Hiltl zieht sich aus dem Zürcher Nachtleben zurück

Gastronom Rolf Hiltl macht mit seinen jüngsten drei Party-Projekten eine Pause.

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Eigentlich ist der Gastronom Rolf Hiltl für seine vegetarischen Restaurants bekannt. Im Laufe seiner Karriere zog es ihn aber ins Zürcher Nachtleben. Den Hiltl-Club an der St. Annagasse eröffnete er vor über zehn Jahren. Ab 2017 baute er mit der Perle an der Langstrasse, dem Sihlpostclub an der Europaallee und den Partys auf der Hiltl-Dachterrasse im Kreis 1 sein Nachtleben- und Partyangebot aus.

Doch wie Hiltl auf Anfrage bestätigt, macht er mit seinen drei jüngsten Party-Projekten eine Pause. So finden diesen Sommer keine Dachterrassen-Partys statt, und der Sihlpostclub geht ab April in eine lange Sommerpause. Ob der Club im Herbst wieder aufgeht, ist unklar.

Umbau-Aufwand zu gross

Auch das Konzept im Club Perle an der Langstrasse ändert sich. Gewisse Labels werden durch bisherige Veranstalter eigenständig weitergeführt, und der Club wird als Event-Location vermietet.

Wie der Gastronom erklärt, liegen die Gründe für den Rückzug nicht im mangelnden Erfolg: «Der Sihlpostclub lief samstags sehr gut, und auch die Dachterrassen-Partys waren äusserst beliebt.» Der Aufwand, das Restaurant jedes Mal in einen Club zu verwandeln, sei aber riesig. Es sei aber gut möglich, dass man übernächsten Sommer wieder Dachterrassen-Partys durchführen werde.

St. Annagasse bleibt

Hiltl möchte sich nun wieder intensiver auf seinen Club an der St. Annagasse konzentrieren: «Im Hiltl Club werden wir wie bis jetzt unsere erfolgreichen Partys veranstalten.»

Zudem wird er weiterhin mit dem Hive das Partylabel Rakete in der Badi Mythenquai durchführen: «Wir fokussieren uns dieses Jahr voll und ganz auf diese Locations und unsere vegetarischen und veganen Gastronomieangebote.»

Vorwürfe an Hiltl

In der Nachtlebenszene kommt Hiltls Entscheidung nicht gut an. Der Vorwurf eines Insiders: Der Gastronom sehe das Nachtleben nur als Goldesel und nicht als kulturellen Mehrwert. Er habe seine Restaurants zu Clubs umfunktioniert, solange er profitieren konnte, Veranstalter hätten geholfen, die Locations aufzubauen –und nun laufe es ein bisschen schlechter, und Hiltl beende gleich alle Projekte.

Alexander Bücheli, Mediensprecher der Zürcher Bar- und Clubkommission, sieht das etwas anders: «Das ist ein firmeninterner Geschäftsentscheid, den ich nicht kommentieren möchte.» Dass das Nachtleben nicht einfach ist, sei aber kein Geheimnis: «Vor 20 Jahren war es einfacher, einen Club zu führen.»

Kosten viel höher als früher

Heute seien die Kosten viel höher und die Partygäste anspruchsvoller: «Die Leute wollen guten Service, Topmusik und bekannte DJs. Die Künstler verlangen aber höhere Gagen für ihre Auftritte, weil sie keine Musik mehr verkaufen.»

Zudem würden die Gäste weniger konsumieren: «Oft trinken sie schon, bevor sie in den Club kommen.» Der Kostendruck führe dazu, dass man sich keine schlechten Abende mehr leisten könne: «Sie zahlen hohe Monatsmieten, haben aber nur an zwei Tagen die Woche offen.»

(Übernommen von «20 Minuten», bearbeitet von Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.03.2019, 08:56 Uhr

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