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«Ich schätze Frau Badran sehr, aber hier...»

Prominenz macht mobil für ein Ja zum neuen Fussballstadion. Dabei kommt Komiker Beat Schlatter ins Grübeln. Und Roger Schawinski macht etwas nicht als erster, aber zum ersten Mal.

«In einem vollen Stadion ist eine andere Energie da»: Schauspieler Beat Schlatter macht sich für die neue Arena stark. (Video: Lea Blum/Pascal Unternährer)

Es ist der einzige wunde Punkt: Der FC Zürich müsste über die Gleise ziehen. «Das ist tatsächlich ein Problem», gibt Komiker und FCZ-Fan Beat Schlatter unumwunden zu. Früher galt: Der FCZ ist mit dem Letzigrund auf der einen Seite der Bahngleise, GC mit dem Hardturm auf der anderen. Dennoch überwiegten die Vorteile für ein neues Stadion für beide Clubs auf dem Hardturmareal klar, sagt Schlatter: Die Vereine sollen endlich ein echtes Fussballstadion erhalten.

Der Letzigrund, in dem heute auch der Grasshopper Club spielen muss, weil der alte Hardturm abgebrochen wurde, sei zu gross für die Zürcher Clubs, meint der Schauspieler. «Er ist immer halb leer.» Während der Letzigrund rund 25'000 Fans Platz gibt, ist das neue Stadion für 18'000 Zuschauer geplant. Und zwar ohne Tartanbahn zwischen Spielfeld und Publikum.

An der Vorstellung des Pro-Komitees fürs Fussballprojekt Ensemble, über das am 25. November in Zürich abgestimmt wird, ging es heute Freitag munter zu und her. Roger Schawinski erklärte, er habe sich bisher an die Journalistenregel gehalten, nie einem Abstimmungskomitee beizutreten. Aber als sich abgezeichnet habe, dass «wieder ein Bremsklotz» das Stadion verhindern wolle, sei die Sache für ihn klar gewesen: «Ich muss ran.» Den Bremsklotz nannte Schawinski nicht namentlich. Klar war aber, dass er die städtische SP meint, die derzeit Unterschriften sammelt für ein Gegenprojekt.

2200 Franken für 3,5 Zimmer – eine Luxuswohnung?

Schlatter meinte, er gehöre eigentlich zu den Bewunderern von Jacqueline Badran – die SP-Nationalrätin orchestriert die Opposition mit dem Schlagwort «Nein zu Luxuswohnungen». Doch da sei sie auf dem falschen Dampfer. «Ich verstehe sie nicht», sagte er.

Die Schweizer Nationalspielerin Terchoun im Video:

«Am wohlsten fühle ich mich derzeit in der Tissot-Arena in Biel»: FCZ-Star Meriame Terchoun. (Video: Lea Blum/Pascal Unternährer)

Im Projekt Ensemble ist geplant, insgesamt 300 gemeinnützige Wohnungen zu bauen plus 570 Wohnungen in den beiden Türmen neben dem Stadion. In den Hochhäusern wird eine 2,5-Zimmer-Wohnung (65 Quadratmeter) ab 1750 Franken zu haben sein, eine 3,5-Zimmer-Wohnung (80 m2) ab 2200 Franken und 4,5 Zimmer(110 m2) ab 2980 Franken. Die Durchschnittspreise betragen gemäss Angaben des Bauunternehmens HRS 2300 (für 2,5 Zimmer), 2500 (3,5) und 3200 (4,5) Franken im Monat.

«Stattlicher Anteil» gemeinnütziger Wohnungen

«Das sind doch keine Luxuswohnungen», meinte CS-Mann Raymond Rüttimann. Mit dem Grossteil der Rendite für diese Wohnungen wird der Bau des Stadions querfinanziert. Dieses kostet 105 Millionen. Rüttimann betonte, dass nicht die Bank selbst, sondern verschiedenste Schweizer Pensionskassen in das Projekt investieren. Damit komme die Rendite am Schluss den Versicherten zugute.

Christian Portmann, Präsident des Zürcher Regionalverbands der Wohnbaugenossenschaften, plädierte dafür, die Chance zu ergreifen, neue Wohnungen zu erhalten. Die 300 gemeinnützigen Wohnungen seien «ein stattlicher Anteil». Auf die SP angesprochen, welche ausschliesslich Genossenschaftswohnungen will, sagte Portmann, bei deren Idee gebe es zu viele Unwägbarkeiten: «Da sind wir noch weit davon entfernt». Die 300 in diesem Projekt seien hingegen fix.

Rita Fuhrer begründet ihr Engagement fürs Stadion:

«In Pfäffikon hätten wir schon noch Platz für ein Stadion»: Ex-Regierungsrätin Rita Fuhrer. (Video: Lea Blum/Pascal Unternährer)

«Diese 300 Wohnungen entstehen sonst nicht», machte Hans Rupp klar, der Geschäftsführer der ABZ, welche die gemeinnützigen Wohnungen beim Stadion baut. Martin Kull, CEO von HRS, erinnerte daran, dass die Vorgabe der Stadt gewesen sei, 150 gemeinnützige Wohnungen zu bauen. Nun sind es 174 beim Stadion und 125 an einem noch unbekannten Ort, wo die CS mit der Stadt Land abtauschen würde.

«Im Letzigrund verliert man sich»

Auch Rita Fuhrer setzt sich fürs Stadion ein. Sie gab sich als GC-Fan zu erkennen – «seit 40 Jahren, ich bin eine treue Seele». Fussball sei ein Sport, der die Jugendlichen zu begeistern vermöge, sagt die frühere SVP-Regierungsrätin. Dazu brauche es Nähe. Der Letzigrund aber sei nicht in der Lage, eine familiäre Stimmung zu erzeugen: «Darin verlieren wir uns», sagte Fuhrer. «Wir brauchen eine neue Ambiance.» Und wenn die Arena privat finanziert sei – «umso besser.»

Prominenz pro Stadion – die Bilder:

Komiker Beat Schlatter macht sich stark fürs Fussballstadion, das am 25. November in Zürich zur Abstimmung kommt. Roger Schawinski findets offensichtlich amüsant.
Komiker Beat Schlatter macht sich stark fürs Fussballstadion, das am 25. November in Zürich zur Abstimmung kommt. Roger Schawinski findets offensichtlich amüsant.
Walter Bieri/Keystone
Auch die Zürcher alt Regierungsrätin Rita Fuhrer (SVP) möchte, dass GC und der FCZ in einem «echten» Fussballstadion spielen können.
Auch die Zürcher alt Regierungsrätin Rita Fuhrer (SVP) möchte, dass GC und der FCZ in einem «echten» Fussballstadion spielen können.
Walter Bieri/Keystone
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Auch FCZ-Star Meriame Terchoun weibelt für ein neues Stadion. Die Schweizer Nationalspielerin sagte, eine neue Arena sei wichtig für den Frauenfussball: «Das bringt mehr Leute an unsere Spiele.» Derzeit stelle die kompakte Tissot-Arena in Biel für sie eine Heimat dar.

Schlatter: «Wir sind gegen die Chaoten»

Der Ex-GC-Spieler und heutige Präsident des Zürcher Fussballverbands Marcel Cornioley erinnert sich noch an die Stimmung im alten Hardturmstadion und würde den künftigen Generationen Ähnliches gönnen. Er versteht den Fussball als Breitensport: In der Stadt Zürich gebe es 11'000 aktive Fussballerinnen und Fussballer. Knapp 40 Prozent aller Sportler zwischen 5 und 20 Jahren jagten dem Fussball hinterher.

Zur Gewaltproblematik sagte Schawinski, es wäre fatal, wenn die Stimmbürger einen Zusammenhang zwischen den Hooligans und dem Stadion herstellten. Und wenn das die Stadiongegner täten, wäre es «schändlich». Schlatter meinte, von den 10'000 im Stadion seien 9800 keine Hooligans. Er gehöre zu diesen – «und wir sind auch gegen diese Chaoten».

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