Grosses Theater für den Garten

Traktoren schlängeln sich in Oerlikon zwischen Blumenkisten und Rindenkompost hindurch. Sie errichten eine der grössten Gartenausstellungen weltweit.

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Der Frühling kündigt sich mit Pfeifen und Blinken an. In den grossen Hallen der Messe Zürich schlängeln sich Traktoren mit Warnleuchten zwischen Blumenkisten und Rindenkompost. Gabelstapler geben einen durchdringenden Piepston von sich, wenn sie tonnenschwere Humussäcke von den Sattelschleppern zu den Schaugärten transportieren, die langsam Gestalt annehmen. Seit einer Woche sind die Hauptaussteller der Giardina daran, ihre Indoorgärten zu bauen und zu pflanzen. Die Planung selbst nahm Wochen, ja Monate in Anspruch.

Der Branchenverband Jardin Suisse will dieses Jahr ein grosses Theater veranstalten. Rund um riesige Masken und hölzerne Klappstühle entsteht eine Frühlingswiese. Die Rollen werden vertauscht sein: Das Publikum wird von einer Bühne aus die bunte Pracht bestaunen können. Tausende von Tulpen, Primeln und Stiefmütterchen werden dann hier blühen. «Es ist wirklich ein Chrampf», sagt ein Lehrling, der auf Teufel komm raus weisse Veilchen einpflanzt. «Das mach ich noch im Schlaf», sagt seine Kollegin lachend. Weiss und Violett scheinen im Trend.

280 Aussteller nehmen an der diesjährigen Giardina teil. Sie ist eine der grössten Indoorgartenmessen der Welt und mit jeweils rund 60'000 Besucherinnen und Besuchern eine der am besten besuchten Publikumsmessen des Landes. Ihr Herzstück, die Schaugärten, sind bis zu 600 Quadratmeter gross – es gibt aber auch kleine feine Anlagen, insbesondere dieses Jahr, in dem das Motto «Grosse Wirkung auf wenig Raum» lautet. Die zwanzigste Giardina reagiert auf den Wandel der Zeit: Während 1997 noch Einfamilienhäuschen mit öden Rasenflächen und Plastikgartenmöbeln vorherrschten, wird heute der Raum enger: Gärten in Zeiten der Verdichtung.

Ausstellungsdirektor Christoph Kamber war das erste Mal bei der Giardina 1999 mit von der Partie. «Der Erfolg dieser Messe hat damit zu tun, dass sie sich als Inspiration und nicht als reine Verkaufsveranstaltung versteht», sagt er. «Und dass sich die Gartengestalter hier untereinander messen können.»

Magnolien müssen sich beeilen

Es habe «wie eine Bombe eingeschlagen», als der Gartenarchitekt Enzo Enea an der Giardina 1999 erstmals einen Garten in Originalgrösse in der Halle baute, erzählt Kamber. «Enea prägte dadurch die Giardina massgeblich.» Und er feiert dieses Jahr sein 25-Jahr-Firmenjubiläum. Erinnert der Rapperswiler Enzo Enea sich noch an seinen ersten Schaugarten? Er studiert angestrengt nach – und man sieht es ihm an, er hat eigentlich den Kopf ganz woanders, nämlich in dem Projekt, das rund um ihn herum am Entstehen ist: ein östlich angehauchter Garten, aus dem der betörende Geruch von Wacholder aufsteigt.

Etwa fünfzig Sattelschlepper brachten das Material in die Halle, vierzig bis fünfzig Mitarbeiter arbeiten seit nunmehr sieben Tagen daran. Aussergewöhnlich ist vor allem das Holz, das er verwendet: Paulownie. Es ist bei uns als Baumaterial noch wenig bekannt, obwohl es hervorragend dafür geeignet ist. Er bezeichnet es als «das Aluminium der Holzarten». Leicht, biegsam und doch fest. Und es wächst schnell.

Savannen entstehen

«Eigentlich läuft alles nach Plan», sagt Enea. «Ausser die Magnolien.» Da das Wetter so lange kalt und trübe war, sind die Blüten im Rückstand. Deshalb werden sie derzeit mit gelben Lampen angetrieben, denn der Frühling muss sich hier in der Messe Zürich stets pünktlich Mitte der elften Kalenderwoche einstellen, damit die Besucherinnen und Besucher den Frühling nicht nur spüren, sondern auch sehen.

Jetzt ist Enea wieder eingefallen, wie sein erster Schaugarten ausgesehen hat. Mediterran, aber mit einheimischen Pflanzen. Lavendel, Rosmarin – «und mit richtigem Kopfsteinpflaster und acht Meter hohen Zypressen», ergänzt später Christoph Kamber. «Die Zypressen waren eine Sensation.» Grosse Bäume sind unterdessen nicht mehr selten an der Giardina. Auch werden vor Ort Granitböden verlegt, entstehen Savannen und Swimmingpools. Über tausend Lastwagenladungen, mehrere Tausend Tonnen Pflanzen werden jeweils für die Giardina verbaut. Ist das nicht ein ökologischer und ökonomischer Unsinn, für fünf Tage Ausstellung einen solchen Aufwand zu betreiben? Christoph Kamber schüttelt den Kopf: «Achtzig bis neunzig Prozent der Materialien und Pflanzen werden danach anderswo verwendet und eingepflanzt.» Und man habe ausgerechnet, dass die Giardina jeweils Investitionen von 350 Millionen Franken auslöse. «In der immer digitaleren Welt wächst die Sehnsucht nach Natur.»

Giardina 18 vom 14. bis 18. März in der Messe Zürich (Oerlikon). Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 20 Uhr, Freitag bis 22 Uhr; am Wochenende von 9 bis 18 Uhr. www.giardina.ch

Erstellt: 12.03.2018, 08:49 Uhr

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