sozialarbeiterin des Heims, in dem das Mädchen damals untergebracht war. Die Frau sagte, dass die 15-Jährige einmal mehr ausgerissen war und sich auf der Kurve befand. Als sie am anderen Morgen heimkehrte, habe sie spontan vom Vorfall erzählt.

Jana Hrebik, die Verteidigerin verlangte für ihren Mandanten einen Freispruch. Das Mädchen habe in der Untersuchung widersprüchliche Aussagen gemacht. So war in der ersten Einvernahme nicht von einem Becher mit einem alkoholischen Getränk die Rede gewesen, erst in der zweiten Einvernahme. Beim angeblichen Opfer handle es nicht um ein unschuldiges Kind vom Lande.

Die 15-Jährige habe vermutlich aus Angst vor Sanktionen nach dem Ausreissen eine Geschichte erzählt, die aus dem Ruder lief. Hrebik erinnerte daran, dass das Mädchen im Juni 2014, also ein halbes Jahr nach der angeblichen Schändung, erneut behauptet hatte, dass es auf der Kurve von zwei Typen vergewaltigt worden sei. Diese Aussage endete mit einem Verfahren wegen Irreführung der Rechtspflege; das Verfahren wurde aber sistiert.

Mädchen war stark geschminkt

Das Gericht sprach den Libyer von beiden Vorwürfen frei. Er erhält für die zehnmonatige Haft eine Genugtuung von 50'000 Franken. Wie die Vorsitzende Marie Schurr sagte, seien die Aussagen des Beschuldigten detailliert und lebensnah gewesen. Die junge Frau dagegen habe widersprüchliche Aussagen gemacht. Es gebe keine Beweise, dass das Mädchen durch K.-o.-Tropfen oder Alkohol das Bewusstsein verloren habe – deshalb ein Freispruch im Fall der Schändung «In dubio pro reo» (lat. Im Zweifel für den Angeklagten).

Bezüglich dem Alter habe der Beschuldigte davon ausgehen können, dass sie älter als 16 Jahre sei. Sie sei stark geschminkt gewesen und selbstbewusst aufgetreten.

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