Hashtag Pechvogel: Wenn die Feuerwehr für Tiere ausrückt

Von der Schleiereule bis zur Entenfamilie präsentiert die Zürcher Feuerwehr Tierrettungen prominent in den sozialen Medien. Das hat Kalkül.

Die – dank der Zürcher Berufsfeuerwehr – gerettete Schleiereule wird in die Freiheit entlassen.

Die – dank der Zürcher Berufsfeuerwehr – gerettete Schleiereule wird in die Freiheit entlassen. Bild: PD

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Es war ein rührender Tweet, den Schutz & Rettung Zürich diese Woche verschickt hat: «Tierischer Einsatz: Die Berufsfeuerwehr rettete diese Schleiereule aus einem Kamin.» Dazu das Bild eines Feuerwehrmannes, der – in Anbetracht der scharfen Krallen mit Brandschutzhandschuhen ausgerüstet – den niedlichen Vogel nach seiner Bergung in die Freiheit ausschwärmen lässt.

Die Vogelwarte Sempach twitterte umgehend zurück: «Vielen Dank für das grosse Engagement für diese Schleiereule!» Zahlreiche weitere Freundinnen und Freunde des gefiederten Tiers likten, jubilierten und applaudierten.

Gewiss, Zürichs Feuerwehrleute sind in erster Linie da, um Flammen zu löschen. Aber das Pflichtenheft reicht weit über die Brandbekämpfung hinaus. Laut Sprecher Ivo Bähni ist der Auftrag von Schutz & Rettung Zürich umfassend – nämlich: «Wir schützen und retten Menschen, Tiere, Sachwerte und die Umwelt – rund um die Uhr.»

Hashtag Pechvogel

In Zahlen: 2018 musste die Feuerwehr 283 mal wegen eines tierischen Alarms ausrücken – dabei kann es um Tiere gehen, die sich in eine missliche Lage gebracht haben. Oder um Insektenschwärme an einem unpassenden Ort. Die Mitarbeiter von Feuerwehr und Sanität seien geschult im Umgang mit Tieren, erklärt Bähni. Dieser sei Teil der Ausbildung und später auch Thema von Weiterbildungen. Bei anspruchsvolleren Angelegenheiten würden Reptilien-, Hunde- oder Grosstier-Fachleute beigezogen. Auch punkto Ausrüstung, so der Sprecher, sei die Feuerwehr auf Tiereinsätze vorbereitet.

Dass Interventionen zum Wohl der heimischen Fauna den ohnehin beträchtlichen Goodwill, den Feuerwehrleute geniessen, noch arrondieren, kommt als willkommener Nebeneffekt hinzu. Tatsächlich gehen die von Schutz & Rettung vermeldeten Einsätze in tierischer Mission direkt ans Herz: die verletzte Fledermaus, die von den Rettungssanitätern zur Auffangstation des Zoos gebracht wurde. Der Mauersegler, der sich in einer Dachöffnung verfangen hatte und mit der Stützleiter befreit werden musste (Hashtag Pechvogel). Die Entenfamilie, die gerettet werden musste, weil die Mutter ihre Eier an einem ungünstigen Ort ausgebrütet hatte: hinter einem Gitter im fünften Stock. Die Meldung dazu: «Die Küken wurden von Hand eingesammelt und im Zürichsee ausgesetzt. Ente gut, alles gut.»

Und dann die Bienen: Sie sind die mit Abstand häufigsten tierischen Kunden von Schutz & Rettung. Allein in diesem Jahr musste die städtische Berufsfeuerwehr bereits 250-mal wegen Bienen ausrücken. Es seien 119 Schwärme eingefangen und an Imker weitervermittelt worden, so Bähni. Ein Schwarm hat sich dabei einen ganz besonderen Ort als Temporär-Domizil ausgesucht: den Sattel eines Spitex-E-Bikes. Auch dieses Bild findet sich im Twitter-Kanal von Schutz & Rettung.

Und wer bezahlt die Rettungsaktionen im Tierreich? Falls es eine solche gebe, sei der Besitzer des Tiers verantwortlich, sagt Schutz-&-Rettung-Sprecher Bähni. Bei Fledermaus, Mauersegler oder Entenfamilie dürfte es schwierig sein, eine Rechnungsadresse zu finden.

Erstellt: 13.09.2019, 12:07 Uhr

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