Grüne wollen Stadion-Werbetram stoppen

Das Fussballstadion ist noch nicht in trockenen Tüchern, schon lassen die VBZ ein Werbetram dafür durch die Stadt fahren. Das sei unzulässige Propaganda, finden die Grünen.

So soll das Projekt «Ensemble» auf dem Zürcher Hardturm künftig aussehen. Visualisierung: Nightnurse

So soll das Projekt «Ensemble» auf dem Zürcher Hardturm künftig aussehen. Visualisierung: Nightnurse

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«Wir laden Sie ein zu einer exklusiven Tramfahrt in die Zukunft», heisst es in der Einladung der Partner des Stadionprojekts «Ensemble» vielversprechend. Am kommenden Freitag findet der Rollout des neuesten VBZ-Werbetrams statt: des «Ensemble»-Cobra-Trams.

Hinter dem Projekt «Ensemble» stehen die Credit Suisse, die Baufirma HRS, die Fussballclubs FCZ und GC sowie die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich. Sie wollen auf dem Hardturm im Kreis 5 ein neues Fussballstadion mit 18'000 Plätzen bauen, dazu 174 gemeinnützige Wohnungen sowie zwei 137-Meter-Hochhäuser mit 570 Wohnungen.

«Danke sagen»

Das Volk hat dem 570-Millionen-Franken-Projekt im letzten November mit 53,8 Prozent Ja zugestimmt: «Mit dem Spezial-Cobra-Tram der VBZ wollen wir der Bevölkerung zeigen, was sie erwartet, und Danke sagen für die klare Zustimmung im letzten November», erklärt «Ensemble»-Sprecher Hans Klaus. Das «rollende Visitor-Center», das rund ein Jahr auf dem VBZ-Netz verkehrt, soll bei Fahrgästen auch etwas Vorfreude wecken, wie Klaus sagt.

Doch das Werbetram, das die Stadionbauer rund eine halbe Million Franken kostet, kommt nicht überall gut an. Die Grünen haben im Stadtparlament bereits eine dringliche schriftliche Anfrage mit Kritik an der Aktion eingereicht. Gemeinderat Markus Knauss spricht von unzulässiger Beeinflussung der politischen Meinungsbildung: «Es geht nicht an, dass Werbung für ein Projekt gemacht wird, das sich noch mitten in der politischen Diskussion befindet.»

Der private Gestaltungsplan Hardturmareal werde derzeit noch in der gemeinderätlichen Spezialkommission beraten, das Parlament selber werde ihn erst im Oktober behandeln. Bei einem Ja besteht laut Knauss die Möglichkeit eines Referendums.


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Polit-Werbung ausgeschlossen

Weiter kritisieren die Grünen, dass gemäss den allgemeinen Geschäftsbedingungen der VBZ Werbung politischer Natur auf Tramfahrzeugen ausgeschlossen sein sollte. «Was gedenkt der Stadtrat zu unternehmen, damit die VBZ als Teil der Stadtverwaltung, die der politischen Neutralität verpflichtet ist, nicht in unerlaubter Weise in eine politische Diskussion eingreift?», wollen sie deshalb wissen.

Für Knauss wirkt die Werbetram-Aktion, «als ob die CS nach der schlechten Presse, die sie nach dem Rausschmiss von Hunderten von Mieterinnen und Mietern im Brunaupark hat, wieder einmal ihr Image polieren will.» Allerdings komme einfach der Eindruck auf, dass die Ensemble-Promotoren «sich alles kaufen, sogar ein gutes Image».

«Vorwurf ist lächerlich»

«Ensemble»-Sprecher Hans Klaus weist die Kritik zurück. Von politischer Einflussnahme oder Propaganda könne keine Rede sein. «Dieser Vorwurf ist lächerlich. Offenbar haben einige Leute vergessen, dass es eine Volksabstimmung gegeben und das Volk deutlich Ja gesagt hat.»

Weiter weist er darauf hin, dass das Bauprojekt gerade auch viele grüne Anliegen aufnehme – etwa bei den Verkehrsfragen oder bei der Gestaltung des öffentlichen Raums. Ein Referendum gegen den Gestaltungsplan hält Klaus aus demokratiepolitischer Sicht für problematisch: «Das würde die Frage aufwerfen, ob und wieweit die Gegner die Resultate einer Volksabstimmung respektieren.»

«Ganz normaler Auftrag»

Für die VBZ handelt es sich beim «Ensemble»-Werbetram um einen «ganz normalen Auftrag», bei dem es nichts zu beanstanden gebe, wie Sprecher Oliver Obergfell sagt. Nach Ansicht der Verkehrsunternehmens wird das Tram hier nicht für politische Propaganda benutzt. «Die Stadion-Abstimmung ist erfolgt, das Stimmvolk hat Ja gesagt», sagt Obergfell. Vor der Volksabstimmung vom letzten November dagegen hätten die VBZ ein solches Werbetram nicht bewilligt.

Läuft alles nach Plan, könnte das Stadion frühestens auf die Saison 2022/23 eröffnet werden. Die Hochhäuser und die gemeinnützigen Wohnungen sollen etappiert ab 2023 fertiggestellt werden.

Erstellt: 10.09.2019, 15:16 Uhr

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