Hurra, es ist ein Tram!

Das Flexity hätte das Zeug dazu, neues Zürcher Lieblingstram zu werden. Wenn nur der Name nicht wäre.

Ausblick und Einblick: Das Modell des neuen Flexity-Trams. Video: leu/Tamedia

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Was ist nicht alles geschnödet worden im Vorfeld über das neue Tram namens Flexity. Es quietscht in den Kurven! Es ist im Inneren eng und vollgestellt mit riesigen Radkästen! Es ist keine Zürcher Exklusivität, sondern ein Tram von der Stange! Und: Es fährt auch in Basel. In Basel!

Man ging also mit einer nicht völlig neutralen Einstellung an die gestrige Medienkonferenz der VBZ. Besser gesagt: Man fuhr in der Cobra, diesem Inbegriff des Zürich-Finish, in die Zentralwerkstatt der VBZ, zur exklusiven Besichtigung eines lebensgrossen Holzmodells des Flexity.

Elegant und zurückhaltend

Nun gut, ein halbes Holztram ohne Räder, das ist ungefähr wie ein Pappkamerad statt des Ehemanns. Und doch konstatiert man erfreut: Hurra, es ist ein Tram! Denn das ist in Zürich keineswegs selbstverständlich, die Cobra ist ja mehr eine fahrende Lounge als eine Strassenbahn. Irgendwie überkandidelt mit dem Rot an den Wänden und den gelben Haltestangen – und insgesamt jetzt schon schlecht gealtert.

Das Neue aber, ah, das Neue! Sie ahnen es: Es bahnt sich etwas an. Eine zarte Liaison. Das liegt vor allem an den inneren Werten des neuen Trams. Modern und aufgeräumt, und doch erinnert es angenehm an Kindertage, als man auf Grossmutters Schoss durch Zürich schaukelte. Auf Holzsitzen. Sie wissen schon: im Mirage-Tram. Ans schlichte Design dieses Lieblingstrams der Zürcherinnen und Zürcher knüpft das Flexity an.

Die Sitze sind feine, elegante Schalen aus Buchenholz. Keine grausigen Stoffsitze mehr, deren Muster das Auge beleidigt und die immer irgendwie schmuddelig wirken. Und die Haltestangen: Edelstahl. Es gibt kein anderes Material, das sich so elegant zurückhält und doch vermittelt: «Hier bin ich, halte mich, wenn es nötig ist, so gebe ich dir Halt.» Dagegen sind die gelben Stangen in der Cobra richtig aufdringlich.

Überhaupt präsentiert sich das Flexity angenehm zurückhaltend. In Fahrtrichtung gesehen, lenkt wenig den Blick ab von dem, was vor den grossen Fenstern vorbeizieht. Der Boden ist in Asphaltgrau gehalten, die Wände gebrochen weiss. Wendet man sich hingegen nach hinten, erkennt man frühlingshaft grüne Elemente an den Wänden. Das verleiht dem Tram einen frischen, aber edlen Look.

Bilder: Zürcher Trams von 1885 bis 2006

Die riesigen Radkästen, die an der Basler Version des Flexity so sehr stören, hat Hersteller Bombardier in der Zürcher Ausgabe eliminiert. Erkennbar ist das Fahrgestell nur daran, dass die Sitze darüber in einer Vierergruppe angeordnet sind und der Boden dort ganz leicht erhöht ist. Im restlichen Tram gibt es übrigens keine Vierersitzgruppen, sondern Sitzreihen. Das wird all jene freuen, die ungern rückwärtsfahren und schon gar nicht ihre Beine um die eines unbekannten Gegenübers fädeln wollen. Einziger Wermutstropfen: Der gute alte Kasten am Wagenende, von dem Millionen Kinder ihre Beine baumeln liessen, er ist Geschichte. Die beiden wie im Cobra quer angeordneten Sitze im Heck, sie sind, nun ja, ein Ersatz. Aber kein wirklich würdiger.

Dafür haben die VBZ bei diesem Tram endlich auch an Kinderwagen schiebende Eltern, Menschen mit Gehhilfen, Velofahrer mit Platten und Ferienreisende mit riesigen Koffern gedacht: Es stehen drei geräumige Abteile ohne Sitze zur Verfügung, wo sich bequem alles Mögliche parkieren lässt.

Und nicht zuletzt gibt es zwei überzeugende neue Details: USB-Stecker, um schlappe Handys zu laden (wichtig im Zeitalter elektronischer Billette), und Jackenhaken.

Doch genug von den inneren Werten des Flexity geschwärmt. So ganz unwichtig ist das Äussere ja auch nicht. Daran muss man sich, zugegeben, noch etwas gewöhnen.

Was für ein Name. Also wirklich

Schlicht ist das Flexity, ja schnörkellos. Aber es kommt auch ein wenig hochnäsig daher, man ist versucht zu sagen: verschlossen. Und das ist für ein Tram nicht die beste aller Eigenschaften. Vielleicht ändert sich dieser Eindruck, wenn das Tram wirklich durch Zürich fährt und man sehen kann, wie sich die LED-Bänder aussen an den Türen machen. Grün leuchten sie, wenn man einsteigen kann, rot, wenn das Tram abfahrbereit ist, und blau, wenn es fährt. Dieses blaue Leuchten, auch daran wird sich Zürich gewöhnen müssen. Ach ja, quietschen soll das neue Tram möglichst wenig, eine automatische Schmierung der Radflächen soll es möglich machen.

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Fazit: Das Flexity hat das Zeug zum neuen Lieblingstram. Mit ihm fährt man gern. Wenn nur eines nicht wäre. Der Name. Flexity! In einer Stadt, die schon den Elefant und den Laubfrosch, das Lisbethli und das Kurbeli, die Mirage und die Cobra auf die Schienen schickte, soll nun ein Flexity fahren? Liebe VBZ, das kann nicht euer Ernst sein. Also wirklich. Das macht das ganze schöne Design zunichte. Wollen wir denn ein Tram wie in Basel?

Antilope. Das würde passen.

Oder was meinen Sie? Was wäre Ihrer Ansicht nach ein passender Name? Schreiben Sie ihn in die Kommentarspalte oder senden Sie uns ein E-Mail. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.04.2018, 12:25 Uhr

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