Zum Hauptinhalt springen

Grüne wollen mit Verwirrung punkten

Die Zürcher Grünen setzen in ihrem Wahlkampf auf serbische, arabische und tamilische Slogans. Obwohl das kaum einer versteht, möchten sie alle ansprechen.

Wie bitte? Die Grünen machen Wahlkampf in Fremdsprachen.
Wie bitte? Die Grünen machen Wahlkampf in Fremdsprachen.
zac

Nun verstehen die meisten Zürcher Grünen-Wähler ihre eigene Partei nicht mehr: Seit Montagmorgen leuchten weisse Sprechblasen auf grünem Hintergrund an den Plakatwänden in der ganzen Stadt. In den Sprechblasen kyrillische, arabische und tamilische Schriftzeichen. Dazu das Logo der Partei und der Hinweis auf die Liste 4.

Es geht um die anstehenden Gemeinderatswahlen am 4. März, so viel ist klar. Was die Grünen den Zürcherinnen und Zürchern mit diesen Plakaten allerdings sagen möchten, erschliesst sich erst mit der Übersetzung: «Haltung zeigen» steht dort in den verschiedenen Sprachen geschrieben. «Damit möchten wir zeigen, dass wir offen gegenüber anderen Kulturen sind und uns für sie einsetzen», sagt die grüne Stadtratskandidatin Karin Rykart.

Auffallen und neugierig machen

Es sei keineswegs der Wille, jemanden auszuschliessen, der das nicht verstehe. «Auf den sozialen Netzwerken erklären wir, was wir damit ausdrücken möchten.» Es gehe vor allem auch darum, in den Monaten vor den Wahlen Aufmerksamkeit zu erregen. Natürlich sei dies auch ein Wagnis. Es bestehe die Gefahr, dass man die Menschen eher verwirre als aufkläre, räumt Rykart ein. «In erster Linie wollen wir aber neugierig machen.»

Den Vorwurf, es gehe bloss um Effekthascherei ohne Inhalte, möchte Rykart nicht gelten lassen: «Auch auf den herkömmlichen Plakaten stehen lediglich Schlagworte. Tiefgehende Inhalte vermitteln Plakate nie.» Die Grünen orten aber auch bei Eingebürgerten ein Wählerpotenzial, wenn sie diese in ihrer Muttersprache ansprechen. «Ausserdem möchten wir damit nochmals unterstreichen, dass das Ausländerstimmrecht bei den Grünen schon lange ein Thema ist und auch weiter sein wird», sagt Rykart, die sich auch als Stadträtin dafür einsetzen würde, dass Menschen ohne Schweizer Pass, die schon länger in Zürich leben, wählen dürfen.

Positive Botschaft in anderen Sprachen

Die Zürcher Grünen sind nicht die erste Partei, welche in der Schweiz mit fremden Sprachen wirbt. So berichtete der «Blick» vor zwei Wochen über den Berner SVP-Jungpolitiker Nils Fiechter, der mit arabischen Wahlkampfinseraten für Aufsehen sorgte. Darauf zu sehen ist Fiechters Gesicht und auf Arabisch der Satz: «Wenn Ihnen die Scharia wichtiger als unsere Verfassung ist, verlassen Sie unser Land!» Gegen solche Haltungen wolle man ein Zeichen setzen, sagt Rykart. «Wir möchten zeigen, dass man auch positive Botschaften in anderen Sprachen verbreiten kann.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch