Günstige Zürcher Stadtwohnung für die Bundesrats-Schwester

Johann Schneider-Ammanns ältere Schwester ist Mieterin an der Schipfe 39. Die Wohnung hat sie vor 15 Jahren zu Sonderkonditionen erhalten.

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Das Schipfe-Quartier im Zürcher Kreis 1 erlangt zweifelhafte Berühmtheit. Schon mehrfach wurde bekannt, dass in den preiswerten städtischen Liegenschaften an bester Lage gutbetuchte Mieter wohnen. Unter ihnen auch die Headhunterin Anna Katharina Laederach, Schwester von Bundesrat Johann Schneider-Ammann, wie die Finanznewsseite «Inside Paradeplatz» am Dienstag schreibt.

Die 67-Jährige ist bereits seit September 2003 Mieterin einer Wohnung an der Schipfe 39. Im Jahr davor wurde Laederach Direktorin des städtischen Personalamts. Damals galt für die obersten Kader der Stadtverwaltung Wohnsitzpflicht in der Stadt Zürich. Damit ausgewiesene Fachleute trotz vergleichsweise niedrigem Lohn eine Kaderposition in der Stadtverwaltung annehmen, bot man ihnen als Ausgleich günstige städtische Wohnungen an.

Muss sie raus oder darf sie bleiben?

Laederach arbeitet längst nicht mehr für die Stadt Zürich, gemäss «Inside Paradeplatz» ist sie aber noch immer Mieterin der städtischen Wohnung. Und dies, obschon sie 287'000 Franken pro Jahr verdiene. Für die 2,5-Zimmer-Wohnung an der Limmat bezahlt die ältere Schwester von Bundesrat Schneider-Ammann laut Mietvertrag monatlich nur 1557 Franken brutto. Die neue städtische Mietverordnung sieht allerdings vor, dass künftig nur noch 15 Prozent aller Mieter städtischer Liegenschaften mehr als das sechsfache des Mietzinses verdienen dürfen.

Laederach lebt gemäss ihrem PR-Berater nicht mehr an der Schipfe 39. Sie habe die Wohnung untervermietet und dies der Stadt mitgeteilt. Die Immobilienverwaltung der Stadt Zürich widerspricht. Man habe keine Kenntnis von einer Untervermietung, sagt ein Sprecher des Amtes gegenüber «Inside Paradeplatz». Auch deute vor Ort nichts darauf hin, dass jemand anderes als Frau Laederach in der Wohnung lebe. Ob Laederach aufgrund der neuen Mietverordnung ohnehin ausziehen müsse, ist noch unklar.

CVP-Nationalrätin will nicht ausziehen

Weitere Schipfe-Mieter haben diesen Schritt bereits vollzogen. So Christina Schnell-Vögeli, Witwe des Promi-Zahnarzts John Schnell. Die Millionärin bezahlte für ihre Wohnung in einem anderen Haus an der Schipfe rund 1600 Franken pro Monat. Vor vier Jahren ist sie ausgezogen. Im selben Gebäudekomplex wohnt auch Kathy Riklin. Die CVP-Nationalrätin gibt die Schipfe noch immer als Postadresse an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.02.2018, 17:31 Uhr

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