Hässig, das war sie einmal

Nina Hüsser startete gut in den Wahlkampf. Der Juso-Kandidatin gelang es dann aber nicht, sich emotional in Szene zu setzen.

Will für die Juso in den Stadtrat: Die 23-jährige Nina Hüsser.

Will für die Juso in den Stadtrat: Die 23-jährige Nina Hüsser. Bild: PD

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Nina Hüsser pflegt einen souveränen Umgang mit der Chancenlosigkeit. Sie nimmt sie hin und fügt sich ihr. Die 23-Jährige ist verantwortlich für eine Premiere: Noch nie haben die Juso für den Stadtrat kandidiert. Die Co-Präsidentin der kantonalen Juso trat im Wahlkampf leider recht leise auf. Weshalb bloss?

Der Start war verheissungsvoll. Vor der internen Ausmarchung Ende August 2017, die Hüsser dann gegen Lewin Lempert gewann, stellte sie ein Video ins Internet. Es ist ein bisschen lärmig, mitten in der Stadt gedreht. Hüssers Stimme geht darin fast unter.

Was sie zu sagen hat, verspricht jedoch einen lebendigen Wahlkampf. Denn statt zu loben, wie fantastisch Zürich unter Rot-Grün schon ist, zählte sie in dem Video auf, was sie «hässig macht»: dass in Zürich Frauen im Alter immer noch arm sind, weil sie sich ihr Leben lang um Haushalt und Kinder gekümmert haben. Dass in Zürich Demokratie nichts anderes heisst, als dass eine privilegierte Gruppe von Leuten ein paarmal im Jahr abstimmen gehen darf. Dass in Zürich Antworten auf die Digitalisierung und die technischen Fortschritt fehlen.

Hüsser, die sich für ein feministischeres, demokratischeres und antikapitalistisches Zürich starkmachen will, zitierte im «Tagblatt» die US-Bürgerrechtlerin Angela Davis, um ihre Motivation für die Kandidatur zu begründen: «Ich akzeptiere nicht länger die Dinge, die ich nicht ändern kann. Ich ändere die Dinge, die ich nicht akzeptieren kann.» Für sie gelte das auch «im offenen Zürich von 2018» noch.

Die Frage mit der politischen Erfahrung

Dann wurde es einen ganzen Wahlkampf lang still um Nina Hüsser. Weder in den traditionellen noch in den sozialen Medien trat sie als hässige junge Politikerin auf. Sie hätte sicher etwas zu sagen, etwa zur Schieflage der Stadtspitäler. Aber sie blieb nach dem Rückzug Claudia Nielsens (SP) still. Diese Woche hatte sie immerhin einen Auftritt: Sie engagiert sich im Komitee für die Abschaffung des Schiffsfünflibers, war bei der Pressekonferenz auf einem Schiff diese Woche präsent.

Wie schade ihr Verstummen ist, zeigt ein aktueller Beitrag des «Regionaljournals» von SRF: Nina Hüsser ist eine eloquente Rednerin, die gut argumentiert, sich gut verkauft und einen feinen Sinn für Humor hat. Die Frage nach der politischen Erfahrung sei falsch gestellt, findet Hüsser. «Warum pochen wir so auf diese Erfahrung?» Filippo Leutenegger zum Beispiel habe jahrelange Erfahrung, und doch hielten seine Sonnenschirme nicht. Es gehe bei einer Stadtratswahl vielmehr darum, die Bevölkerung ausgewogen zu vertreten. Und vor allem: «Es braucht nicht Erfahrung, es braucht Mut und gute Ideen.»

Erstellt: 17.02.2018, 16:05 Uhr

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