Frischzellenkur für ein 68-jähriges Volksfest

Zwischen Himmelblau und Zitronengelb – das Züri-Fäscht hat einen neuen Auftritt erhalten. Dahinter stecken Annette Rubin und Sonja Rychener.

«Ein sehr dankbarer Auftrag»: Sonja Rychener (l.) und Annette Rubin.

«Ein sehr dankbarer Auftrag»: Sonja Rychener (l.) und Annette Rubin. Bild: Samuel Schalch

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Geblieben ist einzig der Löwe – und auch ihm wurde die Mähne etwas gestutzt. Im neuen Logo des Züri-Fäscht schüttelt der König der Tiere weiterhin Konfetti aus seinen Haaren, doch das Design ist peppiger. Und das nicht nur beim Logo: 2019 präsentiert sich das Züri-Fäscht gleich komplett in aufgefrischtem Look. Dafür verantwortlich ist die Beraterin Annette Rubin und die Art-Direktorin Sonja Rychener, beide von der Kommunikationsagentur Furrerhugi.

Sie sitzen an diesem Dienstag in ihrem Büro nahe der Bahnhofstrasse. Auf dem Tisch liegen Merchandiseartikel – vom Schlüsselanhänger bis zum Getränkechip, alles trägt ihr neues Logo. «Ich war überwältigt, als ich sah, wo das Motiv schliesslich überall erscheint», sagt Rychener.

Der neue Auftritt des Züri-Fäscht. Bild: Samuel Schalch

Im Juni 1951, der Geburtsstunde des Züri-Fäschts, wurde das Volk noch ohne Schnörkel und Design eingeladen. Die Angestellten beim Kanton dürfte dies nicht weiter gestört haben, sie bekamen für diese Feier anlässlich des 600-Jahr-Jubiläums der Zugehörigkeit von Zürich zur Eidgenossenschaft einen freien Tag. Seither haben die gesprochenen dienstfreien Tage ab-, die Leistungen in Design und Werbung jedoch zugenommen.

«Ich mag es, wenn man
einem Design ansieht,
aus welcher Ära
es stammt»
Sonja Rychener

Zuletzt strahlte das Logo des Löwen jeweilen über einem Feuerwerkfoto. «Ich mag es, wenn man einem Design ansieht, aus welcher Ära es stammt», sagt Sonja Rychener. Doch das Vorgängerlayout sei doch etwas gar fest aus der Zeit gefallen.

Moderner und jünger solle das Züri-Fäscht daherkommen – so lautete dann auch der Auftrag, den Rubin und Rychener von den Volksfest-Organisatoren fassten. Bedingung: Alles ist erlaubt, doch der traditionelle Züri-Fäscht-Löwe soll als Wiedererkennungszeichen bleiben. Es sei ein sehr dankbarer Auftrag, da das Thema positiv behaftet sei und von sich aus zu Kreativität anrege, erklären die Macherinnen. Das Volksfest verbinden die beiden denn auch mit Begriffen wie lebendig, bunt, staunen und tanzen. «Unser Design sollte diese enorme Vielfalt, die das Fest ausmacht, abbilden», sagt die Art-Direktorin Rychener.

Vielfalt als Herausforderung

Doch gleichzeitig ist diese Vielfalt auch Herausforderung. So sei es unmöglich, für das Züri-Fäscht eine Zielgruppe zu definieren. Vom Feuerwerk über Schlagermusik bis zur Kinderhüpfburg – alle sollen etwas zu feiern haben (böse Zungen behaupten ja, dass einzig Stadtzürcher den Festlichkeiten fernbleiben). «Am Ende des Kreativprozesses zeigte sich, dass wir auf verschiedene Sujets setzen wollten, die alle für verschiedene Attraktionen stehen, um diese zu einer Collage zusammenzufügen», sagt Rychener.

Als Erstes entstand das Logo mit dem Löwen als Blickfang. Die serifenlose Schriftart «Avant Garde» bildet mit den klassischen, geraden Strichen den ruhenden Gegenpol zum wilden Löwen-Logo. Die Farben, die im Konfetti der Löwenmähne sitzen, dienen als Basis für die Titelsujets, die schliesslich auf den Plakaten und dem Programmheft zu sehen sind. Es kristallisierten sich die drei Haupttöne heraus – Magenta, Himmelblau und Zitronengelb. «Nun suchten wir nach 3-D-Objekten in diesen Farben, die für das Fest stehen, oder bastelten diese gleich selbst», sagt Rubin. Die Sammlung ging von Sonnenbrillen über Pommes-Packungen bis zu kleinen Vinylplatten. «Es mussten Objekte mit hohem Symbolcharakter sein, die auch für sich alleine stehen können», sagt Rychener.

Suche nach Trinkbecher

Beim Einkauf der Objekte gab es einige witzige Momente – etwa als die beiden in einem Feuerwerksgeschäft bloss den roten Schutzdeckel einer Rakete kaufen wollten. Besonders herausfordernd zeigte sich auch die Suche nach einem himmelblauen, durchsichtigen Trinkbecher.

«Wenn wir einmal einen Händler fanden, wollte dieser uns 1000 Stücke oder mehr davon verkaufen», sagt Rubin. Sie fuhr daraufhin extra zu einem Produzenten, um ein einzelnes Exemplar direkt bei ihm abzuholen.

«Schliesslich wollten wir
kein Plakat kreieren,
das nach wenigen Stunden
wieder verleidet.»
Annette Rubin

Immer wieder arrangierten die zwei Designerinnen die verschiedenen 3-D-Motive zu neuen Collagen. Einmal lag das Wölkchen neben der Sonnenbrille, dann doch wieder neben der selbst gebastelten Rakete. «Wir waren auf der Suche nach einer Zusammenstellung, die wild und trotzdem harmonisch wirkte», sagte Rychener. Dabei seien sie natürlich nicht immer gleicher Meinung gewesen. Sie hängten verschiedene Collagen an den Wänden auf, um zu sehen, wie sie nach mehreren Tagen wirkten. «Schliesslich wollten wir kein Plakat kreieren, das nach wenigen Stunden wieder verleidet», sagt Annette Rubin.

Am Ende fielen zwei 3-D-Motive aus der Sammlung raus – etwa ein winziges Plastiksaxofon, das zu wenig frisch wirkte, oder eine Fähnchengirlande, die farblich nicht zu passen schien.

Positive Rückmeldungen

Und welches ist denn nun ihr Lieblingsobjekt? Für Rychener ist es das Cornet, das statt mit Eis mit einer Discokugel gefüllt ist. «Das finde ich einfach cool», sagt sie. Rubin fährt derweil besonders auf den gelaserten Chilbi-Schriftzug ab: Diesen haben sie nach ihren Vorstellungen designen und herstellen lassen. Rubin sagt dazu: «Er sieht deshalb exakt so aus, wie ich ihn mir gewünscht habe.»

Wie das Redesign in Zürich ankommt, haben sich die beiden bisher immer wieder gefragt. «Denn man selbst ist mit der eigenen Arbeit nie zufrieden und sieht überall Verbesserungsmöglichkeiten», sagt Rychener. Als die beiden Anfang Woche die Bahnhofstrasse hinuntergingen, erhielten sie eine erste Rückmeldung. «Ein Programmverkäufer und sein Sohn waren begeistert davon», sagt Rubin, «und das begeisterte uns.»

Erstellt: 04.07.2019, 16:51 Uhr

Serie «Züri-Fäscht-Macher»

Am Freitag startet in Zürich das grosse Festwochenende. Vorab zeigen wir ausgewählte Macherinnen, Macher und Dinge, die zum Gelingen des Grossanlasses beitragen werden. Die meisten Vorbereitungen für das Züri-Fäscht laufen nämlich bereits seit mehreren Wochen. Alle Informationen zum Zürcher Stadtfest sind sowohl unter www.zuerifaescht.ch als auchin der Züri-Fäscht-App verfügbar. (TA)

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