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«Ich politisiere aus Neugierde»

Karin Rykart geht es in Debatten nicht um Harmonie. Sie sucht den Diskurs und mahnt, ihr besser zuzuhören.

Bei ihrem Unort, der Langstrassenunterführung, zeigt Karin Rykart, was sie nach ihrer Wahl ändern würde. Video: Lea Blum

Sie gelten als politisch unverdächtig, als Leichtgewicht.

Diesen Vorwurf kenne ich.

Entkräften Sie ihn.

Ich habe viel gemacht, mich immer positioniert. Die Initiative «Bezahlbar und ökologisch wohnen» stammt von mir, ich habe zwei Wochen Vaterschaftsurlaub erkämpft. Wer mich auf den Auspuffklappen-Vorstoss reduziert, wird mir nicht gerecht. Auch wer sagt, meine Art passe nicht zu einer, die Stadträtin werden will.

Sie wirken ruhig, zurückhaltend.

Das bin ich. Das heisst aber nicht, dass man mich politisch nicht richtig einordnen kann. Ich habe ein klares Profil.

Eine SPlerin im grünen Kleid.

Ich stehe voll und ganz hinter dem grünen Parteiprogramm. Die Umwelt liegt mir am Herzen. Wohnen, die Stellung der Frauen oder Familienthemen sind mir aber auch wichtig.

Für die überparteiliche Zusammenarbeit loben Sie alle.

Ich bin politisch nicht harmoniebedürftig, aber ich politisiere aus Neugierde und weil ich mich gern mit Gegnern austausche. Meine Meinung habe ich deswegen aber nie zurückgehalten. Die Vorwürfe scheinen aber auch damit zu tun zu haben, dass ich eine Frau bin.

Das scheint Sie zu nerven.

Einer Frau wird weniger zugehört. Das hat auch damit zu tun, dass Frauen in der Politik immer noch in der Minderheit sind. Sagt ein Mann dasselbe, applaudieren ihm alle. Weist die Frau darauf hin, wird sie als penetrant beschimpft. Da gibt es Grenzen. Gerechtigkeitsempfinden und Anstand sind mir wichtig.

Dann fahren Sie aus der Haut?

Ich wehre mich und ziehe auch mal Konsequenzen daraus.

Das taten Sie, als Sie mit der Listenbildung Ihrer Kreispartei nicht einverstanden waren und in eine andere Kreispartei wechselten.

An diesem Anlass wurden Grenzen überschritten, ich sah keine Chance für eine weitere Zusammenarbeit. Heute ist die Sache für beide Seiten gegessen.

Das spricht nicht für Ihr Teamplay.

Das war mein einziger Knatsch.

Sie gelten auch nicht als ausgewiesene Führungsfigur.

Ich bin Co-Geschäftsleiterin eines KMU mit 20 Angestellten. Zuvor war ich Fraktionspräsidentin und Co-Stadtparteipräsidentin der Grünen.

Wie setzen Sie sich durch?

Mit klaren und sachlichen Argumenten.

Sie haben den Ruf einer Neinsagerin, Stichwort Hardturm-Stadion. Zuerst waren Sie dafür, nun dagegen. War das Wahlkampftaktik?

Das war eine Mediensache. Ich sagte nur, der Schattenwurf sei kein Thema, ergo galt ich als Befürworterin. Persönlich gefragt wurde ich damals nicht.

Warum haben Sie sich nicht von Anfang an klar positioniert?

Die Stadionfrage ist emotional. Manche äussern sich aus Angst vor Anfeindungen nicht mehr öffentlich dagegen. Wir haben für das letzte Projekt gekämpft, nun sind wir müde. Als Nichtfussballfan bin ich aber nicht grundsätzlich gegen das Stadion.

Was stört Sie am neuen Projekt?

Die zwei Hochhäuser sind mit 137 Metern zu wuchtig. Das Areal ist übervoll, ich vermisse Innovation. Auf dem Hardturm könnte man die verpatzte Stadtplanung in Zürich-West retten. Mit einer visionären Art von Wohnen, wie es das Kraftwerk 1 ist (Anm. der Red.: ihr Wohnort), statt mit hohen Renditen. Schade wäre es um die Stadionbrache und den Platz. Zürich braucht solche Freiräume.

Nein sagen Sie auch zum Kongresszentrum auf dem Carparkplatz. Sie fordern gemeinnützige Wohnungen.

Ich bin gegen ein Kongresszentrum, weil wir für viel Geld das Kongresshaus am See sanieren und beim Flughafen eine neue Kongressinfrastruktur entsteht. Vielleicht hätte ja die nächste Generation eine visionäre Idee für das Areal Carparkplatz.

Was wollen Sie der nächsten Generation sonst noch hinterlassen?

Es ist meine politische Motivation, ihr viel Gutes und Mutiges zu hinterlassen. Visionäre Wohnideen, in denen die Gemeinschaft mehr zählt als die Anonymität. Ein gutes Klima, denn es ist die Grundlage unseres Lebens. Kurzfristig muss sich in Sachen Velo etwas verbessern, zum Beispiel in der Unterführung an der Langstrasse.

Sie scheinen sicherer aufzutreten als zu Beginn des Wahlkampfes.

Die Routine nimmt natürlich zu, und man wächst in die neue Rolle hinein.

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Die blassgrüne Kämpferin

Zum Porträt der Stadtratskandidatin der Grünen.

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