Happy End für sechs Zürcher Turmfalken

In der Greifvogelstation Berg am Irchel sind sechs junge Turmfalken aus der Stadt Zürich ausgewildert worden.

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Die jungen Turmfalken waren in einer Nisthilfe auf dem Hochkamin der Kehrichtverwertungsanlagen (KVA) Josefstrasse im Zürcher Stadtkreis 5 von ihren Eltern aufgezogen worden. Über eine im Brutkasten installierte Webcam konnten Interessierte das Leben der Zürcher Falken verfolgen. Dabei stellten die Zuschauer fest, dass während eines Wochenendes die Eltern nicht mehr auftauchten, und informierten Grün Stadt Zürich.

Da den Jungen der Hungertod drohte, entschieden die Verantwortlichen, die sechs Küken der Greifvogelstation Berg am Irchel zu übergeben. Am 13. Juni kletterte ein Wildhüter auf den Kamin zum Brutkasten und konnte vier der Vögel einfangen. Zwei der Küken sprangen aus dem Nest. Sie wurden einige Tage später von Mitarbeitern von Entsorgung + Recycling Zürich entdeckt und ebenfalls nach Berg am Irchel transportiert.

Jungvögel zu früh «gerettet»

Die Überraschung folgte noch am gleichen Tag, als die beiden Altvögel plötzlich wieder im leeren Nest mittels der Webcam beobachtet wurden. An ein Zurückbringen der Küken war nicht mehr zu denken – sie hätten aus dem Nest springen, oder die Eltern hätten sie nicht mehr annehmen können. «Im Nachhinein bereuen die Verantwortlichen den Entscheid sehr, die Jungen zu früh ‹gerettet› zu haben», sagt Marc Werlen, Leiter Kommunikation von Grün Stadt Zürich. Man habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und letztlich zähle, dass alle Tiere wohlauf sind.

In der Zwischenzeit sind die Turmfalkenküken in der Greifvogelstation erfolgreich aufgepäppelt worden. «Sie sind alle topfit und normal gross», sagt der Leiter Andreas Lischke. Sie seien ausgewachsen und deshalb am 14. Juli ausgewildert worden: «Wir haben sie direkt bei der Station in die Freiheit gelassen.» Lischke hat drei der Vögel wiedergesehen, wie sie im Umfeld der Station herumflogen. Die Turmfalken würden nun neue Reviere suchen. Neben den sechs Zürcher Turmfalken sind noch zwei weitere Jungvögel ausgewildert worden, die ebenfalls in der Greifvogelstation aufgepäppelt wurden.

Früher brüteten dort Wanderfalken

Der Brutkasten mit Videokamera auf dem Hochkamin an der Josefstrasse hatte vor einigen Jahren traurige Berühmtheit erlangt, als dort vor laufender Kamera ein Weibchen eines streng geschützten Wanderfalken starb. Der Vogel hatte eine – von Taubenzüchtern – mit Gift auf dem Gefieder versehene Taube gefangen und sich beim Rupfen der Beute selber vergiftet. Seitdem brütet der Wanderfalke nicht mehr auf dem Hochkamin, Turmfalken haben nun den Brutkasten bezogen.

Habichtskäuze für den Wienerwald

Neben den Turmfalken konnte die Greifvogelstation noch zwei weitere Jungvögel in die Freiheit entlassen. Es handelt sich dabei um zwei junge Habichtskäuze, welche im Rahmen eines wissenschaftlichen Programms gezüchtet werden. Eine Premiere, zum ersten Mal sind in der Greifvogelstation Habichtskäuze geschlüpft. Die beiden rund 60 Tage alten Küken sind Anfang Juli im Wienerwald freigelassen worden.

Die Aktion wird vom österreichischen Habichtskauz-Wiederansiedlungsprojekt koordiniert, mit dem die Greifvogelstation zusammenarbeitet. In der Schweiz kam und kommt der Habichtskauz laut gängiger Lehre nicht vor. Lischke macht dahinter aber ein Fragezeichen: Im 16. Jahrhundert sei diese Art im Schwarzwald vorgekommen, es sei naheliegend, dass sie damals auch in der Schweiz gebrütet habe.

Hier geht es zur Falkennest-Aussenkamera. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.08.2017, 17:22 Uhr

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