Gemeinderat löst Versprechen zum Fussballstadion ein

Mit 73 zu 37 Stimmen stimmt der Gemeinderat den Plänen für ein Fussballstadion auf dem Hardturmareal zu. Am 25. November werden die Stadtzürcher voraussichtlich darüber abstimmen. 

Fussbälle für die Politiker: Junioren des FCZ und von GC decken Stadträtin Karin Rykart (Grüne) mit Bällen ein. Foto: Doris Fanconi

Fussbälle für die Politiker: Junioren des FCZ und von GC decken Stadträtin Karin Rykart (Grüne) mit Bällen ein. Foto: Doris Fanconi

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Die Abstimmung zu den Plänen für ein Fussballstadion, Genossenschaftswohnungen und zwei Hochhäuser, die das Stadion querfinanzieren sollen, ist nicht ganz so knapp ausgegangen, wie es im Vorfeld angenommen wurde. Schon vor der Gemeinderatssitzungen hatten die linken Parteien das Bekenntnis abgegeben, genügend Stimmen zu liefern, damit das ganze Vorhaben nicht schon im Parlament begraben würde. Weil das Vorhaben der Ausgabenbremse untersteht, braucht es im Gemeinderat 63 Stimmen. Die befürwortenden Bürgerlichen kommen zusammen auf maximal 56 Stimmen. So gaben AL, Grüne und SP genügend Ja-Stimmen, damit die Stadtzürcher über die Stadionpläne abstimmen können. Am Ende einer fast vierstündigen Debatte nahm der Rat die Vorlage mit 73 zu 37 Stimmen an.

Fussbälle und Trillerpfeifen

Empfangen worden waren die Politiker vor dem Ratshaus von einer lauten Schar: Auf der einen Seite der Strasse standen Juniorinnen und Junioren der beiden Stadtzürcher Clubs FCZ und GC begrüssten die Politiker mit Trillerpfeifen und Transparenten, jedem überreichten sie einen Fussball und einen schwarzen Sportsack, auf dem die beiden Clublogos abgebildet waren. Auf der anderen Seite machten zahlreiche Eltern und ihre Kinder im Namen der IG Freiräume Lärm für die Erhaltung der Brache auf dem Hardturmareal.

Im Rat erläuterte Gabriela Rothenfluh die Idee der SP für eine neue Vorlage, bei der die Stadt Stadion und Genossenschaftssiedlung selber finanziert. Der jetzige Vorschlag sei für die Stadt zu teuer. Denn beim Heimfall der Hochhäuser müsse die Stadt den CS-Anlagefonds eine Milliarde bezahlen.

Die kurzfristig eingebrachte Idee der SP verärgerte die Bürgerlichen. Die SVP sprach von unsportlichen Regelmissachtern, die FDP gar von Erpressungsversuch und einer Arroganz der rot-grünen Mehrheit. Für die GLP ist es die letzte Chance, dass Zürich zu einem neuen Fussballstadion kommt. Bei der AL gibt es sowohl Befürworter als auch Gegner des Stadions, ihnen sei aber die Volksabstimmung wichtig.

Doch nicht nur die Bürgerlichen ärgerten sich über die SP. Auch Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) machte sich in einer emotionalen Rede für die Vorlage stark. Die SP habe ihre Meinung so oft gewechselt wie der FC Sion seinen Trainer. Es sei so schwierig gewesen, mit der SP zusammenzuarbeiten, sagte Leupi. Dafür erntete der Stadtrat in den Reihen der Genossen heftiges Kopfschütteln. Als er zum Schluss seines Votums auch noch mit einer Trillerpfeife zum Start des Stadions pfiff, schauten sich viele im Ratssaal ungläubig an.

Wie Leupi rügte die AL die SP für ihren Rückweisungsantrag «kurz vor Schluss». Es wäre ehrlicher gewesen, von Anfang an das Projekt abzulehnen, sagte Christina Schiller im Namen der AL. Dafür erntete die Gemeinderätin Applaus von der rechten Ratsseite. Offen als Kritiker eines Stadions auf dem Hardturm sind einzig die Grünen hingestanden. Das Areal sei einer der letzten grossen Freiräume in Zürich und müsse als solcher erhalten werden. Dennoch unterstützten sie den Rückweisungsantrag der SP nicht. Das Volk soll über das Projekt abstimmen können.

Dafür hatten die Grünen mit der Unterstützung der SVP in der Finanzkommission mit einer weiteren Ergänzung versucht, für die Stadt Zürich weitere gemeinnützige Wohnungen zu beschaffen. Die CS hat zugesichert, der Stadt Zürich 125 Wohneinheiten zu verkaufen. So könne die Stadt das Portfolio an gemeinnützigen Wohnungen erweitern, begründete Luca Maggi (Grüne) das Vorhaben.

In der Abstimmung über die Ergänzung des Antrags des Stadtrats war einzig die AL dagegen, und so wurde der Vorschlag mit 48 zu 11 Stimmen angenommen. Nun hat das Zürcher Stimmvolk das letzte Wort. Voraussichtlich am 25. November wird es über das Hardturmstadion abstimmen – und vorerst das letzte Wort sprechen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.07.2018, 00:04 Uhr

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