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Gemüsediebe plündern Schülergarten

Kinder pflanzen beim Bodmerhaus Gemüse und dürfen die Ernte mit nach Hause nehmen. Doch dieses Jahr gingen sie wiederholt leer aus. Ihre Kohlrabi holten andere. Jetzt wehren sie sich.

Die Kinder haben jetzt Plakate gegen die Schurken gepflanzt. Foto: Dominique Meienberg
Die Kinder haben jetzt Plakate gegen die Schurken gepflanzt. Foto: Dominique Meienberg

Wer Gemüsesetzlinge pflanzt und sie pflegt, bekommt etwas Leckeres und Gesundes zurück: Das lernen die Kinder bei Jo­hanna Schmid-Röthlisberger. Die Heilpädagogin und Künstlerin leitet den idyllisch gelegenen Schülergarten beim Bodmerhaus neben dem Hauptgebäude der Universität Zürich.

Es sind elf Primarschülerinnen und -schüler, die hier ihr eigenes kleines Beet haben. Ihre Ernte dürfen sie mit nach Hause nehmen. Oder dürften. Denn schon seit den Frühlingsferien würden die erntereifen Pflanzen wiederholt entwendet, sagt Schmid-Röthlisberger. An diesem Freitagnachmittag fehlen einige Zwiebeln und Kartoffeln, vor einer Woche waren es die grössten Kohlrabi. Die Gemüsediebe lassen nur die nicht essbaren Teile der Pflanzen zurück. «Ich hatte einigen Kindern vor zwei Wochen gesagt, sie sollten warten, die Kohlrabi wachse noch», erzählt Jo­hanna Schmid-Röthlisberger. Doch beim nächsten Treffen hätten sie statt grösserer Pflanzen nur noch Löcher in der Erde vorgefunden.

Am liebsten eine Kamera

Fünf Salatköpfe seien ihm geklaut worden, erzählt der 8-jährige Niklaus. «Am besten wäre es, wir könnten Kameras aufstellen.» Leiterin Johanna Schmid-Röthlisberger hatte eine andere Idee: eine Plakataktion. «Ich habe mich vom Frauenstreik inspirieren lassen», sagt sie. Es sei eine Frage des Respekts, dass man den Schülerinnen und Schülern ihre Ernte lasse. «Die Schilder sollen eine Grenze markieren.» Gestern pflanzten die Kinder also nicht nur Gurken, sondern beschriftete Schilder mitten in ihre Beete ein. «Privat! Bitte nichts klauen! Danke», steht bei Niklaus’ Beet.

Wer Pflanzen stiehlt, könnte beobachtet werden, warnt dieses Schild. (Foto: Dominique Meienberg)
Wer Pflanzen stiehlt, könnte beobachtet werden, warnt dieses Schild. (Foto: Dominique Meienberg)

Johanna Schmid leitet die Kurse beim Bodmerhaus seit vier Jahren. Der Garten gehört der Gesellschaft für Schülergärten Zürich (GSG), die in der Stadt insgesamt 22 Gärten betreibt. Dort können Schülerinnen und Schüler der 2. bis 4. Klasse aus den nahe gelegenen Primarschulen Gartenkurse belegen – in ihrer Freizeit und gegen einen Beitrag von 100 Franken pro Saison. Die pro Kind klar definierte Anzahl Setzlinge werden von Grün Stadt Zürich zur Verfügung gestellt.

Auch in anderen Gärten komme vereinzelt Gemüse weg, sagt Alexandra Gick. Sie sitzt im Vorstand der GSG und leitet den Garten beim Schulhaus Manegg in Wollishofen. Auch Vandalismus oder Littering käme ab und zu vor. So sei im vergangenen Jahr beim Schülergarten Oberstrass sowie in ihrem eigenen Garten in der Manegg das Gartenhäuschen beschädigt und Gemüse entwendet worden. Die Häufung beim Bodmerhaus sei aber aussergewöhnlich, sagt sie.

Was nicht gestohlen wurde, wird liebevoll weiter gehegt und gepflegt. (Foto: Dominque Meienberg)
Was nicht gestohlen wurde, wird liebevoll weiter gehegt und gepflegt. (Foto: Dominque Meienberg)

«Unser Garten ist als einziger nicht eingezäunt und öffentlich zugänglich», sagt Leiterin Schmid-Röthlisberger. Das begünstige das Klauen. Die Vorfälle seien in den vergangenen Jahren überschaubar gewesen – hier ein Kürbis, da eine Zucchini, sagt Schmid-Röthlisberger. «Dieses Jahr ist die Situation ausgeartet.» Und leider hinterliessen auch nicht alle den Park so, wie sie ihn angetroffen haben – immer wieder blieben Bierflaschenscherben, Zigaretten, Hundekot und Plastikabfall liegen.

Fehlende soziale Kontrolle

Gick vermutet den Grund für die Häufung auch in den aktuellen Umbauarbeiten am Bodmerhaus, das direkt neben dem Hauptgebäude der Universität Zürich steht und einen Teil des Deutschen Seminars beherbergt. Die Gärten würden jetzt weniger beobachtet, und die soziale Kontrolle sei kleiner. Wegen des Umbaus schliesst der Schülergarten nach Abschluss der Saison im Herbst für zwei Jahre. Möglicherweise könne man ihn danach besser schützen, sagt Gick. Das müsse aber beim Kanton abgeklärt werden. Ihm gehört das Gelände. Keine Option sei die Suche nach einem neuen Standort. «Im Kreis 1 würden wir schlicht nichts finden», sagt Gick. Vielleicht helfen die Schilder.

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