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Glas ist die Antwort

Wie wirkt ein Unternehmen transparent? Wie ordnet sich ein Neubau in ein historisches Ensemble ein? Das Modell einer Fassade gibt Antworten.

Die Modellfassade des Zurich-Neubaus am Mythenquai.
Die Modellfassade des Zurich-Neubaus am Mythenquai.
Doris Fanconi

Alt-Bundesrat Adolf Ogi hat sicher seine helle Freude an diesem Projekt des Büros Krischanitz. Ein riesiger Kristall an bester Zürcher Lage! Das Wiener Architekturbüro baut zwischen Alfred-Escher-Strasse und Mythenquai den Hauptsitz der Zurich-Versicherung aus. Ein neuer Baukörper, der U-förmig drei denkmalgeschützte Gebäude ergänzt. Adolf Krischanitz hat 2012 den Wettbewerb gewonnen – es wird sein zweiter auffälliger Glasbau im Quartier sein. Der erste: der «Smaragd» genannte Neubau des Museums Rietberg.

Für den Zurich-Neubau wurden mehrere Gebäude abgerissen, derzeit klafft eine Baugrube entlang der Alfred-Escher-Strasse, einigen alten Gebäuden wurden die Fassaden entfernt. Einen halben Kilometer stadtauswärts erhält man eine Idee davon, wie das neue Gebäude dereinst aussehen wird. Hier steht an prominenter Lage ein 1:1-Modell der neuen Fassade. Das sogenannte Mock-up ist zwei Geschosse hoch, an ihm lässt sich das Fassadenkonzept des Neubaus ablesen: Mural (und aus dem in der Stadt Zürich weit verbreiteten Bollinger Sandstein) gegen die Alfred-Escher-Strasse, aus Glas gegen die historischen Bauten am Mythenquai. Es ist nicht einfach eine glatte Glasfläche: Es erheben sich geschosshohe Prismen – einem Kristall gleich.

Ein fremdes Gewand

Roger Huwyler arbeitet im Zürcher Büro des Wiener Architekten und leitet das Projekt «Zurich Quai». Inspiration für die Prismenfassade war den Architekten der Kristallglasschliff. Dieser findet sich an den geschliffenen Fenstern, die Anfang des 20. Jahrhunderts, als die historischen Zurich-Bauten erstellt wurden, en vogue waren. Sie hatten das Ziel, dem Glas noch mehr Glanz und Brillanz zu verleihen – der Effekt soll hier in das 21. Jahrhundert transportiert werden.

Die Glasfassade soll einerseits signalisieren, dass die Zurich ein transparenter Konzern sei. Andererseits löse das Material im historischen Kontext einen zentralen Konflikt: Der Übergang zwischen Alt und Neu. Die alten Gebäude, die um die Jahrhundertwende gebaut wurden, sind reich verziert. Die Glasfassade mache sich deren Fassadenschmuck zu eigen, «über die Reflexion wird die alte Fassade auf die neue appliziert». Das Gebäude erhalte ein fremdes Gewand und gliedere sich so unter.

Wie – und dass – dies funktioniert, zeigt seit einigen Wochen der Neubau der Swiss Re in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Fassade des Baus von Diener und Diener aus geschwungenen Glaselementen reflektiert Nachbarhäuser und Himmel leicht verzerrt. Das Gebäude wird so lebendig. Noch etwas haben die beiden Fassaden gemeinsam: Das Zurich-Mock-up steht auf dem Sockel des Swiss-Re-Mock-ups. Es sei nicht immer einfach, einen guten Standort zu finden, sagt Roger Huwyler. Hier sei es ein sehr guter gewesen – und man war sich fast sicher, eine entsprechende Bewilligung der Stadt zu erhalten.

Roger Huwyler sagt, er sei immer wieder überrascht, wenn er das erste Mal vor einem Mock-up stehe. «Das Erdachte 1:1 vor sich zu haben, ist speziell.» Ein solches Modell sei heute unabdingbar, findet er. Die Wirkung der verschiedenen Gläser, der Fugenfarben und Profilstärken lasse sich eigentlich nur an Ort und Stelle und im Kontext mit der Umgebung überprüfen. Was zum Beispiel sofort sichtbar wurde: Die Betonfassade hinter der Glashaut muss dunkel sein, die Profile und Fugen davor möglichst hell. Nur dann wirkt die Konstruktion wie ein funkelnder Kristall. Und nur dann kommen die historischen Gebäude richtig zur Geltung.

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