Grosse Allianz für eine grosse Summe

240 Millionen Franken will der Stadtrat in die Sanierung von Kongresshaus und Tonhalle investieren. Das Unterstützungskomitee für die Abstimmung ist so breit abgestützt wie selten.

Wo heute der Panoramasaal ist, soll eine Gastroterrasse entstehen. Visualisierung PD

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239,45 Millionen Franken sollen die Stimmberechtigten in die Renovation des Gebäudekomplexes Kongresshaus/Tonhalle investieren. Das ist viel Geld, und darum geben sich die Befürworter auch viel Mühe. Ihr Komitee zählt rund 100 Personen, die das ganze Spektrum Zürichs abdecken – mit Ausnahme der SVP und des Schwarzen Blocks. Vertreten sind unter anderem: Bankenverband, Hotelierverband, ACS, Hauseigentümerverband, Schweizer Kunstverein, City-Vereinigung, Gewerbeverband. Zudem Persönlichkeiten wie Robert Neukomm (Alt-Stadtrat SP), Thomas Wagner (Alt-Stadtpräsident FDP), Christoph Sigrist (Pfarrer Grossmünster) oder Walter Andreas Müller (Schauspieler).

Restaurant mit Aussicht

Der Gemeinderat stimmte der Sanierung mit 100 gegen 22 (SVP) Stimmen zu. Gestern begründeten seine Vertreter ihre Haltung. Christoph Luchsinger (FDP) stellte in Aussicht, dass der renovierte Gebäudekomplex mehr Licht, mehr Durchgänge und mehr See- und Alpenblick haben werde. Besonders interessant für das Publikum sei das neue, öffentliche Restaurant auf der Terrasse.

Für Mario Mariani (CVP) spielt die Tonhalle in der Champions League in Sachen Akustik, doch sei ihre Infrastruktur dieses Rangs nicht würdig. Martin Luchsinger (GLP) sprach von einem Schnitt durch den Gordischen Knoten, der mit der neuen Stiftung gemacht werde. Mit der Ablösung der bisherigen privatrechtlichen Stiftung erhalte das Kongresshaus ein stabiles Fundament, während die finanzielle Situation bisher mit jeder Renovation enger geworden sei.

Projekt bringt Nutzen für alle

Die Sanierung koste tatsächlich eine Stange Geld, räumte Matthias Probst (Grüne) ein, aber die Stadt erhalte neben Kongressen und Konzerten auch das Grundstück. Im Übrigen gelte es, die Kosten zu relativieren: Die Bauinvestition beträgt 165 Millionen Franken, während der abgelehnte Moneo-Neubau etwa 400 Millionen gekostet hätte.

Pawel Silberring (SP) sagte, es gehe bei diesem Projekt um den Bildungs-, Kultur- und Wirtschaftsstandort Zürich. Die Tonhalle werde von etwa 110'000 Menschen besucht, das Kongresshaus von 360'000 im Jahr. Über die Wertschöpfung, die daraus fürs lokale Gewerbe entstehe, gebe es verschiedene Zahlen, doch ein paar Dutzend Millionen Franken seien es auf jeden Fall. Das gelte es zu erhalten. Und wer weder mit klassischer Musik etwas am Hut habe noch einen Kongress besuche, der erhalte immerhin ein neues Terrassenrestaurant mit schönster Aussicht.

Gemeinderat Probst fasste es zum Schluss kurz und deutlich so zusammen: «Wenn das Volk Nein sagt, muss der Betrieb früher oder später wegen der Feuerpolizei eingestellt werden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.04.2016, 11:02 Uhr

Darüber wird abgestimmt

«Das ist das komplexeste Projekt, das mir im Stadtrat und in den zehn Jahren zuvor im Gemeinderat begegnet ist», sagte einst Stadtpräsidentin Corine Mauch zur Kongresshaus/Tonhalle-Sanierung, die am 5. Juni vors Volk kommt. Einschüchternd ist nur schon, dass es sich um zwei Vorlagen zum selben Thema handelt: Die eine gilt der Finanzierung, die andere der neuen Trägerschaft für das Kongress- und das Konzertgebäude am General-Guisan-Quai.

Handlungsbedarf besteht aus mehreren Gründen: Die Tonhalle von 1895 und das Kongresshaus von 1939 sind sanierungsbedürftig, weil in den letzten zehn, zwanzig Jahren kaum mehr in die Häuser investiert wurde. Grund war das Neubauprojekt, das 2008 vom Volk aber abgelehnt wurde. Weitere Jahre vergingen, weil der Stadtrat erfolglos einen neuen Standort für ein Kongresszentrum suchte. Die Tonhalle und das Kongresshaus der Architekten Haefeli/Moser/Steiger sind beide hochgradig denkmalgeschützt.

Trägerschaft ist verschuldet

Erschwerend kommt hinzu, dass die Trägerschaft der Bauten – die privatrechtliche Kongresshaus-Stiftung – mit über 70 Millionen Franken verschuldet und nicht mehr handlungsfähig ist. Die Hauptlast stammt aus den Jahren 1981–1985, als die Sanierungskosten völlig aus dem Ruder liefen – der sogenannte Kongresshaus-Skandal. Seither musste die Stadt die Stiftung immer wieder mit Sanierungsdarlehen unterstützen. So sieht die Finanzierungsvorlage aus:

  • 165 Millionen Franken für die bauliche Renovation und technische Modernisierung der beiden Häuser.
  • 72,8 Millionen Franken für die Tilgung der Schulden der heutigen Kongresshaus-Stiftung. Die Stadt verzichtet auf die Rückzahlung von Darlehen in der Höhe von 56,8 Millionen und übernimmt Bankschulden von 16 Millionen.
  • 1,65 Millionen Franken zahlt die Stadt als Beitrag an die Tonhalle, damit diese während der dreijährigen Renovation in der Maag Event Hall in einem provisorischen Konzertsaal weiterspielen kann. Der Umbau ist von Mitte 2017 bis Mitte 2020 geplant.
  • Zur finanziellen Sanierung gehören ferner: 2,9 Millionen Franken als jährlicher Beitrag an die neue Kongresshaus-Stiftung zur Kostendeckung des Betriebs. Zudem Erhöhung der Tonhalle-Subvention von derzeit 16,9 Millionen um 2,5 Millionen Franken. Das ist der Betrag, den die Tonhalle neu als Miete zahlen muss.

Die zweite Vorlage gilt der Errichtung einer neuen, öffentlich-rechtlichen Stiftung als Trägerschaft von Kongresshaus und Tonhalle. In dieser wird die Stadt mit drei Mitgliedern die Mehrheit haben, die Tonhalle hat zwei Mitglieder. Damit kommt das Grundstück, dessen Wert auf 50 bis 80 Millionen Franken geschätzt wird, in den Besitz der Stadt. (Tages-Anzeiger)

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