Gute Velowege helfen allen

Zürich müsste viel konsequenter in die Veloinfrastruktur investieren. Alles andere gefährdet Leben.

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Jeder, der regelmässig mit dem Velo unterwegs ist, kann es bestätigen: Wirklich sicher fährt es sich nur dort, wo sich Rad- und Autoverkehr nicht in die Quere kommen. Nun zeigt eine Studie, dass das nicht nur ein Gefühl ist. Während blosse Velostreifen die Sicherheit kaum verbessern, senken baulich klar abgetrennte Velowege das Unfallrisiko deutlich. Mehr noch: Auch die Gefahr für Kollisionen zwischen Autos sinkt, weil sich das gesamte Geschehen auf der Strasse beruhigt.

Das wäre Grund genug, konsequent in genau diese Art von Veloinfrastruktur zu investieren. Es gibt Städte, die tun das, etwa Kopenhagen. Mit Erfolg: Fast jeder zweite Pendler nimmt dort das Velo. Und Zürich? Nun ja, man würde schon gern. Aber: Der Platz.Der Autoverkehr. Die Hügel. Das Geld.

Bloss sind das alles Ausreden. Was fehlt, ist der politische Wille. Und das in einer Stadt, die sich ein ehrgeiziges Klimaziel gesetzt hat. Wobei vielleicht gerade das das Problem ist: Damit steht die Veloförderung im Ruf, ein Auswuchs grüner Verbotsideologie zu sein. Denn wer dem Velo Priorität einräumen will, muss dem Auto Platz wegnehmen. Und das klingt erst mal nach Stau und Chaos.

«Wenn schon der Umweltschutz nicht allen am Herzen liegt, so müsste es wenigstens die Sicherheit.»

Dabei zeigt die Praxis auch in Zürich, dass diese Angst grundlos ist. Als das Limmatquai und der Schöneichtunnel wegen Sanierungsarbeiten für Monate geschlossen wurden, verschwandein Teil des Autoverkehrs für immer. Umgekehrt gilt auch für Velowege, was für Strassen gilt: Mehr gut ausgebaute Infrastruktur lockt mehr Leute an.

Auch das macht Kopenhagen vor: Die Leute steigen nicht aufs Velo um, weil sie etwas für die Gesundheit oder fürs Klima tun wollen. Sondern weil man dank der guten Velorouten nicht nur sicher und bequem, sondern auch schneller und billiger unterwegs ist.

Vielleicht bringt die Studie nun für die Zürcher Velopolitik neue Argumente. Wenn schon der Umweltschutz nicht allen am Herzen liegt, so müsste es wenigstens die Sicherheit. Separate, durchgehende Velowege helfen allen, auch den Autofahrern. Wer hingegen den Veloanteil bloss mit ein paar – oft lückenhaften – aufgemalten Streifen steigern will, der gefährdet Leben.

Erstellt: 13.08.2019, 19:16 Uhr

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