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Und dann wird die Taube zur hochgiftigen Falle

Ein Zeichen an die Taubenzüchter-Szene soll das Urteil sein, welches das Zürcher Obergericht gefällt hat.

Prominenter Fall aus dem Jahr 2011: Ein Wanderfalke starb nach dem Verzehr einer vergifteten Taube im Kreis 5. Video: Youtube/Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz (9.5.2011)

Der Verteidiger zog vom Leder: Was da in der Anklageschrift stehe, seien «haltlose Behauptungen». Mit «bösen Geschichten aus dem Internet» und mit einem «untauglichen Gutachten» eines für die zentralen Fragen des Prozesses nicht qualifizierten Fachmanns sei eine Anklage konstruiert worden. Er wolle der Frau Staatsanwältin durchaus «edle Motive» zugutehalten, aber: «Hier wird etwas aufgebauscht.»

Stunden später kam die Retourkutsche – vom Obergericht während der Urteilseröffnung. Das meiste, was der Verteidiger vorgebracht habe, «geht an der Sache vorbei». Die Kritik am Gutachten und Gutachter sei eine Ansammlung von «Allgemeinplätzen, Rundumschlägen, polemisch, nicht fundiert». Und auch der Beschuldigte, ein 37-jähriger Kosovare aus dem Zürcher Unterland, bekam sein Fett weg: Sein Verhalten vor Gericht taxierte das Gericht als «Frechheit, Anmassung, Selbstherrlichkeit».

Schlüssige Indizienkette

Ein Polizist hatte im März 2016 beobachtet, wie eine Taube, deren Rückenfedern rot verfärbt und – wie sich später herausstellte – mit dem hochgiftigen Carbofuran bestrichen waren, in den Taubenschlag des 37-Jährigen fliegen wollte. Dem Züchter, der damals 72 Tauben hielt, wurde vorgeworfen, er habe das Tier mit dem Gift präpariert oder präparieren lassen. Er soll dafür gesorgt haben, dass das Tier nicht mehr in den Schlag zurückfliegen konnte.

Das Ziel sei es gewesen, dass die Taube von einem Greifvogel – Wanderfalke, Habicht oder Sperber – geschlagen und dieser dann an seiner natürlichen Nahrung zugrunde gehen würde. Der Hintergrund: Der 37-Jährige nimmt mit seinen Tauben an Wettkämpfen teil, bei denen jener gewinnt, dessen Tauben am längsten in der Luft bleiben. Die geschützten, ja teilweise bedrohten Greifvögel stören die Wettflüge.

Der Mann, der seit dreizehn Jahren Tauben züchtet, bestritt, dass es sich beim vergifteten Tier um seine Taube gehandelt habe. Auch der Giftstoff Carbofuran sei bei ihm nicht gefunden worden. Doch was die Staatsanwältin als «schlüssige und erdrückende Beweisund Indizienkette» bezeichnete, überzeugte auch das Obergericht. Im Ergebnis gab es keinen Zweifel, dass das Tier aus dem Taubenschlag des 37-Jährigen stammte und er für die Vergiftung des Tieres verantwortlich war.

Das Obergericht sprach von einem «heimtückischen Vergiften» und einem «niederträchtigen Vorgehen». Es bestätigte die Schuldsprüche des Bezirksgerichts Bülach, erhöhte aber die Strafe deutlich – von 300 Tagessätzen Geldstrafe bedingt auf eine bedingte Freiheitsstrafe von fünfzehn Monaten. Die unbedingte Busse von 1500 Franken wurde bestätigt. «Wir hoffen, dass das Urteil in der Szene Beachtung findet», sagte ein Oberrichter.

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