«Leute vom Central bis zum Sihlquai – wir sind überwältigt!»

In Zürich gingen weit über 10'000 Personen für mehr Klimaschutz auf die Strasse. Die Organisatoren der Schülerbewegung freuen sich.

Blick vom Volkshaus auf den Helvetiaplatz, wo sich die Demonstranten sammelten: Tausende demonstrieren in Zürich für Klimaschutz. (Video: Tamedia/Dominique Meienberg und Marc Chéhab)

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Bisher stand der Freitag ganz im Zeichen des Klimas. Vornehmlich junge Leute gingen in Zürich und in anderen Städten für das Anliegen auf die Strasse. «Ein Recht auf Zukunft», wie sie es nannten. Um eine noch grössere Masse für das Thema zu sensibilisieren, wurden die Demonstrationen diese Woche auf den Samstag angesetzt. Alle sollen Verantwortung für das Thema übernehmen und dies auf der Strasse zum Ausdruck bringen.

In Zürich sammelten sich die Demonstranten um 14 Uhr auf dem Helvetiaplatz und zogen dann durch die Innenstadt. Es waren Leute allen Alters da. Darunter auch viele Familien mit Kindern. Sprüche wie «Deine erste Demo?» hörte man oft. Viele hatten Transparente dabei. «Politischer Wandel statt Klimawandel» stand auf einem. « Es ist 5 vor 12» auf einem anderen. Kinder hatten ein Plakat geschrieben: «Lasst eure Autos zuhause».

Die Stadt Zürich hatte den Demonstrationszug vom Helvetiaplatz durch die Innenstadt bewilligt. Die Demonstration vergrösserte sich nach Beginn noch erheblich. Während kurz nach 14 Uhr gemäss der Stadtpolizei Zürich und einer ersten TA-Bildanalyse einige Tausend Teilnehmer auf dem Helvetiaplatz waren, ging die Stadtpolizei um 15.30 Uhr von rund 8000 bis 10'000 Teilnehmern aus. Später korrigierte die Polizei gemäss der Nachrichtenagentur SDA die Schätzung erneut nach oben: Es seien weit über 10'000 Leute gewesen. Die Organisatoren selbst schätzten die Teilnehmerzahl auf ungefähr 15'000.

«Wir sind überwältigt», sagte Dominik Waser, der bei der Organisation mitwirkte. «Natürlich hofften wir auf einen Erfolg, weil wir viel Zeit investiert haben, um andere Generationen zu erreichen. Aber das hätten wir nicht erwartet. Es war unglaublich», so der 21-Jährige.

Eine Pfadigruppe führte die Demonstration zunächst an. Vom Helvetiaplatz bewegte sich die Demonstration entlang der Langstrasse. «Wem sini Zuekunft? Oisi Zuekunft!», skandierten alle. «Wem sini Strasse? Oisi Strasse!» Nach der Bahnunterführung drehte der Umzug rechts ab in Richtung Hauptbahnhof. «What do we want? Climate justice!» Die Stimmung war friedlich. «When do we want it? Now!» Und: «Klimanotstand jetzt sofort!» Die Polizei mahnte die Leute zum Weitergehen.

Ein Teil des Demonstrationsumzugs bei der Bahnunterführung der Langstrasse. (2. Februar 2019) Video: Tamedia/Dominique Meienberg

Beim Sihlquai musste ein Teil der Demonstration auf den Rest des Umzugs warten. Immer wieder skandierten sie: «Oisi Zuekunft!» Dann: «Autolobbyiste, ab i d'Chischte!» Und: «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!»

Am Central legten die Demonstranten eine Schweigeminute ein für alle, die unter dem Klimawandel leiden. «Zwischenzeitlich waren die Vordersten beim Central und die Hintersten beim Sihlquai, weil es so viele Leute waren!», schilderte Mitorganisator Waser.

Der Demonstrationszug zog am Rathaus vorbei über die Limmat in Richtung Bürkliplatz. Dort gab es an der «Ässbar» Gratissuppe und Sandwiches. Die Teilnehmer assen aus mitgebrachten Tassen und richtigen Tellern, es war Musik zu hören.

Die Demonstration von der Grossmünsterterrasse aus gefilmt. (2. Februar 2019) Video: Tamedia/Dominique Meienberg

Jugend berät zum Klima

Während der Kundgebung fand im Zürcher Ratsaal am Limmatquai die dritte Sitzung des kantonalen Jugendparlaments statt. Das Fokusthema der Jugendlichen: der Klimawandel. Die Jugendlichen erarbeiteten während der Sitzung Forderungen und verabschiedeten sie als Petition an den Kantons- und Regierungsrat. In einer Rede erklärte Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, warum gerade heute bei Jugendlichen politisches Engagement wichtig sei.

Auf verschiedenen Tram- und Buslinien kam es wegen des Umzugs zu Umleitungen und Unregelmässigkeiten. Es sei mit mehr Reisezeit zu rechnen, meldete die VBZ. Generell wird jeweils empfohlen, die Apps oder Online-Fahrpläne zu konsultieren, die aktuelle Störungen berücksichtigen.

Mobilisierung über Social-Media

Den Anstoss zur Grosskundgebung in Zürich gaben erneut Schülerinnen und Studenten sowie Auszubildende. Die Organisation «Klimastreik», bei der der 21-jährige Waser mitwirkt, rief auch in zwölf anderen Schweizer Städten – Basel, Bern, Biel, Delsberg, Genf, Lausanne, St. Gallen, Luzern, Bellinzona, Solothurn, Freiburg und Neuenburg – zu Kundgebungen auf. Sie fordern unter anderem, dass die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 im Inland auf Null reduziert.

Die Schüler hatten in ihrem Umfeld Flyer verteilt und Transparente gemalt. Die grosse Mobilisierung lief nach wie vor über Social-Media-Plattformen.

Wer im Vorfeld im Internet danach googelte, fand auch auf der Seite von Klima-Allianz-Schweiz, einem Zusammenschluss von 70 Organisationen, einen Aufruf. Ebenso machte die Bewegung «fossil-free» auf ihrer Homepage auf den Anlass aufmerksam.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.02.2019, 16:39 Uhr

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