Lassen die Linken das ZSC-Stadion fallen?

Das geplante ZSC-Stadion in Altstetten droht im Zürcher Gemeinderat zu scheitern. Die Schlüsselrolle in der Debatte kommt der SP zu.

«Theatre of Dreams» neben den Gleisen: Ab 2022 soll der ZSC in Altstetten eine neue Heimstätte haben – sofern Parlament und Volk mitspielen. Visualisierung ZSC Lions

«Theatre of Dreams» neben den Gleisen: Ab 2022 soll der ZSC in Altstetten eine neue Heimstätte haben – sofern Parlament und Volk mitspielen. Visualisierung ZSC Lions

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Fast zeitgleich stellte der Stadtrat im September 2015 zwei Grossprojekte vor: am Mittwoch, dem 16., den geplanten Bau einer privaten Eishockeyarena in Alt­stetten, bei dem er Hand bietet mit Land und finanzieller Unterstützung. Am Donnerstag, dem 17., die Sanierung von Kongresshaus und Tonhalle. Inzwischen ist die Kultur am Sport vorbeigesprintet. Der Gemeinderat stellte sich Anfang ­Januar mit 100:22 Stimmen hinter das 240-­Millionen-Projekt am See­becken, das Stimmvolk wird am 5. Juni darüber befinden. Die politischen Diskussionen ums Hockeystadion, das 2022 eröffnet werden soll, sind derweil noch in vollem Gange.

Standort und Beitrag umstritten

Am Donnerstag war das Projekt in der Spezialkommission Finanzen wieder ein Thema, wobei die Sozialdemokraten erste Änderungsanträge stellten und die Grünen einen Rückweisungsantrag. ­Bevor man über das Stadion befinde, gelte es nochmals abzuklären, ob es ­dafür nicht einen geeigneteren Standort gebe. «Dass man auf den Schrebergärten ein Stadion hinstellt, ist nicht mit unserer Grünstadt-Initiative vereinbar», sagt Karin Rykart, die Fraktionspräsidentin der Grünen. «Denn wir wollen ein Moratorium, dass keine weiteren Grün­flächen mehr überbaut werden. Das spricht eindeutig gegen das ZSC-Stadion an diesem Standort.»

Zudem sei, so Rykart, der jährliche Betriebszuschuss der Stadt von 2 Millionen Franken ein kritisches Thema. «Das sind wiederkehrende Kosten, die aufs Budget der Stadt drücken. Und wenn man sieht, dass wir um 100'000 Franken kämpfen, sind 2 Millionen sehr viel.» Auf die Finanzen zielen auch die Sozialdemokraten. Blanko möchte man die 2 Millionen Franken nicht einfach so geben. Man würde sie gerne an Bedingungen knüpfen oder reduzieren. Davy Graf, der neue Fraktionschef der SP, ist nicht nur Präsident der vorberatenden Kommission, sondern selbst auch in Altstetten wohnhaft. Über die aktuellen Diskussionen will er sich indes nicht äussern: «Wir sind noch in der Beratungsphase. Würde ich öffentlich darüber ­reden, wäre das ein Eingriff in den Kommissions­verlauf.»

Spuhler und Frey als Investoren

Aus SP-Kreisen hört man aber: Das Hockeystadion ist in der Fraktion deutlich umstrittener als das Fussballstadion, bei dem gewissermassen Euphorie verordnet wurde. Beim «Theatre of ­Dreams» sind in der SP viele kritische Stimmen zu hören. Der Meinungsbildungsprozess ist aber noch in vollem Gange, und man wartet jetzt einmal ab, welche Kompromisse sich die Stadionbauer bei den finanziellen Konditionen abringen lassen. Was auch mitspielen könnte: ein Anti-SVP-Reflex, sind doch Walter Frey und Peter Spuhler, die früheren SVP-Nationalräte, zwei der drei Investoren und steuern 24 Millionen Franken bei.

Die SVP hat den Stadionbauern denn auch ihre Unterstützung zugesichert. Der neue Fraktionspräsident Martin Götzl hält fest: «Man kann davon ausgehen, dass wir geschlossen fürs Stadion sind. Wir haben es genauestens geprüft. Das ist eine Chance, die man packen muss. Eine solche Finanzierung kommt nie mehr.» Götzl spricht damit an, dass die 169 Millionen Franken für den Stadionbau die Stadt nichts kosten – sie spielt für das 120-Millionen-Darlehen mit ­ihrem Triple-A-Rating nur die Bank.

SVP-Gemeinderat Urs Fehr ist in den Diskussionen der Kommission dabei und sagt: «Wenn das Stadion nicht kommt, sind die Tage der ZSC Lions in dieser Form gezählt. Und das geht dann zulasten der Nachwuchsförderung.» Für Fehr ist klar: «Matchentscheidend ist die SP. Wenn sie Nein sagt oder inakzeptable Forderungen stellt, schiesst sie das ­Projekt ab. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Die Vorlage ist so komplex: Wenn man daran schraubt, fällt sie in sich ­zusammen.»

ZSC: «Das absolute Minimum»

Wie sieht man die Situation bei den ZSC Lions? Geschäftsführer Peter Zahner führt seit September laufend Gespräche mit Gemeinderäten. Er spüre bei diesen ein sehr grosses Wohlwollen, was die breite Nachwuchsförderung und den ­Sicherheitsaspekt betreffe – Ausschreitungen sind bei den Zürcher Eishockeya­nern anders als im Fussball kein Thema mehr. Was den Betriebszuschuss angeht, vertritt Zahner eine klare Position: «Sollte man diesen noch weiter reduzieren wollen, ginge das Projekt für uns nicht mehr auf.»

Der Betrag sei, so Zahner, von ursprünglich 5,4 Millionen Franken laufend verringert worden, die 2 Millionen Franken seien «das absolute Minimum». Er erinnert daran, dass der ­Gemeinderat beim Hardturm-Projekt eine jährliche Defizitgarantie von 8,3 Millionen Franken gutgeheissen hat. Und sagt: «Wir geben dafür ja auch etwas. Die Stadt kann das Stadion zehn Tage im Jahr benützen, zudem nehmen wir Nutzungsbeschränkungen auf uns.»

Ein Links-rechts-Konflikt

Obschon das Stadion von der Sache her nicht unbedingt ins Links-rechts-Schema passt, scheint es sich in ein solches einzufügen. Ja sagt die SVP, auch die FDP und die CVP mit Stadtrat Gerold Lauber, dem Vorsteher des Schul- und Sportdepartements, sind dem Projekt wohlgesinnt. Dagegen sind die Grünen und die AL. Schwer einzuschätzen ist die Position der Grünliberalen, wobei auch deren Fraktionspräsidentin Isabel Garcia den Betriebsbeitrag kritisch sieht. Bleibt noch die SP, die mit 39 ­Gemeinderäten klar die stärkste Fraktion stellt und noch in beide Richtungen schwenken könnte.

Beim Fussballstadion waren sich SP und SVP letztlich einig, stimmte der Gemeinderat mit 101:15 klar zu, ehe es die Stimmbürger mit 50,8 Prozent ablehnten. Zahner hofft, aus den Fehlern der Fussballer gelernt zu haben. Dass das Hockeystadion professionell aufgegleist ist, bestreitet kaum jemand. Die Vorbehalte betreffen drei Punkte: das Finanzielle, die Familiengärten, die weichen müssen, und das Zügeln des ZSC von ­Zürich-Nord nach Altstetten. Vor den Sportferien trifft sich die Kommission noch zweimal in Sachen Stadion, der ­Gemeinderat dürfte Mitte, Ende März über das Bauvorhaben befinden.

Sollte der Gemeinderat dem Stadion zustimmen, würde es voraussichtlich am 25. September an die Urne kommen. Und dann würden die Diskussionen, die in den vergangenen Wochen und ­Monaten hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben, in die breite ­Öffentlichkeit getragen.

Erstellt: 24.01.2016, 23:09 Uhr

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Das Stadionprojekt

tPlatz für 11'600 Fans

2022 soll im «Theatre of Dreams» in Altstetten der erste Puckeinwurf erfolgen. Das Eishockeystadion umfasst eine Haupthalle mit einer Kapazität für 11'600 Fans sowie eine Trainingshalle. Die Stadt stellt dafür das Land im Baurecht zur Verfügung, zwischen Berner- und Vulkanstrasse, wobei Schrebergärtner an einen Ersatzstandort weichen müssten. Die Baukosten betragen 169 Mio. Fr. – die Stadt spielt für ein rückzahlbares Darlehen von 120 Mio. die Bank, 36 Mio. kommen von privater Seite, dazu fliessen Zuschüsse. Die Stadt unterstützt die Stadionbetriebs­gesellschaft jährlich mit 2 Mio. Fr., die nicht inflationsbereinigt sind. Zudem finanziert sie die Altlastenbereinigung (2,8 Mio.) und eine Passerelle (1,9 Mio.). Politisch hat das Projekt noch zwei Hürden zu nehmen: Stimmt der Gemeinderat zu, kommt es vors Zürcher Stimmvolk. (sg.)

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