Für mehr Farbe untenrum

Wenn junge Zürcher eine Firma gründen, gehts oft um Apps oder lokale Produkte. Drei Freunde aus Wollishofen besetzen eine ganz andere Nische.

Fusskleider für jedes Outfit: Socken-Unternehmer Sean Pfister, Claudio Lumbiarres und Fabian Knup (v.l.)

Fusskleider für jedes Outfit: Socken-Unternehmer Sean Pfister, Claudio Lumbiarres und Fabian Knup (v.l.) Bild: zvg

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Es war grau in Zürich, als drei Jugendfreunde Ende 2012 auf die Idee kamen, mehr Farbe an die Limmat zu bringen. Auf Reisen im Ausland fiel ihnen auf, dass die Bewohner in anderen Städten oft farbige statt der gewöhnlichen schwarzen Socken trugen. Also beschlossen sie, solche Fusskleider von Zürich aus zu vertreiben. Angesichts der grossen Konkurrenz ein mutiger Plan, denn farbige Socken waren bereits von grossen Firmen online zu haben.

«Wir fanden, es brauche mehr Farbe in Zürich und starteten unseren einfachen Webshop ohne grosse Pläne oder finanzielle Mittel», sagt Claudio Lumbiarres. Zusammen mit Sean Pfister und Fabian Knup gründete er Dillysocks und machten das Marketing über Social Media. Als der Shop 2013 online ging, verkauften sie diverse Marken aus dem Ausland - und waren bereits ein halbes Jahr später nicht mehr ganz zufrieden mit ihrem Geschäft als Zwischenhändler. Sie sahen Potenzial in eigenen Designs und wollten die Qualität selber bestimmen.

Plötzlich wurde es ernst

Deshalb gingen sie einen Schritt weiter und entwarfen Ende 2013 eigene Modelle. Das Trio ging auf Investorensuche und erstellte einen Businessplan. Jetzt wurde es ernst. Bald merkten sie, dass dies nicht so einfach war wie etwa eigene Shirts herstellen lassen. Auffällige Muster sind schwieriger, denn sie liessen die Sockenmuster nicht drucken, sondern das Design nach den eigenen Farbvorgaben stricken.

Sie mussten viel lernen. Etwa, dass Streifen simpel, schräge Muster hingegen komplex herzustellen sind - genau mit jenen Mustern hebt man sich aber von der Konkurrenz ab. Da jeder Socken braucht, gibt es viele Sockenhersteller. Die Unterschiede in der Qualität sind hingegen gross, wie die Jungunternehmer schnell herausfanden. Der erste Produzent in der Türkei lieferte nicht, was die Zürcher wollten, und sie mussten einen neuen Hersteller suchen. In Portugal wurden sie fündig.

Bis zu 18 Franken das Paar

«Die Liebe zum Detail und die Qualität sind wichtig, sonst heben wir uns nicht von der Konkurrenz ab», sagt Lumbiarres. Die Socken müssen nicht nur bunt und überraschend daherkommen, sondern auch geschmeidig sein und lange halten. Sonst geben die Kunden nicht bis zu 18 Franken für ein Paar aus.

Die Kunden von Dillysocks würden aus allen möglichen Milieus stammtn, sagt Lumbiarres. «Farbige Socken unterstreichen den Ausdruck einer Person und sind ein positives Statement.» Lumbiarres räumt ein, dass sehr ausgefallene Socken ein gewisses Selbstbewusstsein bräuchten. Wer nichts wagen will, trägt die immergleichen schwarzen Modelle.

Vollzeit-Job

Über Zahlen möchte Lumbiarres nicht reden, doch Dillysocks werde in diesem Jahr den Absatz erneut verdoppeln. Denn längst verkaufen sie ihre bunten Produkten nicht mehr nur direkt an einzelne Kunden, sondern auch an Warenhäusern. In der Schweiz haben sie es bis in den Globus geschafft, in Deutschland in das Kaufhaus des Westens (KaDeWe). Das Geschäft läuft so gut, dass die Gründer nun ihr Engagement für Dillysocks intensisvieren können. Sean Pfister ist neu Vollzeit für das Designen, die Produktion und den Vertrieb zuständig. Um international konkurrenzfähig zu sein, haben sie nicht nur ein Lager in der Schweiz, sondern auch eines in Deutschland.

Werbung aus eigener Hand: Kecker Auftritt auf Instagram:

Die drei Jungunternehmer haben das Projekt aus Lust an der Sache aufgezogen. «Wir sind nicht von Anfang an mit einem Businessplan gestartet, sondern haben Schritt für Schritt dazugelernt», sagt Lumbiarres. Sie wussten, dass Knup als BWL-Absolvent, Pfister als kreativer Kopf und Lumbiarres als Marketing-Fachmann ein gutes Gespann abgeben. Und sie lernten rasch: «Wir haben gemerkt: Man muss die Probleme zuerst ins Haus holen und dann lösen», sagt Lumbiarres.

Was Dillysocks ebenfalls geholfen hat: ein einfaches, aber offenbar effektives Marketing, das von Anfang an auf Instagram setzte. Das soziale Netz ist auf Bilder fokussiert und damit prädestiniert für die visuell auffälligen Socken. Das besondere: Jedes Modell hat einen eigenen Hashtag.

Damit können sich die Kunden nicht nur selber ins beste Licht rücken, sondern holen sich auch Inspiration von anderen, welche die Socken bereits tragen und ins Netz stellen. «Wir kennen in Europa keine andere Marke, welche für jedes Produkt einen eigenen Hashtag kreierte», sagt Lumbiarres.

Wo der Weg hinführt ist für ihn klarer als beim Start vor drei Jahren: «Wir wollen in mehr Läden und mit Concept Stores präsent sein.» Zudem soll es nicht mehr nur Wadensocken, sondern zahlreiche Modelle geben. Wann nebenbei der nächste virale Hit in Form eines ungewöhnlichen Videos erscheint, ist noch offen. Die letzte Produktion erreichte jedenfalls über 140'000 Views: (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.08.2016, 10:58 Uhr

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