«Ich habe das Privileg, das zu machen, was ich will»

Der 3-D-Künstler Stefan Künzler zeigt an der Grafik 15 eine Auswahl seiner Maskenbilder. Sogar Lady Gaga und Nike interessieren sich für ihn.

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Stefan Künzler steht vor einer der vier Betonwände, die an der Grafik 15 für Sondershows reserviert sind. Über ihm hängt bereits das erste Bild. Eine rote Maske mit zwei Spitzen, die wie Hörner aussehen. Er ist der einzige Solokünstler, der so eine Wand erhalten hat. Die Organisatoren begründen das mit seinem internationalen Renommee und seiner Pionierrolle als 3-D-Grafiker. Künzler trägt eine schwarze Kappe, einen schwarzen Pullover, eine dunkelblaue Jacke, Jeans. Draussen scheint die Sonne, aber drinnen ist es eisig kalt.

Überraschender Erfolg

Sein Erfolg kam buchstäblich über Nacht. Vor vier Jahren stellte er einige seiner Bilder online, und am nächsten Tag hatten sich diese bereits 14'000 Menschen angesehen. Kurz darauf meldete sich das Team von Lady Gaga und wollte die Masken für die nächste Konzerttour kaufen. Er musste ihnen erklären, dass die Bilder nicht echte Masken zeigen, sondern dass sie am Computer als 3-D-Bilder entstanden sind.

Dann kontaktieren ihn Mitarbeiter von Nike. Für die Sportmarke hat Künzler T-Shirts mit 3-D-Aufdrucken kreiert, basierend auf den Sujets der Schuhe. Das empfand er als Spagat zwischen Kommerz und künstlerischer Freiheit. Aber er freut sich noch immer über das Vertrauen, das ihm da, einem völlig Unbekannten, entgegengebracht wurde.

Dass der Deal mit Lady Gaga nicht zustande gekommen ist, darüber ist Künzler im Nachhinein froh. Er hat viel darüber nachgedacht. «Da hätte ich mich kommerziell verschleudert», sagt er. Es wären nicht mehr seine Masken gewesen. Darauf legt er mittlerweile Wert. Er stellt seine Werke nur noch gezielt online. Die Bilder, die an der Grafik 15 verkauft werden, sind Einzelstücke.

Schützende Masken

Warum er gerade Masken kreiert? Die hätten ihn schon immer fasziniert. Besonders diejenigen von Gladiatoren. Kampfmasken, Kriegsmasken. «Da geht es physisch und psychisch um Leben und Tod. Man ist mit Bedrohungen konfrontiert», sagt er. Sie böten Schutz, weil man böser aussehe. Der kriegerische Ausdruck seiner Werke steht ganz im Gegensatz zum Entstehungsprozess, der für ein Bild bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen kann. Künzler modelliert zuerst ein richtiges Gesicht, von jemandem, der ihn berührt hat. Darüber entsteht dann die Maske. Wer das Gesicht dahinter ist, weiss schliesslich nur noch er. Emotionen seien sehr wichtig für diesen Entstehungsprozess. «Würde man alle Masken eines Jahres nebeneinander aufstellen, würde man meine Gefühlsauf und -ab sehen», sagt Künzler. Wenn man die Emotionen sieht, weiss er, dass er mit vollem Herzen dabei war, dass er alles in den Entstehungsprozess hineinfliessen liess.

Auf sein Logo R-O-M-A angesprochen, erzählt der 29-Jährige von der Roma-Herkunft seiner Mutter. Wie wichtig ist ihm diese Herkunft? Er lacht, für ihn habe es eine Bedeutung. Er sei auch ein wenig stolz darauf, aber da sei er wohl der Einzige in seiner Familie.

Er wirkt etwas wie ein Aussenseiter. Offen, sympathisch, aber immer ein wenig auf der Hut. So als würde er nie ganz dazugehören. «Ich versuche immer das zu machen, was die anderen nicht machen. Einen Weg zu finden in dieser Welt, in der so viel gleich aussieht. Den Mut zu haben, etwas zu machen, das es in dieser Form oder diesem Stil noch nicht gibt.»

Besondere Bedeutung für sein Schaffen hat der Einfluss von Künstler Ata Bozaci. Er ist die wichtigste Person in seinem Leben, Bruder und Lehrer. Bozaci bringe ihn dazu, mutig zu sein und Neues auszuprobieren. Der Mitbegründer der Schweizer Graffitiszene stellt an der diesjährigen Grafik 15 seine Bilder «Fifteen Seconds of Fame», basierend auf Facebook-Fotografien, aus.

Erstellt: 11.03.2015, 22:09 Uhr

Grafik 15

160 Aussteller in der Maag-Halle

Vom 13. bis zum 15. März findet in der Maag Event Hall zum vierten Mal die Grafikausstellung statt. Dieses Jahr zeigen 160 Künstler ihre aktuellen Arbeiten von Urban Art, Graffiti, Illustration, Typografie bis hin zu Mapping und 3-D. Neben Stefan Künzler haben vier Künstlerkollektive eine Sondershow bekommen. Das Museum für Gestaltung ist vertreten, ebenso das Künstlerduo Optical Slow und das Kollektiv Der Pfeil (Perla-Mode). Ausserdem hat Pro Helvetia einen Showcase initiiert in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kunsthochschulen und Studios. Der internationale Stargast ist die Grafikikone David Carson, der 1997 das Buch «The End of Print» schrieb.(msw)

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