Herkules im ERZ-Sumpf

PUK-Präsident Markus Merki (GLP) soll klären, wer für das Schlamassel bei Entsorgung und Recyling Zürich verantwortlich ist.

Der grünliberale Gemeinderat Markus Merki sieht seinen neuen Job als «Herausforderung». Foto: PD

Der grünliberale Gemeinderat Markus Merki sieht seinen neuen Job als «Herausforderung». Foto: PD

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Es war eine klare Sache am Mittwoch im Gemeinderat: Im ersten Wahlgang wurde Markus Merki, der 40-jährige Grünliberale aus Zürich-Nord, mit 70 Stimmen zum Präsidenten der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) gewählt, welche die Vorkommnisse bei Entsorgung und Recyling Zürich (ERZ) untersuchen soll. Auf seine Gegenkandidatin, die Bezirksratsschreiberin Karin Weyermann (CVP), entfielen lediglich 45 Stimmen.

Nun wartet auf den politischen Newcomer, der seit gut drei Jahren im Parlament sitzt, eine Herkulesaufgabe. Er muss nicht nur eine 17-köpfige politisch heterogene Kommission präsidieren, sondern mit diesen Leuten auch herausfinden, wie bei ERZ jahrelang haarsträubende Verfehlungen passieren konnten und wer dafür die politische Verantwortung übernehmen muss. Es geht um Vertuschung, ungetreue Buchführung, geheime Kassen und umstrittene Anschaffungen. Im Fokus stehen die Ex-Stadträte Kathrin Martelli (FDP), Martin Waser (SP), Ruth Genner (Grüne) und Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP).

Solid und dossierfest

Merki sieht seinen neuen Job als «Herausforderung». Als Nichtjuristen reize ihn die hochkomplexe Geschichte, sagte er gestern auf Anfrage. Reizvoll ist dies für Merki, weil er als Bauingenieur das Submissionsrecht und das Beschaffungswesen genau kennt, einfach von der anderen Seite, von der Seite der Bewerber aus. Unter anderen hat er Strassenbauprojekte im Auftrag des Bundes geleitet, und derzeit arbeitet er für die Stadt ­Zürich an der Tramverbindung Hardbrücke. Dieses Praxiswissen hat den Grossteil des Stadtparlamentes überzeugt. «Als solider und dossierfester Gemeinderat ist Merki prädestiniert für diese Aufgabe», sagt etwa SP-Fraktionschef Davy Graf.

Prädestiniert ist Merki auch, weil er als Repräsentant einer Nichtregierungspartei ohne Vorbelastung an die Sache herangehen kann. Politisch interessiert ist Merki schon lange. In den Nullerjahren war er hin- und hergerissen zwischen FDP, CVP und Grünen. Als dann die Grünliberale Partei entstand, stieg er aktiv in die Poltik ein und gründete mit anderen die GLP-Kreispartei 11/12.

Unterdessen sitzt Merki im Stadtparlament. Dort ist er in den Debatten bisher nicht aufgefallen, gilt eher als Schaffer im Hintergrund. Allerdings wird ihm nicht nur von Graf Zuverlässigkeit und die Fähigkeit fürs analytische Denken ­attestiert. Auch FDP-Stadtparteipräsident Severin Pflüger, der für Weyermann gestimmt hat, sagt: «Markus Merki ist gewissenhaft und bringt mit seinen Kenntnissen in Baukostenkontrolle nützliches Know-how mit.»

Vom Schreiner zum Ingenieur

Markus Merki ist ein Vorzeigebeispiel des schweizerischen Berufsbildungssystems. Zuerst hat er eine Lehre als Schreiner absolviert, dann die Berufsmatura gemacht und schliesslich studiert. Unterdessen ist er Bau- und Wirtschaftsingenieur, hat auch schon auf Baustellen gearbeitet und dort multikulturelle Gruppen geführt. Dabei war oft diplomatisches Geschick nötig, etwa wenn Arbeiter aufeinandertrafen, deren Heimatländer verfeindet waren. Diese Erfahrung könnte ihm bei der Führung der PUK nützlich sein.

Merki gibt sich zuversichtlich: «Auch wenn wir politisch unterschiedlicher Meinung sind: Wir haben ein gemeinsames Ziel: die Wahrheit über die Vorgänge in ERZ herauszufinden.»

Damit er seinen neuen 40- bis 50-Prozent-Job bewältigen kann, wird er sein Arbeitspensum entsprechend reduzieren. Auch seine Partnerin und seine zwei kleinen Kinder werden in den nächsten anderthalb Jahren mehr auf ihn verzichten müssen. Und auch in der alternativen Fussballliga wird man «Holzfäller-Kicker» Markus Merki womöglich etwas seltener antreffen.

Am Opernball in Wien debütiert

Eines will Merki trotz PUK aber weiterhin tun: Debütanten für den Zürcher Opernball unterrichten. Wie gut Merki darin ist, weiss unter anderen FDP-Kollege Severin Pflüger. Denn er ist nicht nur mit Merki eine Woche lang durch Wien gezogen, er hat mit ihm am dortigen Opernball auch debütiert und dabei gemerkt: «Markus ist ein sehr guter Tänzer, auf jeden Fall besser als ich.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2017, 21:05 Uhr

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