Hitzköpfe kapern die Klimabewegung

Die illegalen Besetzungen in Bern, Basel und Zürich lenken von den eigentlichen Zielen ab.

Illegale Aktion: Zürcher Stadtpolizisten führen die Protestierenden vor dem CS-Hauptgebäude ab. Foto: Ennio Leanza, Keystone

Illegale Aktion: Zürcher Stadtpolizisten führen die Protestierenden vor dem CS-Hauptgebäude ab. Foto: Ennio Leanza, Keystone

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Es sind Szenen einer zunehmenden Radikalisierung. In Basel versperrten am Montag Dutzende Personen den Zugang zur UBS-Zentrale am Aeschen­platz, in Zürich war der Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz Ziel einer Blockade. Vorläufige Bilanz: Ein Grossaufgebot der Polizei musste am Nachmittag in Basel den Bankeingang räumen und hat eine Handvoll Aktivisten festgenommen, in Zürich wurden 64 Personen abgeführt. Ihnen werden Hausfriedensbruch und Nötigung vorgeworfen.

Die Klimabewegung, die von einem schwedischen Mädchen mit dunkelblonden Zöpfen ausging, hat damit nicht nur verbal eine neue Stufe der Aggressivität erreicht, sondern auch mit – illegalen – Taten. Angekündigt hatte sich die Eskalation schon Anfang Juni, als im Namen des Klimas Dutzende Personen den Zugang zum Bundeshaus versperrten.

So erreichen diese Aktivistinnen und Aktivsten nur eines: Es wird nicht mehr über Klimapolitik diskutiert, sondern über die Illegalität ihrer Proteste.

Dabei ist aber nicht ganz klar, in welchem Verhältnis eigentlich Greta Thunbergs Klimakinder zu den Blockiererinnen und Besetzern stehen. Offenbar ist ein Teil der Festgenommenen für die Aktion eigens aus dem Ausland angereist, und die meisten dürften auch einiges älter sein als die typischen Klimajugendlichen.

Vieles spricht also dafür, dass die Radikalisierung von Leuten ausgeht, die sich rittlings auf die echte Sorge und den tief empfundenen Idealismus der Generation Greta setzen, um ihre radikalen Vorstellungen von Klimapolitik und Kapitalismuskritik zu verwirklichen. Es wäre dann wie so oft in der Geschichte von Protestbewegungen: Mit der Radikalisierung verlieren sie ihre eigentlichen Ziele aus den Augen.

Doch selbst wenn man auch diesen Hitzköpfen zugesteht, dass es ihnen im Grunde allein ums Klima geht, ist klar: Mit illegaler «Action» vor den Banken und dem Bundeshaus erreichen sie das Gegenteil davon, worum es der Klimajugend mit ihren friedfertigen Demonstrationen geht. Diskutiert wird dann eben nicht mehr über Klimaerwärmung und ihre Folgen, sondern über die Aggressivität und Illegalität dieser Aktionen. Und damit ist für das Klima rein gar nichts gewonnen.

Video: Polizei greift vor der CS ein

Illegale Aktion: In Zürich wurden 64 Personen verhaftet. Video: Tamedia

Erstellt: 09.07.2019, 07:47 Uhr

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