Trotz Vegi-Boom: Gemüsetempel am Central schliesst

Eines der ältesten vegetarischen Restaurants Zürichs gibt es nicht mehr. Es wurde in ein Lokal integriert, das auch Nierli und Kutteln serviert.

Im heimeligen Weinstübli (von links): Jan-Lucas Nussbaumer, Elizabete Franco und Markus Nussbaumer.

Im heimeligen Weinstübli (von links): Jan-Lucas Nussbaumer, Elizabete Franco und Markus Nussbaumer. Bild: Dominique Meienberg

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Vegetarische und vegane Restaurants boomen. Doch einer der ältesten Gemüse- und Salattempel der Stadt Zürich hat vor einer Woche seine Türen für immer geschlossen: das Pot au Vert im ersten Stock des Hotels Limmathof. Die Besitzerfamilie Nussbaumer gibt wirtschaftliche Gründe für die Schliessung an.

Jan-Lucas Nussbaumer, der für die Restauration zuständig ist, sagt, dass er das Pot au Vert nun ins Weinstübli 1923 integriert habe, dem zweiten Restaurant im Hotel. Das Weintstübli liegt im Hochparterre, das Pot au Vert war einen Stock darüber. «Ein Restaurant mit 30 Sitzplätzen ist kaum rentabel zu führen. Wir hatten gleich zwei davon.» Aus der Theorie wisse man, dass Lokale ab 60 Plätzen rentieren können. «Diese Grösse haben wir nun erreicht», sagt er.

Ein Geheimtipp mitten im Stadtzentrum

Das Weinstübli ist ein sehr traditionelles Lokal. Ein Teil der Einrichtung stammt möglicherweise aus der Gründerzeit des Hotels im Jahr 1858. Seit die Familie Nussbaumer das Hotel 1923 übernahm, wurde im heimeligen Saal kaum etwas verändert. Die heutigen Betreiber wollen das Cachet auch erhalten. Die Zürcherinnen und Zürcher sollen so einen kleinen Einblick in alte Zeiten erhalten. Gäste sind denn auch immer wieder erstaunt darüber, ein solches Schmuckstück an so zentraler und derart stark frequentierter Lage zu finden. Das Weinstübli gilt als Geheimtipp.

Das Pot au Vert ist weg, das Weinstübli erstreckt sich nun über zwei Stockwerke im Limmathof-Gebäude. Foto: Dominique Meienberg

Der Saal des ehemaligen Pot au Vert hat kleine Anpassungen erfahren, die Ausstattung wurde dem Weinstübli etwas angepasst. «Das Mobiliar wie die Lampen, die Kommode, die grossen Spiegel und die Bilder stammen alle aus dem Fundus des Hotels», sagt Nussbaumer.

Passend zur alten Schankstube ist die traditionelle und gutbürgerliche Küche. Diese gestaltet sich seit letzter Woche neu: Neben Kutteln nach Zürcher Art, flambierten Kalbsnieren an Pinotsauce oder geschnetzelter Kalbsleber finden die Gäste nun auch vegetarische Gerichte, die zuvor nur im Pot au Vert angeboten wurden. Für alle Gerichte gilt die Nachhaltigkeit. «Wir setzen wie bis anhin auf Saisonales und Regionales», sagt Nussbaumer. In der ersten Woche sei es zu keinerlei Reklamationen zur neuen Ausrichtung gekommen – weder im ehemaligen Pot au Vert noch im Weinstübli. Die vegetarischen Gerichte seien dort auf Anklang gestossen, auch bei den zahlreichen Stammgästen. Nun können in wärmeren Jahreszeiten alle Gerichte auch im Boulevardcafé vor dem Hotel und auf dem Balkon im ersten Stock bestellt werden.

62 Hotelzimmer für Individualtouristen

Das Hotel Limmathof besitzt 62 Räume in drei Häusern am Limmatquai 142 und an der Zähringerstrasse 47 und 49, alle Liegenschaften sind miteinander verbunden. Es ist zu 100 Prozent im Besitz der Familie Nussbaumer. Die Gäste kommen aus der ganzen Welt, viele davon sind aber Schweizer. Das Hotel beherbergt kaum Reisegruppen.

Direktor ist der 60-jährige Markus Nussbaumer, Jan-Lucas Nussbaumer soll das Unternehmen dereinst übernehmen. Er hat die Hotelfachschule in Luzern absolviert.

Erstellt: 30.10.2019, 10:51 Uhr

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