Hierhin ziehen 80'000 Menschen in Zürich

Neue Zahlen zeigen, welche Quartiere in den nächsten 15 Jahren am meisten wachsen.

Zürich wächst überall – auch hier in Höngg. Foto: Urs Jaudas

Zürich wächst überall – auch hier in Höngg. Foto: Urs Jaudas

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416'600 Einwohner zählte die Stadt Zürich Ende November, fast 6000 mehr als Anfang Jahr. Und über 60'000 mehr als 1989, dem Jahr des Tiefststandes und der Stadtflucht. 416'600 Einwohner sieht nach enormem Wachstum aus, doch es ist nur der Anfang, wenn man die Prognosen ernst nimmt.

Statistik Stadt Zürich, früher bekannt als Statistisches Amt, hat drei Szenarien berechnet für die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2030. Maximal wird Zürich in 14 Jahren 519'600 Einwohner haben, minimal 469'800. Diese zwei Szenarien zeigen die Bandbreite der möglichen Entwicklung, während die mittlere Variante als die wahrscheinlichste gilt: 494'700 – 78'000 mehr als heute. Der Ausländeranteil beträgt knapp 32 Prozent, etwa gleich viel wie in der Gegenwart.

Wo sollen diese vielen Menschen Unterschlupf finden? Wo sollen die Wohnungen gebaut werden, hat die Stadt doch kaum mehr leeres Bauland und sind die Grünflächen weitgehend tabu? Verdichtung heisst der Mechanismus, der für Zuzugswillige der Schlüssel zur Stadt ist, aber alteingesessene Quartierbewohner erschauern lässt. «Dichter» heisst der Leitfaden des Hochbaudepartementes für die Verdichtung Zürichs. Dichter bedeutet in erster Linie höher. Nicht alle Stadtteile eignen sich dafür gleichermassen. An den begrünten, von überall her sichtbaren Hanglagen darf weniger verdichtet werden als in der Ebene. Dort wiederum geniessen die Blockrandsiedlungen in den Stadtkreisen 4 und 5 besonderen Schutz.

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Zürich wächst nochmals kräftig. Das ist ...




Zum Verdichten eignen sich Gebiete mit unterschiedlicher Überbauungsstruktur wie Teile von Altstetten und Leimbach, das Letziquartier, Manegg, Binz und vor allem Zürich-Nord. Die meisten dieser Gebiete sind Wohnzonen mit zwei- und dreigeschossigen Häusern. Wie es aussieht, wenn in solchen Gebieten plötzlich sechs- und siebengeschossig gebaut wird, zeigt die städtische Siedlung Rautistrasse, gegen die sich die Nachbarn jahrelang erfolglos gewehrt haben.

Grosser Zuwachs in den Kreisen 11 und 12

Dem Quartier Hirzenbach in Schwamendingen sagt Statistik Stadt Zürich mit knapp 56 Prozent das proportional stärkste Wachstum voraus: von heute 11'900 Einwohnern auf 18'600 im Jahr 2030. Im Gebiet Saatlen im Stadtkreis 12 sind es 43 Prozent, in Seebach 37 Prozent. In Einwohnern gerechnet wächst Seebach von 25'000 auf 34'400. Kaum Verdichtung gibt es dagegen in der Altstadt, mit 5 und 6 Prozent nur wenig in den Quartieren Gewerbeschule (Limmatstrasse) und Werd. Auch die Hanglagen von Hottingen, Oberstrass und Friesenberg dürften sich in der Bebauungsstruktur nur wenig verändern.

Derzeit erarbeitet das Amt für Städtebau den kommunalen Richtplan Siedlung. Er wird aufzeigen, wo genau und mit welchen Mitteln verdichtet werden soll. Geplant ist, den Entwurf Mitte 2017 öffentlich aufzulegen und ihn Anfang 2018 vom Gemeinderat beraten zu lassen, worauf er der kantonalen Baudirektion zur Genehmigung vorgelegt wird.

Als ob Verdichtung wegen unwilliger Bauherren, rekurrierender Nachbarn und kommunaler Denkmalpflege nicht schon heikel genüg wäre, hat sich im letzten Mai eine weitere Schwierigkeit aufgetan: das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder Isos. Es hält die halbe Stadt mehr oder weniger für erhaltenswert, wenn nicht einzelne Bauten, dann Überbauungsstrukturen.

Dazu zählen auch die Genossenschaftssiedlungen in Zürich-Nord, insbesondere Hirzenbach, wo die Statistiker ja das grösste Bevölkerungswachsrum vorhersagen. Hirzenbach ist geprägt von Zeilenbauten mit viel Grünraum dazwischen, Beispiele der sogenannten Gartenstadt, konzipiert in den 1940er-Jahren vom damaligen Stadtbaumeister Albert Heinrich Steiner. Mit dem Wechsel von hohen und niedrigen Wohnbauten und dem grosszügigen Grün dazwischen sollte ein Kontrast zur dicht bebauten Innenstadt geschaffen werden – also das Gegenteil von Verdichtung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.12.2016, 23:05 Uhr

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