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Ihm ist das Lächeln nicht vergangen

Der Zürcher Zahnarzt Vaclav Velkoborsky hat einen Patentstreit am Hals.

MeinungMichael Graf
«Dass eine Firma wie Unilever uns angreift, sehe ich als Kompliment»: Velkoborsky auf Facebook. Foto: PD
«Dass eine Firma wie Unilever uns angreift, sehe ich als Kompliment»: Velkoborsky auf Facebook. Foto: PD

Wenn Paris Hilton ihre weissen Zähne putzt, tut sie das mit einer Zahnpasta aus Zürich. Das schreibt zumindest Zahnarzt Vaclav Velkoborsky auf seiner Website. Seit zehn Jahren stellt der gebürtige Tscheche seine eigenen Zahnpflege­produkte für den Luxusmarkt her. Für 22.90 Franken pro 100-Gramm-Tube wird dem Kunden eine «patentierte Rezeptur» versprochen, die Verfärbungen nicht wegschmirgelt, sondern sogar den Zahnschmelz aufbauen soll.

Ebendieses Patent hat der Food- und Kosmetikriese Unilever erfolgreich angezweifelt. Das Europäische Patentamt entschied vor einem Monat: Die Wirkungsweise der Swissdent-Paste sei im Patent zu wenig detailliert beschrieben. Seither liegt der Patentschutz auf Eis.

Doch Velkoborsky ist das Lächeln nicht vergangen. «Dass eine Firma wie Unilever uns angreift, sehe ich als Kompliment», schreibt er auf Facebook. Seine Erfindung, mit der er nach eigener Angabe einen Jahresumsatz von 10 Millionen Franken macht, nahm ihren Anfang 2005, als er eine Paste als Geschenk für seine Stammkunden anrührte. Sie wollten mehr, und bald wurde der Zahnarzt zum Zahnpasta-Unternehmer.

Herkömmliche Werbung macht er kaum

Seit ihn das Schweizer Fernsehen 2011 porträtierte, gilt Velkoborsky, der in Zürich studiert hat, als Halb-Promi. Herkömmliche Werbung macht er kaum. Lieber umgarnt er die Schönen und Reichen persönlich. In Cannes mietete er mehrere Jahre während des Filmfestivals eine Strandvilla. Am Zurich Film Festival, einen Steinwurf von seiner Praxis am Bellevue entfernt, lässt er goldene Zahnbürsten verteilen.

Wie prominent die Patienten des Dr. Vaclav «Vacek» Velkoborsky wirklich sind, lässt sich kaum überprüfen: Als Arzt sei er ans Arzt­geheimnis gebunden, betont er: «Ich darf gar nichts sagen.» Und als Zahnpasta-Verkäufer? «Wenn ich Namen nenne, verlangen die Agenten der Stars Gebühren», sagt der 60-Jährige, der sich als sparsamen Menschen beschreibt.Günstiger sei es, wenn Stars und Zahnpasta «wie zufällig» aufs gleiche Bild kämen.

Einem strahlenden Lächeln verzeiht man eben viel.

Manchmal rächt sich der Hang zum Name-Dropping. Die Darstellung, er habe mehrere Jahre in Beverly Hills die Stars behandelt, entzauberte 2010 der «SonntagsBlick». Er habe nie eine Greencard besessen, räumt Velkoborsky ein, sondern den Star-Zahnärzten bloss über die Schulter geschaut. Heute steht auf seiner Website etwas wolkig: «Seine beruflichen Erfahrungen entfalten sich bis nach Kalifornien.»

2013 schilderte die Klatschkolumnistin Hildegard Schwaninger ihre Begegnung mit dem geschäftstüchtigen Zahnarzt: Als er bei einer Filmpremiere keinen VIP-Platz bekam, habe er sich mit Begleitung einfach keck auf reservierte Plätze gesetzt. Und blieb. Nach dem Film darauf angesprochen, habe er gesagt: «Ich bin damit durchgekommen.» Einem strahlenden Lächeln verzeiht man eben viel.

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