«Ich bin schier in Ohnmacht gefallen, als er an mir vorbeilief»

Grosse Ehre: Tele-Züri-Frau Maria Rodriguez war Stadionspeakerin im Champions-League-Final zwischen Real Madrid und Atlético. Im Interview verrät sie, wer ihr besser gefiel als der halbnackte Ronaldo.

«Iker Casillas hat sogar König Juan Carlos geküsst!»: Moderatorin Maria Rodriguez am Samstagabend im vollen Estadio da Luz in Lissabon.

«Iker Casillas hat sogar König Juan Carlos geküsst!»: Moderatorin Maria Rodriguez am Samstagabend im vollen Estadio da Luz in Lissabon. Bild: PD

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Maria, wie bist du zu diesem Traumjob gekommen?
Durch Zufall! Der Produzent, der die Show vor dem Spiel produziert hat, ist Schweizer und suchte kurzfristig jemanden, der Spanisch und Englisch spricht, Portugiesisch versteht und am Fernsehen moderieren kann. Da ist er glücklicherweise auf mich gekommen. Aber es war auch ein Stress. Ich hatte gerade zwei Tage Zeit, um mich vor Ort vorzubereiten.

Was war deine Aufgabe?
Zuerst durfte ich die Show moderieren, die den 60'000 Zuschauern im Stadion als Einstimmung gezeigt wurde...

…Du warst die Einheizerin von 60'000 heissblütigen Fans?
Ja, genau.

Und wie haben die Spanier auf Dich reagiert?
Auch wenn mein Englisch nicht so gut ist wie mein Spanisch, glaube ich, dass die Show gut angekommen ist. Speziell war, dass ich zwischen den beiden Co-Moderatoren von Real und Atlético stand. Die reden einen in Grund und Boden. Wie die Stimmung gemacht haben – einmalig!

Hast du auch während des Spiels Tore und Auswechslungen mitgeteilt?
Ja, ich war zuständig für alle Stadiondurchsagen auf Spanisch – ausser den Toren. Diese wurden von den Clubspeakern gesprochen. Aber ich habe die Verlängerung verkündet, die Minuten Überzeit, die Auswechslungen…

...Dann hast du auch die überraschende und vielleicht spielentscheidende Auswechslung von Atlético-Star Diego Costa in der 9. Minute verkündet…
…Ja, aber ob die spielentscheidend war, ist eine Interpretation!

Ha, du bist Real-Fan!
Das darf ich nicht sagen – ich wurde unter der Bedingung engagiert, dass ich neutral bin. Ich hätte es wirklich beiden Vereinen gegönnt.

Aber man weiss doch, dass du für Real und insbesondere für Real-Goalie Iker Casillas schwärmst.
Ich bin schier in Ohnmacht gefallen, als er an mir vorbeilief! Aber für den schwärmen alle Spanier – sogar die Atlético-Fans. Sagen wir es so: Ich fiebere für einen Fussballclub aus Madrid…

…haha. Iker Casillas hat nach dem Spiel alle abgeküsst, weil sein Fehler in der 36. Minute den Club fast die Décima – den zehnten Meistercuptitel – gekostet hat und seine Mitspieler das Spiel in letzter Minute gekehrt haben. Hat er dich auch geküsst?
Iker hat sogar König Juan Carlos geküsst! Ich bin aber nicht interessiert – ich weiss, wo schmusen und wo nicht… Im Ernst: Ich habe mich von den Spielern bewusst ferngehalten. Die hatten anderes zu tun, als mit mir am Spielfeldrand zu sprechen. Und ich übrigens auch. Aber sie waren locker drauf. Es wäre ein Leichtes gewesen, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln.

Iker soll ein Faible für Moderatorinnen haben…
…er hat eine wunderschöne Frau und wie ich ein Baby zu Hause.

Wie nahe an dir war der halbnackte und jubelnde Ronaldo?
Ich sass zwei Meter vom Spielfeldrand zwischen den beiden Trainern… Ronaldo ist wirklich wie eine Maschine. Der rennt wie ein Tank, und dieses Six- oder Ten- oder Weiss-ich-wie-viel-Pack… Aber Ronaldo ist nicht so mein Typ. Iker liegt mir eindeutig näher.

Wie hast du den «Vulkan» Simeone, Trainer von Atlético, und «Buddha» Ancelotti von Real erlebt?
«El Cholo» Simeone ist wirklich extrem impulsiv. Er stachelte Spieler wie Fans an, rannte, gestikulierte und verbrannte wohl ähnlich viele Kalorien wie seine Stürmer. Ich befürchtete, dass er ein Herzchriesi bekommt! Ancelotti und seinem Einflüsterer Zinédine Zidane hingegen hat man erst gegen Spielschluss angemerkt, dass sie nervös wurden.

Du hättest dich auch an die spanischen Fans gewendet, wenn es zu Zwischenfällen gekommen wäre. Gab es eine brenzlige Situation?
Nein, es war friedlich. Die spanischen Fans sind auch nicht bekannt als Randalierer. «Heiss» wurde es höchstens in der Schlussphase der regulären Zeit, als Real ausglich. Ich sass zwischen den Fanvertretern von Real und Atletico. Sie waren aber überhaupt nicht aggressiv und haben sich auch nach dem Spiel umarmt. Das hat mich dann doch erstaunt. Am nervösesten war wohl Real-Spieler Xavi Alonso, der gesperrt war. Er sass hinter mir und ist in seinem Anzug ein paarmal fast über mich geklettert, um nach vorn zu gelangen. Er hielt es einfach nicht mehr aus auf seinem Sitz.

Wie hoch war dein Pulsschlag?
Sicher erhöht. Ich habe mich schon stark konzentriert, damit ich keinen Stuss verkündete. Das Adrenalin war da!

War das Adrenalin auch deine Gage?
Ich wurde fair entschädigt. Und das Erlebnis war einmalig!

Die Journalistin Maria Rodriguez ist Tele-Züri-Moderatorin und frühere Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Reporterin. Sie ist in Zürich aufgewachsen und hat einen spanischen und einen Schweizer Pass. Die 40-jährige Mutter zweier Kinder war am Samstag in Lissabon Stadionspeakerin am Champions-League-Final zwischen Real Madrid und Atlético Madrid. Das Spiel endete 4:1 nach Verlängerung für Real.

Erstellt: 26.05.2014, 12:30 Uhr

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Real-Goalie Iker Casillas küsst Sergio Ramos, der in der 93. Minute den Ausgleich geköpfelt hat und damit Casillas «gerettet» hat, weil dieser beim 1:0 von Atlético schlecht ausgesehen hatte. (Bild: Mario Cruz/Epa)

«Der rennt wie ein Tank, und dieses Six- oder Ten- oder Weiss-ich-wie-viel-Pack...»: Real-Star Cristiano Ronaldo. (Bild: André Kosters/Epa)

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