«Neben dem Nationalrat brauche ich eine neue Herausforderung»

Nimmt Bastien Girod es seiner Partei übel, dass sie ihn nicht für den Stadtrat nominiert hat? Im Interview nimmt er Stellung.

Nationalrat Bastien Girod wurde von seiner Partei nicht als Stadtratskandidat aufgestellt. Den Vorzug bekam die eher unbekannte Fraktionschefin Karin Rykart-Sutter. Bild: Keystone/Patrick B. Krämer

Nationalrat Bastien Girod wurde von seiner Partei nicht als Stadtratskandidat aufgestellt. Den Vorzug bekam die eher unbekannte Fraktionschefin Karin Rykart-Sutter. Bild: Keystone/Patrick B. Krämer

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Die städtischen Grünen haben am Dienstagabend mit 94 Stimmen die eher unbekannte Fraktionschefin Karin Rykart-Sutter als Stadtratskandidatin aufgestellt und dem bekannten Nationalrat mit lediglich 65 Stimmen eine Abfuhr erteilt. Trotzdem ist für ihn das Thema Exekutivamt nicht abgeschlossen.

Worauf führen Sie Ihre Nichtnomination zurück?
Dass es schwierig ist, als Mann genügend Stimmen zu erhalten, war mir immer klar. Aber es hat an der Versammlung noch ein weiteres, neues Argument für eine Frauenkandidatur gegeben. Nämlich jenes, dass die bürgerlichen Parteien eher unbekannte und nicht so starke männliche Kandidaten aufgestellt haben. Damit stiegen die Chancen, dass Karin Rykart den zweiten Sitz holt.

Die Jungen Grünen haben Sie nicht unterstützt. Dabei waren Sie einst deren Aushängeschild.
Die Jungen Grünen haben das idealistische Argument, eine Frau aufzustellen, höher gewichtet als andere Faktoren wie etwa die Wahlchancen. Ich nehme es ihnen nicht übel.

Ihr Aufruf auf Facebook, mit dem Sie eine Kandidatur testeten, brachte also nur eine Pseudounterstützung.
Nein, dieser Aufruf hat mir bei der Mobilisierung im internen Vorwahlkampf geholfen und bei der Abstimmung an der Mitgliederversammlung sicher 20 bis 30 zusätzliche Stimmen gebracht. Der Aufruf war ein Erfolg, rund 800 Personen haben mitgemacht.

Die Nichtnomination ist ein Knick in Ihrer Karriere. Wie geht es nun beruflich und politisch weiter?
Wer nie verliert, hat zu wenig probiert. Nach diesem Motto mache ich weiter. Aber es ist noch offen, in welche Richtung es vorerst geht. Ein Exekutivamt würde mich reizen.

Das heisst, Sie hegen Ambitionen für die Regierungsratswahlen 2019?
Mal schauen. Mich interessiert zurzeit eher der Zürcher Stadtrat – und wenn es diesmal nicht geklappt hat, kommt doch die nächste Wahl bestimmt. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Sicher ist, dass ich nicht Berufsparlamentarier werden möchte. Also, neben dem Mandat als Nationalrat brauche ich noch eine neue Herausforderung.

Was könnte das sein?
Ich arbeite jetzt als Oberassistent am Lehrstuhl für Technologie und Nachhaltigkeit an der ETH Zürich und arbeite gleichzeitig an meiner Habilitation. Daneben absolviere ich noch ein MBA-Studium an der Universität Zürich. Mich reizen die vertiefte Dossierarbeit und die analytische Arbeit. Nebst einem Exekutivamt fände ich deshalb auch eine Position in der Wirtschaft spannend.

Von Bastien Girod wird man also weiterhin hören?
Bestimmt!

Erstellt: 06.07.2017, 06:34 Uhr

Bastien Girod

Der 36-jährige Umweltwissenschaftler ist seit 2007 Nationalrat. Bei den Parlamentswahlen im Oktober 2015 erhielt er die meisten Stimmen aller grünen Kandidaten.

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