Ghetto-Work-out Züri-Style

Früher kletterte man auf Kinderspielplätzen herum – heute heisst das Calisthenics und ist eine Trendsportart – auch in Zürich.

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Es gibt verschiedene Gründe, unter freiem Himmel zu trainieren. Das Naturerlebnis, die Psychohygiene oder den Sport selbst, etwa beim Klettern. Als junge Mutter etwa fehlte mir die Zeit für alles, insbesondere mein geliebtes Klettern kam zu kurz. Um mich trotzdem fit zu halten, turnte ich mit den Kindern auf dem Spielplatz herum. Kinderklettergerüste lassen sich mit etwas Fantasie sehr gut als Trainingsgerät benutzen, heute gibt es sogar Klettergerüste extra für Erwachsene. Sie haben sogar einen schicken Namen: Calisthenics. Beim Calisthenics trainiert man nur mit dem Körpergewicht an einer Stange, an der man hängt, klimmt oder stemmt. Das tönt einfach, ist aber das Gegenteil. Die Königin aller Calisthenics-Übungen ist etwa die «Human Flag» oder der «Handstand Push Up». Um dahin zu kommen, braucht es eine athletische Basis und ziemlich viel Kraftausdauer.

Ich halte es simpler. Ich klettere an den Stangen herum oder widme mich meiner Hassliebe, den Klimmzügen. Je nach Tagesform schaffe ich zwischen drei und acht, wobei ich seit Jahren stagniere, zumal ich zu Hause noch immer keine vernünftige Klimmzugstange montieren konnte. Deshalb übe ich sie, wenn ich auf Kinderspielplätzen, dem Vitaparcours – oder einer Zürifit-Anlage eine Stange finde.

Calisthenics stammt aus der Ghetto- und Street-Work-out-Szene in New York Anfang der Nullerjahre und ist eigentlich eine fortgeschrittene Form von Herumklettern auf dem Kinderspielplatz. Doch dank der nötigen Dosis Ghettomuckis hat es sich über die Jahre zum Trend entwickelt – wie es immer dann heisst, wenn die Europäer den Amerikanern etwas nachmachen, was sie zuvor auch schon taten, aber keinen schicken Ausdruck dafür hatten. Heute kann man Calisthenics zum Beispiel auf den Zürifit-Anlagen ausprobieren, mehr protestantisch-nüchtern als jene in der Ghettoszene, aber was solls? Das Schöne am Sport ist ja, dass er letztlich für alle dasselbe bedeutet.

Je nach Lage der Zürifit-Anlagen lässt sich dort nicht nur ein schweisstreibendes Work-out absolvieren, sondern auch Feldstudien betreiben. In der Naherholungszone tummeln sich vor allem Kinder an den Klettergerüsten, in den eher durchmischten Quartieren, etwa der Basler Dreirosenanlage, läuft immer Musik, finden sich immer Gruppen junger Männer aller Art, von pubertierenden Hängern, die danach einen Joint durchziehen, zu den introvertierten Athleten, die sich selber etwas beweisen wollen, oder den milchgesichtigen Trainingskumpeln, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen antreiben.

Ab und zu verirrt sich eine Frau dahin, wenn auch selten. Deshalb organisieren sie sich gern und gehen gemeinsam. Aber das ist Stoff für eine andere Kolumne.


Michèle Binswanger ist Autorin beim «Tages-Anzeiger», liebt Sport und Trainingsphilosophien. Wöchentlich schreibt sie die Work-out-Kolumne und postet regelmässig auf diesem Instagram-Kanal.

Erstellt: 16.01.2020, 18:15 Uhr

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