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Grasgrüne 137-Meter-Türme für Zürich

Die Hochhäuser auf dem Hardturmareal sollten begrünt sein, findet ein Künstler. Die Vorbilder stehen in Mailand.

Ganz in Grün: Wie die Hardturmhochhäuser mit begrünter Fassade aussehen könnten.
Ganz in Grün: Wie die Hardturmhochhäuser mit begrünter Fassade aussehen könnten.
Visualisierung: nightnurse images/Meaulnes Legler
So solls auf dem Hardturmareal ab 2021 aussehen: Die beiden Türme (rechts) mit 600 Wohnungen werden «normal» vermietet, die 174 gemeinnützigen Wohnungen (links vom Stadion) von einer Baugenossenschaft.
So solls auf dem Hardturmareal ab 2021 aussehen: Die beiden Türme (rechts) mit 600 Wohnungen werden «normal» vermietet, die 174 gemeinnützigen Wohnungen (links vom Stadion) von einer Baugenossenschaft.
Visualisierung: nightnurse images, Zürich
Zählt ebenfalls als Vertikalbegrünung: Der MFO-Park in Oerlikon.
Zählt ebenfalls als Vertikalbegrünung: Der MFO-Park in Oerlikon.
Doris Fanconi
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Hochhäuser in Zürich provozieren. Auch die jüngsten Pläne dafür: Auf dem Hardturmareal sollen zwei 137 Meter hohe Türme zusammen mit dem neuen Fussballstadion künftig das westliche Einfallstor in die Stadt markieren. In Höngg formiert sich bereits Widerstand dagegen. Zu hoch seien die Häuser, monieren einige. Und würden die Türme gebaut, hätte das eine Signalwirkung. Andere Bauherren würden dann noch höher hinaus wollen, fürchtet man.

Südöstlich von Höngg, im Kreis 6, haben die ersten Bilder der beiden Hochhäuser ebenfalls provoziert – und zwar eine neue Idee. Der Zürcher Künstler Meaulnes Legler fühlte «ästhetisches Empfinden» von den Visualisierungen «erheblich gestört». «Es wundert mich nicht», kritisiert Legler, «dass das Projekt in dieser Form anstösst und bei einer Abstimmung nicht angenommen wird». Das Zürcher Stimmvolk habe bereits dem Swissmill-Turm zugestimmt und bereue dies heutzutage, wie er vernommen habe. «Um die Schwerfälligkeit dieses Monoliths abzuschwächen, kursieren nun Projekte mit Farbanstrichen und Kletterwänden.» Und jetzt sollen dem Hardturm-Stadion zwei ebenso «hässliche Wohn- und Business-Türme» beigestellt werden, sagt Legler. «Ganz in Grau und ästhetisch nicht ansprechend.»

Legler hat beim Hardturm vorgespurt und präsentiert bereits vor Baubeginn eine Alternative zum bisherigen Projekt: «Ich habe das Bild der Visualisierung bearbeitet, um sichtbar zu machen, wie die beiden Türme viel besser aussehen könnten – ästhetisch ansprechend, ökologisch vertretbar und vom Stadtvolk sicher eher akzeptiert.» Legler schweben grün bewachsene Türme vor. So wie die Bosco Verticale in Mailand, die begrünten Zwillingstürme des italienischen Architekten Stefano Boeri, die als Vorbilder gelten, wenn es ums Thema begrünte Hochhäuser geht. Boeri erhielt dafür den internationalen Hochhaus-Preis 2014.

In der Schweiz gibt es bereits ähnliche Projekte. In der Waadt ist das 117 Meter hohe «Les Terrasses des Cèdres» geplant –, in Rotkreuz in einem 70 Meter hohen Turm 85 Eigentumswohnungen, und in Wabern BE ist der 53 Meter hohe Garden-Tower bereits bewohnt.

Die Vorteile des Grüns

Neben der ungewöhnlichen Ästhetik bringen Fassadenbegrünungen ökologische Vorteile mit sich. Das weiss auch die Zürcher Stadtregierung. Sie spricht von sogenannten Vertikalbegrünungen. Und diese könnten «ein Puzzlestein für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung sein», antwortete der Stadtrat vor zwei Jahren auf eine schriftliche Anfrage zweier grüner Gemeinderäte. Sie verbesserten das Stadtklima (spenden Schatten und kühlen natürlich), die Lufthygiene (lokale Staub und Schadstofffilter), Freiraumqualität (sind einladender und reduzieren Lärm) sowie die Biodiversität (Nahrung, Nistplätze, Verstecke).

Der Stadtrat befürwortet ausdrücklich solche Begrünungsprojekte. Auf der Website von Grün Stadt Zürich gibt es eigens einen Abschnitt dazu. Den Grünen im Stadtparlament ist dieses Bekenntnis aber zu wenig. Im August haben zwei Gemeinderäte einen Vorstoss eingereicht. Sie regen an, der Stadtrat solle ein neues «Kompetenzzentrum Vertikalbegrünungen» schaffen, der die Aktivitäten in diesem Bericht bündelt und «als wichtiger Kernpunkt bei der weiteren baulichen Verdichtung priorisiert».

Teuer und kompliziert

Die Hardturm-Projektentwicklerin HRS fände begrünte Fassaden grundsätzlich gut, sagt HRS-Kommunikationsleiter Andreas Netzle. Das grosse Aber folgt jedoch prompt: Zu viele Gründe hätten gegen eine durchgängige Begrünung gesprochen, wie sie der Künstler vorschlage. Eine solche würde das Gewicht der Bauten deutlich erhöhen, was auf diesem Baugrund in der Gewässerschutzzone nicht zu bewältigen wäre. Die Architekten hätten bei den Hochhäusern zudem die Aussenräume wegen des Windes bewusst als verglaste Loggien ausgestaltet. «Bei auskragenden Pflanzen-Erkern würde sich die Silhouette verändern und im Widerspruch zur aktuellen Schlankheit der Türme stehen», sagt Netzle.

Aber damit nicht genug: «Die Thematik ist komplex», gibt der HRS-Sprecher zu bedenken. Die durchgängige Begrünung würde von der Gebäudeversicherung (GVZ) kaum bewilligt, da die Fassade eines Hochhauses «nichtbrennbar materialisiert» sein müsse. Schliesslich müsste auf die Jurierung des Wettbewerbs zurückgekommen werden, da es sich dabei um eine wesentliche Änderung des beurteilten Projekts handeln würde. Und zudem würden die Kosten des Projekts steigen, damit auch die Mieten, und die Bewohner müssten die Pflanzen bewirtschaften, was für viele Mieter nicht zumutbar gewesen wäre.

Im bernischen Wabern, wo das erste begrünte Hochhaus der Schweiz steht, wurde ein Teil dieser Probleme gelöst. Ein Bewässerungssystem wurde installiert, damit die Brandgefahr durch verdorrende Pflanzen nicht steigt. «Wegen der Brandschutzbestimmungen ist ein solches Projekt nicht ganz unkompliziert», sagte der Architekt der «Berner Zeitung» vor dem Erstbezug. Das sei auch mit ein Grund dafür, weshalb begrünte Fassaden in der Schweiz noch derart selten sind.

Bilder: Die höchsten Hochhäuser der Welt

Platz 10: Die Petronas Towers stehen in Kuala Lumpur, Malaysia, messen 452 Meter und wurden bereits 1998 errichtet. Die Türme wurden vom argentinischen Architekten César Antonio Pelli gestaltet.
Platz 10: Die Petronas Towers stehen in Kuala Lumpur, Malaysia, messen 452 Meter und wurden bereits 1998 errichtet. Die Türme wurden vom argentinischen Architekten César Antonio Pelli gestaltet.
AP Photo/Vincent Thian, Keystone
Platz 9: Mit 484 Metern und 108 Stockwerken ist das International Commerce Centre das höchste Gebäude in Hongkong. Die Fassade des Hochhauses wurde vollständig mit bläulich schimmerndem Glas verkleidet.
Platz 9: Mit 484 Metern und 108 Stockwerken ist das International Commerce Centre das höchste Gebäude in Hongkong. Die Fassade des Hochhauses wurde vollständig mit bläulich schimmerndem Glas verkleidet.
AP Photo/Vincent Yu, Keystone
Platz 1: Klarer Sieger ist der Burj Khalifa in Dubai. Das Hochhaus ist mit 828 Metern und 163 Stockwerken seit April 2008 das höchste der Welt.
Platz 1: Klarer Sieger ist der Burj Khalifa in Dubai. Das Hochhaus ist mit 828 Metern und 163 Stockwerken seit April 2008 das höchste der Welt.
Mohammed Salem, Reuters
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