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Kampf bis zum Letzten am Zürcher Friesenberg

Eine Genossenschaft will Neubauten statt alte Häuser. Nix da, sagt der Heimatschutz – und gewinnt vor Gericht. Aber damit nicht genug.

Sollen Neubauten weichen: Häuser der 1 und 2 Etappe der Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ) am Friesenberg.
Sollen Neubauten weichen: Häuser der 1 und 2 Etappe der Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ) am Friesenberg.
Samuel Schalch

Die beiden ältesten Siedlungen der Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ) im Friesenbergquartier, die sogenannten Etappen 1 und 2, sollen Neubauten weichen. So zumindest sieht es die FGZ vor. Die Genossenschafter sind bereit, für diese Pläne bis vor Bundesgericht zu gehen, wie sie heute Montag in einem Communiqué verlauten lassen.

Grund für den Rechtsstreit sind Rekurse des Zürcher Heimatschutzes (ZVH) gegen den Beschluss des Stadtrats von 2016, auf eine Unterschutzstellung der Häuser zu verzichten. Der Heimatschutz legte beim Baurekursgericht gegen den Entscheid Rekurs ein. Das Gericht lehnte ihn jedoch Anfang 2018 ab.

Der ZVH ging daraufhin mit seinem Begehren vor Verwaltungsgericht und hatte Erfolg: Im Januar 2019 hiess das Gericht die Beschwerde gut. Es hat die Inventarentlassung durch die Stadt und das Urteil des Baurekursgerichts aufgehoben. Das öffentliche Interesse am Erhalt dieser einzigartigen Gründersiedlung sei höher zu gewichten als die Gesamtheit anderer privater und öffentlicher Interessen, lautete die Begründung.

Veränderungen am Friesenberg: Wo die FGZ-Etappen 1 und 2 liegen.
Veränderungen am Friesenberg: Wo die FGZ-Etappen 1 und 2 liegen.

Stadt und FGZ ziehen gemeinsam vor Gericht

Den Entscheid des Verwaltungsgerichts will die FGZ nun vor Bundesgericht anfechten. Und die Genossenschaft ist damit nicht alleine. Auch die Stadt Zürich legt Beschwerde ein. Denn der Verzicht auf eine Unterschutzstellung der Siedlungen erfolgte vor dem Hintergrund des «Masterplan FGZ», der von der Genossenschaft und der Stadt gemeinsam erarbeitet worden war. Der Stadtrat hatte der FGZ ermöglichen wollen, die beiden Siedlungen abzubrechen und auf dem Areal dichter zu bauen.

Die Stadt habe nicht allein eine mögliche Schutzwürdigkeit zu beachten, sondern eine gesamthafte Abwägung aller betroffenen privaten und öffentlichen Interessen vorzunehmen, lautet die Begründung der Stadt für den Schritt vor Bundesgericht. Auch müsse auf die Schaffung von genügend preisgünstigem Wohnraum geachtet werden. «Angesichts der Tragweite des Urteils für die bauliche Erneuerung der FGZ will der Stadtrat deshalb, dass das Bundesgericht die Gewichtung der entgegengesetzten öffentlichen Interessen überprüft.»

Überbleibsel des Gartenstadtmodells

Die FGZ wiederum betont, dass eine denkmalgerechte Sanierung der beiden Siedlungen sehr kostspielig sei und in jedem Fall zu hohen Mieten führe. «Das Angebot an preisgünstigen Genossenschaftswohnungen könnte nicht in dem Masse ausgebaut werden, wie die FGZ das eigentlich möchte und es auch vom Stimmvolk mit grosser Mehrheit mit einem Zweckartikel in der Gemeindeordnung als Ziel verankert wurde», teilt die Genossenschaft mit.

Friesenberg Anfang letztes Jahrhundert: Damals hatte man noch genügend Platz für eine Gartenstadt. (Bild: ETH Archiv)
Friesenberg Anfang letztes Jahrhundert: Damals hatte man noch genügend Platz für eine Gartenstadt. (Bild: ETH Archiv)

Die Etappen 1 und 2 wurden von 1925 bis 1928 von Architekt Fritz Reiber erstellt. Laut Heimatschutz seien sie beeindruckende bauliche Zeugnisse des Gartenstadtmodells, das um die vorletzte Jahrhundertwende in England seinen Ursprung fand: Statt in stickigen Mietskasernen sollten die Arbeiter in durchgrünten Siedlungen am Stadtrand untergebracht werden und in den grosszügigen Gärten ihr eigenes Gemüse anpflanzen, so die Idee.

Tatsächlich stehen die Häuser gemäss FGZ auf einer Fläche von sieben Fussballfeldern. Die Ausnützung liegt gemäss Masterplan derzeit bei 26 respektive 29 Prozent. Auf dem Areal könnten 94 zusätzliche Wohneinheiten realisiert werden.

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