Girod hofft auf Rückenwind der SP

Die Grünen wollen, dass die SP ihnen zum Erfolg verhilft. Bisher war es meistens umgekehrt. Bei den Ständeratswahlen braucht Bastien Girod das volle Engagement der SP – doch die ist sich nicht einig.

Kommt da noch was? Für Bastien Girod hat der Schlussspurt des Wahlkampfs begonnen. Foto: Marc Welti, 13 Photo

Kommt da noch was? Für Bastien Girod hat der Schlussspurt des Wahlkampfs begonnen. Foto: Marc Welti, 13 Photo

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Mathematisch lässt sich Bastien Girods Ziel, am 22. November als zweiter Zürcher Ständerat gewählt zu werden, einfach ausdrücken. Um Ruedi Noser (FDP) und Hans-Ueli Vogt (SVP) zu schlagen, braucht der Grüne Girod die Stimmen des geschlossenen linken Lagers sowie ein Viertel der Mittewähler aus GLP, BDP, CVP und EVP.

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Wer schafft neben Daniel Jositsch den Sprung in den Ständerat?





Die Rechnung stammt von AL-Doyen Niklaus Scherr und geht so: Vogt bleibt auf den 30 Wählerprozenten des ersten Wahlgangs sitzen, weil er von der FDP keine Stimmen erhält. Sogar die EDU unterstützt Noser. Ständerat wird somit, wer von den verbleibenden 70 Prozent mehr als die Hälfte macht, also mindestens 35 Prozent. Die vereinigte Linke aus SP, Grünen, AL und Piraten haben im Oktober 31 Prozent geholt, die Mitteparteien 19 Prozent. Girod braucht somit aus der Mitte runde 5 Prozent.

Genossen in den Schützengräben

Doch Girod hat ein Problem. Bei der SP ist die gefühlte Stimmung so: Ein Drittel wählt Noser, ein Drittel Girod, und ein Drittel bleibt zu Hause. Bereits haben sich prominente Genossen wie Elmar Ledergerber, Markus Notter, Mario Fehr oder das Werberurgestein Hermann Strittmatter zu Noser bekannt. Notter begründet dies in der «NZZ am Sonntag» so: Wer den chancenlosen Girod wählt, nimmt in Kauf, dass am Ende SVP-Kandidat Hans-Ueli Vogt gewählt wird. Gemäss obiger Rechnung liegt Notter mit seiner vorsichtigen Strategie aber falsch. Scherr wirft Notter, Ledergerber und Co. denn auch vor, sie seien «in den Schützengräben der 90er-Jahre stecken geblieben».

Die SP hat noch einen Grund, die Grünen nicht hängen zu lassen. Bei den letzten Regierungsratswahlen verdrängte Jacqueline Fehr (SP) – auch mit grünen Stimmen – den Grünen Martin Graf mit knapp 6000 Stimmen aus dem Amt. Bei den Nationalratswahlen gewann die SP nur dank Listenverbindung mit den Grünen zwei Sitze, die Grünen verloren einen. Und Daniel Jositsch ist auch dank grüner Unterstützung bereits im ersten Wahlgang gewählt worden. Nun möchten die Grünen auch mal vom ungeliebten grösseren Partner profitieren.

Die grüne Parteipräsidentin Marionna Schlatter sagt es betont diplomatisch: «Die formelle Unterstützung durch die SP reicht diesmal nicht, wir brauchen von der SP auch das persönliche Engagement der Mitglieder.» Was Schlatter sich vorstellt, von einem gesättigten Wahlsieger aber kaum zu erwarten ist: Flyer verteilen, Mails verschicken, an Standaktionen teilnehmen. SP-Präsident Daniel Frei und Pro-Natura-Vize Ruedi Lais machten es gestern vor: An einer Medienkonferenz von Girod nannten sie die verlockenden Ziele einer Standesvertretung Jositsch/Girod: Energiewende, Naturschutz, moderne Gesellschaft, offene Aussenpolitik.

Eine Absage erteilte Frei grünen Forderungen nach einer finanziellen Beteiligung der SP an Girods Wahlkampf. Die SP habe kein «voriges Geld in cash», weil sie auf den zweiten Wahlkampf verzichten könne. Diese Mittel hätten erst noch beschafft werden müssen.

Erstellt: 04.11.2015, 23:09 Uhr

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