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Gut, dass sie reden!

Eine Gruppe von ehemaligen Zürcher Stadträten mischt den Abstimmungskampf um den Rosengartentunnel auf – zum Glück.

MeinungMarisa Eggli
Die Alt-Stadträte bringen die Debatte um die Rosengarten-Lösung in Schwung. Foto: Keystone
Die Alt-Stadträte bringen die Debatte um die Rosengarten-Lösung in Schwung. Foto: Keystone

Eveline Widmer-Schlumpf, Christoph Blocher, Micheline Calmy-Rey und Pascal Couchepin, sie alle haben es getan. Sie haben geredet, wenn sie eigentlich hätten schweigen sollen.

Die einst mächtigen Frauen und Männer haben damit ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen: sich nach ihrem Amtsende aus dem Polit­geschäft herauszuhalten.

Meist äussern sich Ehemalige öffentlich, wenn ihnen eine Abstimmung oder ein Thema sehr am Herzen liegt. Calmy-Rey (SP) setzte sich für den EU-Beitritt ein, Couchepin (FDP) gegen die Energiestrategie. Fast immer folgte auf solche Interventionen eine heftige Debatte, auch über die Frage, ob sie das eigentlich dürfen.

Es zeigt die Bedeutung der Abstimmung für Zürich und die Wichtigkeit, gründlich darüber zu diskutieren.

In Zürich ist es selten, dass sich Alt-Stadträte zu Wort melden. Doch nun bricht eine Gruppe um Martin Waser (SP) das Tabu, ausgerechnet im wichtigen Abstimmungskampf um Rosengartentunnel und -tram. Das ist pikant – vor allem bei Waser und der Grünen Ruth Genner. Die beiden verärgern mit ihren Plädoyers für das gigantische Bauwerk bewusst ihre eigenen Parteien. SP und Grüne bekämpfen den neuen Rosengarten und fühlen sich von ihren einstigen Regierungsmitgliedern zu Recht vor den Kopf gestossen. Das unterscheidet ihre Aussagen von jenen der Alt-Bundes­räte, die sich meist hinter ihre Par­teien stellten.

Verständlich ist es trotzdem. Die ehemaligen Stadträte, die teils an der Rosengarten-Lösung mitgewirkt haben, springen in eine Lücke, die der aktuelle Stadtrat nicht füllen will. Dieser stellt sich zwar hinter den Milliardenbau, steckt mit seinem Entscheid aber offenbar so in der Bredouille, dass er sich aus dem Abstimmungskampf heraushalten will. An seiner Stelle bringen nun die Ehemaligen die Debatte in Schwung. Dass sie für den Rosengarten ihr Schweigen brechen, zeigt vor allem eins: die Bedeutung der Abstimmung für Zürich und die Wichtigkeit, gründlich darüber zu diskutieren.

Es ist gut, dass sie reden, wenn andere schweigen.

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