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Handarbeit: Mehr Protest – keine Lösung in Sicht

Der Protest gegen zwei weitere Handarbeitslektionen in der Mittelstufe zieht immer grössere Kreise. Dabei lassen sich die Interessen aller Beteiligten kaum unter einen Hut bringen.

Eine Lehrerin hilft einem Jungen bei der Handarbeit.
Eine Lehrerin hilft einem Jungen bei der Handarbeit.
Keystone

Die Bildungsdirektion solle die Einführung der zwei zusätzlichen Handarbeitslektionen für Fünft- und Sechstklässler verschieben – das verlangt das Schulkapitel des Bezirks Pfäffikon. Bereits vor einer Woche gab die Horgner Schulpflege bekannt, sie werde die beiden Lektionen vorerst nicht einführen; das Schulkapitel des Bezirks Affoltern will sich dem Horgner Boykott anschliessen. Protest kommt auch aus dem Zürcher Lehrerverband und vom Schulpräsidentenverband.

Derzeit haben die Fünft- und Sechstklässler im Kanton Zürich 28 Lektionen pro Woche, zwei davon sind Handarbeit. Diese werden in der Halbklasse erteilt: Während die eine Hälfte der Klasse zwei Stunden Handarbeit hat, hat die andere Mathematik- oder Sprachlektionen. Welche Fächer die Schulen in der Halbklasse unterrichten, schreibt die Bildungsdirektion nicht vor; vorgegeben ist nur, dass mindestens vier Lektionen in der Halbklasse unterrichtet werden müssen.

Ab kommendem Sommer haben die Fünft- und Sechstklässler neu vier Handarbeitslektionen. Der Streit zwischen Lehrerschaft und Bildungsdirektion dreht sich um die Frage, wie diese Lektionen erteilt werden sollen. Eine Lösung, welche die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt, dürfte schwer zu finden sein.

Die Bildungsdirektion hat den Stellenplan der Schulen nur um so viele Prozente aufgestockt, wie für die Erteilung von zwei zusätzlichen Lektionen nötig sind. Um alle vier Handarbeitslektionen und wie bisher zwei Lektionen in Sprache und Mathematik in der Halbklasse unterrichten zu können, wären zusätzliche Stellenprozente für vier statt nur zwei Lektionen nötig. Das ist dem Kanton zu teuer: Die Mehrkosten würden zehn Millionen Franken betragen, davon müsste der Kanton gut drei Millionen tragen.

Für die Handarbeitslehrerinnen kommt ein Handarbeitsunterricht in der ganzen Klasse nicht in Frage. Die Infrastruktur in den Arbeitsräumen ist in der Regel auf höchstens 14 Kinder ausgerichtet. Ein Teil des Unterrichts müsste demnach als Theorie im Klassenzimmer stattfinden.

Die Klassenlehrer wollen ebenfalls nicht auf Halbklassenunterricht verzichten. Einerseits, weil sie in diesen Lektionen individueller auf die Kinder eingehen können. Anderseits würden sie mit dem Verzicht auf Halbklassenunterricht zwei Lektionen verlieren – mit entsprechenden Folgen für den Lohn.

Für die Schulen sind alle Varianten unbefriedigend. Entscheiden sie sich auf Kosten des Halbklassenunterrichts in anderen Fächern für vier Handarbeitslektionen in der Halbklasse, bräuchte es zwei Handarbeitslehrerinnen pro Klasse, weil sich diese Lektionen nur im Stundenplan unterbringen lassen, wenn sie gleichzeitig stattfinden – aber Handarbeitslehrerinnen sind rar. Werden zwei Handarbeitslektionen in der ganzen Klasse unterrichtet, müssten entweder Werkräume vergrössert oder Handarbeit zur Hälfte als Theoriefach unterrichtet werden. Wollen die Schulen weder in der Handarbeit noch in anderen Fächern auf den Halbklassenunterricht verzichten, müssen sie am Stellenplan schräubeln und anderswo Abstriche machen, beispielsweise indem sie alle Klassen vergrössern oder auf Spezialprojekte verzichten.

Das Wochenpensum der Schüler steigt mit den zusätzlichen Handarbeitsstunden so oder so auf 30 Lektionen. Dazu kommen vier bis fünf Stunden Hausaufgaben. Für die Schulen ist das ein gewichtiges Argument gegen die Weisung der Bildungsdirektion: Wenn die Stundenzahl schon steige, dann solle auch die Qualität möglichst hoch sein.

Die Bildungsdirektion wollte gestern zu der Ausweitung des Protests keine Stellung beziehen; Bildungdirektorin Regine Aeppli (SP) will morgen Donnerstag informieren. Klar ist: Sollte eine Gemeinde wirklich zum Boykott greifen, drohen ihr Sanktionen. Der Kanton könnte ihr nicht nur finanzielle Mittel kürzen, sondern sie schlimmstenfalls sogar unter Zwangsverwaltung stellen.

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