Gemeinderat sagt Ja zum Gestaltungsplan fürs neue Stadion

Das Zürcher Fussballstadion hat eine weitere Hürde genommen – und doch kommt es wohl zu einer erneuten Abstimmung. Nicht zuletzt wegen den Grünen.

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Der Anpfiff eines Spiels im geplanten neuen Fussballstadion auf dem Zürcher Hardturm-Areal dürfte noch länger auf sich warten lassen. Zwar hat das Parlament am Mittwochabend dem privaten Gestaltungsplan zugestimmt. Aber es droht dennoch eine erneute Volksabstimmung.

Denn gegen den privaten Gestaltungsplan «Areal Hardturm - Stadion» wird von der IG Freiräume Zürich West das Referendum ergriffen. Die IG fordert eine sozial- und klimaverträglichere Entwicklung des Areals. Ihr gehören vor allem Politikerinnen und Politiker der Grünen an, darunter auch Gemeinderat Markus Knauss.

«Wollen keine Europaallee 2»

Die Grünen sagten denn auch im 125-köpfigen Zürcher Stadtparlament Nein zum privaten Gestaltungsplan. Sie wollen «keine Europaallee 2 mit all den negativen Auswirkungen auf die Stadt», wie ein Sprecher sagte. Die Stadt dürfe nicht «von Hitze überflutet werden». Das Stadion sei ein Kollateralnutzen, die Wohnungen ein Feigenblatt. Die Credit Suisse sei die einzige grosse Profiteurin.

FDP, SVP, GLP, EVP und AL sagten Ja zum Gestaltungsplan. Es gelte, den Volkswillen vom November 2018 zu akzeptieren. Die SP enthielt sich mit demselben Argument. Wie ein Befürworter sagte, braucht Zürich nun «endlich ein richtiges Fussballstadion». Und dass es Wohnungen brauche, sei ja allseits unbestritten.

Stadtrat ist zuversichtlich

Hochbauvostand André Odermatt (SP) zeigte sich erfreut über das Ja zum Gestaltungsplan. Denn sowohl der Gemeinderat als auch das Volk hätten diesen bestellt. Das Projekt «Ensemble» sei ein ausgezeichnetes Projekt, sagte Odermatt weiter. Er sehe einer allfälligen Abstimmung gelassen entgegen. Diese dürfte wahrscheinlich im Mai 2020 stattfinden.

Änderungsanträge kann man zu einem privaten Gestaltungsplan nicht einbringen im Parlament. Eine erneute Diskussion zum Thema kann nur über ein Referendum zum Gestaltungsplan erfolgen. Die Unterschriftensammlung für das Referendum startet voraussichtlich Ende Oktober. Kommen innert 60 Tagen mindestens 2000 Unterschriften zusammen, gibt es im kommenden Jahr eine weitere städtische Volksabstimmung zum Hardturm-Areal inklusive Stadion.

Der private Gestaltungsplan «Areal Hardturm - Stadion» schafft die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Realisierung. Zudem werden darin auch Festlegungen zu den Bau- und Nutzungsbestimmungen, zur Erschliessung, zu Freiräumen, zum Lärmschutz sowie zu weiteren Umweltaspekten getroffen. Erforderlich ist er vor allem aufgrund der Gebäudehöhe der beiden geplanten Hochhäuser. Diese übersteigen mit 137 Metern die in Zürich maximal erlaubten 80 Meter.

Nach Ansicht der IG Freiräume hält sich der Gestaltungsplan weder an die kommunalen Richtlinien für sozialen Wohnungsbau noch an die gültigen Hochhausrichtlinien oder an den kommunalen Siedlungsplan in Sachen Grün- und Freiräume.

Die IG fordert «die Gestaltung des Areals mit gemeinnützigem Wohnungsbau sowie einem grossen Park für Spiel, Breitensport, Naherholung und Kultur». Ihrer Ansicht nach hat das Bauprojekt «kaum urbane Qualitäten». Zudem bewirkten Hochhäuser mit teuren Wohnungen «nur eine Scheinverdichtung».

Lange Abstimmungsgeschichte

Die Stadtzürcher Stimmberechtigten mussten sich immer wieder zur Stadion-Frage äussern. 2003 hatten sie das privat finanzierte Projekt Pentagon an der Urne bewilligt, es kam aber nie zustande. 2013 lehnten sie ein städtisch finanziertes Projekt ab. Im vergangenen November haben sie das Projekt «Ensemble» mit 53,8 Prozent Ja-Stimmenanteil angenommen. «Ensemble» stammt von den Investoren HRS, Immobiliengefässe der Credit Suisse sowie Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ).

Es sieht auf dem rund 55'000 Quadratmeter grossen Areal 174 Genossenschaftswohnungen, ein Stadion für rund 18'000 Zuschauer und zwei 137 Meter hohe Wohn- und Bürotürme mit rund 570 Wohnungen vor. Die gesamten Investitionen belaufen sich auf rund 570 Millionen Franken.

Der Investor will mit den Wohntürmen das Stadion querfinanzieren. Dadurch muss sich die Stadt weder am Bau noch am Betrieb finanziell beteiligen. Mit einem reduzierten Baurechtszins auf dem Baufeld, auf dem die Türme stehen werden, unterstützt sie das Projekt aber dennoch. Denn aus der Reduktion resultiert ein wiederkehrender Einnahmenverzicht von jährlich maximal 1,7 Millionen Franken. Das Stadion soll gemäss bisherigen Plänen 2022 fertig sein. Der erste Ball könnte in der Saison 2022/23 rollen. Die Hochhäuser und der gemeinnützige Wohnungsbau werden etappiert ab 2023 fertiggestellt. Dieser Zeitplan dürfte sich allerdings zumindest etwas verzögern. (red/sda)

Erstellt: 23.10.2019, 20:52 Uhr

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